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Kämpfe in Syrien
Die Armee bekommt Damaskus nicht unter Kontrolle
Die Kämpfe in der syrischen Hauptstadt Damaskus gehen laut Oppositionsangaben auch den dritten Tag in Folge weiter. Die Armee versuche, zwei Viertel zurückzugewinnen. Klar ist: Die Zeichen stehen auf Eskalation - ein Waffenstillstand wird immer unwahrscheinlicher.
Von Jens Wiening, ARD-Hörfunkstudio Amman
Midan und Tadamon - aus zwei Stadtteilen von Damaskus hatten die Rebellen nach eigenen Angaben die regulären Truppen vertrieben. Mit Panzern und Scharfschützen versuche die Armee jetzt, die Viertel zurückzuerobern. In anderen Vierteln würden auch Kampfhubschrauber eingesetzt. Es ist vollkommen unklar, wie die Lage in Damaskus tatsächlich ist.
Der in der vergangenen Woche zu der Opposition übergelaufene Botschafter Nawas al Fares gab der BBC ein Interview zur Bedeutung der Stadt. Natürlich habe das eine sehr große Bedeutung, sagte er: "Das Regime versuche mit aller Macht, Damaskus aus diesem Konflikt raus zu halten und die Revolution draußen zu lassen. Aber die Revolution gewinnt Tag für Tag an Kraft und immer mehr Kontrolle über Syrien."
Gefechte in Damaskus nehmen zu
tagesschau 20:00 Uhr, 17.07.2012, Jörg Armbruster, ARD Kairo
Rebellen rufen zu landesweiter Offensive auf
Hassrufe gegen Präsident Assad schallen durch Syrien. Die Opposition versucht zum wiederholten Mal, diese Stimmung für sich zu nutzen. Die Freie Syrische Armee rief zu einer landesweiten Offensive unter dem Namen "Damaskus Vulkan und Erdbeben Syriens" auf. Ein Sprecher der Rebellen sagte: Die Kämpfer sollten alle Kontrollposten der Armee und der Sicherheitskräfte einkreisen und eliminieren, die Bevölkerung solle zivilen Ungehorsam zeigen.
Nach Angaben von Aktivisten rollen Panzer durch Damaskus. An vielen Orten seien Sicherheitskräfte präsent. Ein Aktivist sagte, es sei ein Wendepunkt erreicht. Doch solche Aussagen gibt es seit Monaten immer wieder.
Setzt das Regime Chemiewaffen ein?
Die aktuellen Entwicklungen machen aber klar: Ein Waffenstillstand in Syrien ist im Prinzip unmöglich geworden. In seinem Interview mit der BBC warnte Ex-Botschafter Fares vor dem Einsatz von Chemiewaffen: Laut unbestätigten Informationen seien solche bereits in Homs eingesetzt worden. "Ich bin absolut überzeugt: Wenn sich die Schlinge um das Regime immer enger zieht, wird es nicht zögern, Chemiewaffen einzusetzen", sagte er. Assad sei bereit, das gesamte syrische Volk auszulöschen, um an der Macht zu bleiben.
Fares war der Botschafter Syriens im Irak und am vergangenen Mittwoch übergelaufen. Er hatte engste Beziehungen zum Sicherheitsapparat - und soll jetzt auf einen Posten in einer möglichen Übergangsregierung spekulieren.
Bereits seit Tagen gibt es unbestätigte Medienberichte, dass das syrische Militär Chemiewaffen aus den Lagern holt. Unklar sei, ob die Chemiewaffen als Drohgebärde benutzt, vor den Rebellen in Sicherheit gebracht oder tatsächlich eingesetzt werden sollen.
Kampf um Damaskus
J. Wiening, ARD Amman
17.07.2012 16:23 Uhr
Stand: 17.07.2012 13:02 Uhr
