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UN-Beobachter in Syrien
Angriff auf Tremseh soll Rebellen gegolten haben
Der Angriff auf das syrische Dorf Tremseh galt nach Angaben von UN-Beobachtern desertierten Soldaten und Regierungsgegnern. Es seien eine Vielzahl von Waffen zum Einsatz gekommen, darunter Mörser und Handfeuerwaffen, erklärte Sprecherin Sousan Ghosheh, nachdem sich die Beobachter gestern Abend vor Ort ein Bild von der Lage gemacht hatten.
UN-Beobachter untersuchen Hintergründe des Massakers in Tremseh
tagesthemen 23:10 Uhr, 15.07.2012, Michael Stempfle, ARD Kairo
Man habe zerstörte Häuser und eine abgebrannte Schule gesehen, hieß es. In einer Reihe von Wohnhäusern der rund 25 Kilometer nordwestlich von Hama gelegenen Ortschaft stießen die Beobachter auf "Blutlachen, Blutspritzer und Patronenhülsen". Die Zahl der Toten - laut Oppositionellen zwischen 100 und 220 - sei weiter unklar.
Die Beobachter kehren heute in den Ort zurück. Die Geschehnisse von Tremseh vom Donnerstag hatten international für Entsetzen gesorgt. Die Regierung in Damaskus bestreitet die Darstellung der Opposition, ein Massaker in dem Dorf verübt zu haben. Bei dem Angriff habe es sich um einen Sondereinsatz bewaffneter Streitkräfte gehandelt, der sich gegen Mitglieder einer terroristischen Gruppe gerichtet habe, berichtete die staatliche Agentur Sana.
Westerwelle: "Weiteres Hula oder Tremseh darf es nicht geben."
Nach Einschätzung von Bundesaußenminister Guido Westerwelle ist die Regierung in Damaskus für die vielen Toten verantwortlich. "Das Assad-Regime setzt schwere Waffen wie Hubschrauber, Geschütze und Panzer für grausame Gewalt, für einen regelrechten Krieg gegen das eigene Volk ein. Das ist unsere klare Erkenntnis aus den Berichten über die Geschehnisse von Tremseh", sagte der FDP-Politiker der "Bild am Sonntag".
Westerwelle appellierte an die internationale Gemeinschaft, den Gräueltaten ein Ende zu bereiten. "Das darf nicht weitergehen. Gewalt schürt nur mehr Gewalt. Ein weiteres Hula oder Tremseh darf es nicht geben." Ende Mai waren bei einem Massaker im syrischen Hula 108 Zivilisten getötet worden, darunter viele Frauen und Kinder.
Ban fordert China zum Handeln auf
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan griff die syrische Regierung scharf an und verglich die Geschehnisse in Tremseh mit versuchtem "Völkermord". Derartige Gewalttaten seien "die Spuren eines Regimes, das vor dem Ende steht", betonte Erdogan.
Angriff auf Tremseh zielte laut UN-Beobachtern auf Rebellen
P. Steffe, ARD Kairo
15.07.2012 09:58 Uhr
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an China, sich für eine Umsetzung des Sechs-Punkte-Plans des Syrien-Sondergesandten Kofi Annan einzusetzen. Bei einem Telefonat mit Chinas Außenminister Yang Jiechi habe Ban darauf hingewiesen, dass die Volksrepublik hier ihren Einfluss nutzen müsse, sagte ein UN-Sprecher.
Rotes Kreuz spricht jetzt von Bürgerkrieg
Das Rote Kreuz verschärfte seine Einschätzung des Syrien-Konflikts und kategorisiert ihn jetzt als Bürgerkrieg. Damit könnten Befehlshaber nunmehr wegen Kriegsverbrechen wie etwa Angriffe auf Zivilisten angeklagt werden. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) überwacht die Einhaltung der Genfer Konventionen.
Die Auseinandersetzungen hätten sich so ausgeweitet, dass eine neue Einschätzung erforderlich geworden sei, erklärte das IKRK. Bislang betrachtete die Organisation den Konflikt in Syrien als Auseinandersetzung zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Rebellen - vor allem in den Oppositionshochburgen Homs, Hama und Idlib. In dem seit 17 Monaten anhaltenden Konflikt sind Tausende Menschen ums Leben gekommen. Soldaten und Milizen von Staatschef Assad werden für mehrere Massaker verantwortlich gemacht.
Stand: 15.07.2012 05:48 Uhr
