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Entwicklung in Syrien
Angst vor einem zweiten Irak
Die syrische Oppositionsbewegung feiert nach eigenen Angaben weitere Erfolge im Kampf gegen Präsident Assad. Im Nachbarland Türkei beobachtet man dies mit Sorge: Syrien könne sich aufspalten, warnt Außenpolitik-Experte Aktar. Damit drohe eine vergleichbare Situation wie im Irak.
Von Hans-Michael Ehl, ARD-Hörfunkstudio Kairo
Gefechte zwischen Regierungstruppen und Kämpfern der oppositionellen Freien Syrischen Armee werden den Tag über vor allem aus der nordsyrischen Stadt Aleppo gemeldet. In der Hauptstadt Damaskus war es relativ ruhig. Die syrische Armee hat einzelne Stadtviertel mit Straßensperren abgeriegelt; nur vereinzelt waren Schusswechsel zu hören.
Nach eigenen Angaben brachte die Freie Syrische Armee die Stadt Qamishli im Nordosten des Landes unter ihre Kontrolle. In der Nähe liegen wichtige Ölfelder.
Schwere Kämpfe in Aleppo halten an
H. M. Ehl, ARD Amman
21.07.2012 17:21 Uhr
Ein neuer Irak mit drei Regionen?
Der türkische Experte für Außenpolitik, Cengis Aktar, sieht in den Erfolgen der Opposition vor allem im Nordosten Syriens eine besorgniserregende Entwicklung: "Die Türkei ist selbstverständlich sehr besorgt über das Schicksal Syriens. Das Land scheint zu einem neuen Irak mit de facto drei Regionen werden: eine im Nordosten, die von den Kurden kontrolliert wird, eine im Zentrum, die von Sunniten bestimmt wird und die dritte an der Grenze zum Libanon, kontrolliert von den Aleviten. Und obendrein herrscht ein völliges Chaos: mehr Flüchtlinge, mehr Ungewissheit. Das muss nicht nur die Türkei beunruhigen, sondern auch die internationale Gemeinschaft."
Flucht vor Kämpfen in Syrien
tagesschau 20:00 Uhr, 21.07.2012, Esther Saoub, SWR
"Das ist eine wichtige neue Entwicklung"
Der Politikwissenschaftler Joseph Kechichian sieht durch die Erfolge der Opposition im Nordosten des Landes das Regime von Präsident Baschar al Assad erheblich unter Druck. Sollte es den Aufständischen gelingen, die wichtigen Ölfelder unter Kontrolle zu bringen, sei das ein bedrohlicher Schlag für das Regime.
Kechichian verweist zudem auf den Auftritt des syrischen Vizepräsidenten Faruk Scharaa bei der Trauerzeremonie für die Opfer des Anschlags auf Regimevertreter am vergangenen Mittwoch: "Das ist eine interessante Entwicklung. Scharaa wurde seit Monaten nicht mehr gesehen, plötzlich taucht er wieder auf. Ich denke, das deutet darauf hin, dass im Hintergrund eine politische Lösung ausgeheckt wird. Wir müssen das abwarten, aber das ist eine wichtige neue Entwicklung."
Vertreter der Freien Syrischen Armee äußerten erneut Befürchtungen, Assad könne in dem Konflikt Chemiewaffen zum Einsatz bringen. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen Vertreter, der behauptet, man habe Informationen, dass das Regime Chemiewaffen auf das Land verteile. "Assad will das Land verbrennen. Dieses diktatorische Regime wird nicht fallen ohne ein Meer von Blut", wird der Deserteur zitiert.
Stand: 21.07.2012 18:51 Uhr
