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Kämpfe in Aleppo

Tauziehen um syrische Millionenstadt

Armee plant Gegenoffensive in Aleppo

Die Kämpfe um die nordsyrische Millionenmetropole Aleppo spitzen sich zu. Rebellen und Regimetruppen versuchen, eine Entscheidung herbeizuführen. Die Armee kündigte eine großangelegte Gegenoffensive an. Um die Kontrolle über die größte Stadt des Landes wiederzuerlangen, habe die Armee ihre Truppen verstärkt, hieß es aus syrischen Sicherheitskreisen in Damaskus.

Die Armee wolle am Freitag oder Samstag mit ihrer Gegenoffensive beginnen. Die in der Stadt befindlichen 2000 Rebellen hätten Unterstützung von bis zu 2000 weiteren Aufständischen erhalten, hieß es weiter. Der Flughafen sei von der Stadt abgeschnitten, weil vier der fünf Zufahrtsstraßen in Rebellenhand seien.

Jörg Armbruster (ARD Kairo, zzt. Damaskus) zur Lage in Syrien
tagesthemen 22:15 Uhr, 26.07.2012

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Aufständische kontrollieren die Hälfte von Aleppo

Die Opposition bestätigte die Angaben. "Die militärische Verstärkung ist in Aleppo eingetroffen, wir rechnen jeden Moment mit einer großangelegten Offensive", sagte ein Sprecher der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA). Demnach schickte die Armee rund hundert Panzer in Richtung der 2,5-Millionen-Einwohner-Metropole im Nordwesten Syriens. Die Aufständischen schlugen nach eigenen Angaben zwei Vorstöße der Regimetruppen zurück. Sie behaupten, etwa die Hälfte der Stadt unter Kontrolle zu haben. 24 Menschen kamen nach ihren Angaben ums Leben.

Stichwort

In Aleppo, der größten Stadt Syriens, leben rund zwei Millionen Menschen. Aleppo liegt rund 50 Kilometer südlich der türkischen Grenze und gilt als Wirtschaftsmetropole. Rund zwei Drittel der syrischen Exportgüter außer Erdöl werden hier produziert oder weiterverarbeitet: petrochemische und pharmazeutische Produkte, Textilien sowie Lebensmittel.

Das von einer Stadtmauer umgebene historische Zentrum Aleppos wurde 1986 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Gefechte auch in vielen anderen Landesteilen

In Damaskus lieferten sich Aufständische und Sicherheitskräfte derweil im palästinensischen Flüchtlingslager Jarmuk Gefechte. Dies berichteten Aktivisten. Auch im Stadtteil Al-Hadschar al-Aswad tobten Kämpfe. Auch in anderen Landesteilen gingen die Kämpfe mit unverminderter Härte weiter. Gefechte und Angriffe der Regimetruppen wurden unter anderen aus Rastan bei Homs, Idlib, Deir as-Saur und Daraa gemeldet.

General will syrische Opposition einigen

General Manaf Tlass, der bisher höchste Offizielle, der sich vom Assad-Regime abgewandt hat, erklärte in einem Zeitungsinterview, dass er an der Einigung der bislang zerstrittenen syrischen Opposition arbeite. "Ich werde jeden ansprechen, der Syrien wiederaufbauen möchte, sowohl im Inland wie auch im Ausland", sagte er der saudischen Tageszeitung "Al-Sharq Al-Awsat".

Tlass, ein Sohn des früheren Verteidigungsministers Mustafa Tlass, hatte sich Anfang Juli aus Syrien abgesetzt. Er war Kommandeur einer Brigade der Republikanischen Garde und mit Assad persönlich befreundet. Er gehört der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit an.

Syrische Armee plant offenbar Gegenoffensive gegen Rebellen
tagesthemen 22:15 Uhr, 26.07.2012, Walter L. Brähler, ARD Kairo

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45.000 Flüchtlinge in der Türkei

Einen Tag nach Schließung der syrisch-türkischen Grenze für den Güterverkehr kamen nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolou bis zum Nachmittag 145 syrische Flüchtlinge im Nachbarland an. Sie seien über Schmugglerpfade vor den Kämpfen in Idlib geflohen, hieß es. Ankara hatte die Grenze am Mittwoch geschlossen. Syrische Flüchtlinge sollen aber weiter ins Land gelassen werden. In der Türkei halten sich bereits knapp 45.000 geflohene Syrer auf.

Zu wenig humanitäre Hilfsgelder für Syrien

Die EU-Kommission warnte vor einer Verschärfung der syrischen Flüchtlingskrise. Zugleich drohe den internationalen humanitären Helfern das Geld auszugehen, erklärte sie. So sei ein 146 Millionen Euro schwerer Hilfsplan der Vereinten Nationen Anfang Juli erst zu 21 Prozent finanziert gewesen. Das Geld soll Menschen zugutekommen, die innerhalb Syriens auf der Flucht sind. Auch 157 Millionen Euro für die Aufnahme und Versorgung von Bürgerkriegsflüchtlingen in den Nachbarländern seien erst zu 26 Prozent geflossen. Die EU-Kommission hatte ihre Hilfe am Montag um 20 Millionen Euro aufgestockt.

Arabische Staaten planen Syrien -Resolution

UNO-Vollversammlung (Foto: dpa)
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60. Generalversammluing der UNO

Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende der Kämpfe in Syrien treten unterdessen weiter auf der Stelle. Russland und China haben bereits mehrfach Resolutionen im UN-Sicherheitsrat blockiert. Jetzt wollen sich die arabischen Staaten in der UN-Vollversammlung um eine Syrien-Resolution bemühen. Aus diplomatischen Kreisen verlautete, in dem Entwurf aus Saudi-Arabien und Katar werde der Annan-Plan unterstützt. Zudem enthalte er Richtlinien für den Übergang zur Demokratie, eine Forderung nach freiem Zugang für Hilfsorganisationen und möglicherweise einen Aufruf, sich den Sanktionen der Arabischen Liga gegen Syrien anzuschließen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow erteilte den arabischen Plänen inzwischen eine Abfuhr. Ausländische Unterstützung für die syrischen Rebellen fache den Konflikt weiter an, sagte Lawrow.

Stand: 26.07.2012 17:53 Uhr

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