Seitenueberschrift
Eskalierende Gewalt
Wieder Massaker in Syrien - mindestens 150 Tote
Wenige Wochen nach dem Massaker von Al Hula in Syrien sollen Milizen im Dienste der Assad-Regierung in der Provinz Hama neue Gräueltaten verübt haben. Oppositionelle Aktivisten berichteten von mindestens 150 Toten bei einem Angriff auf das Dorf Tremseh. Andere Augenzeugen sprachen sogar von mehr als 200 Opfern.
Dorfbewohner berichten, sie seien zehn Stunden lang beschossen worden. Ein Aktivist sagte, syrische Truppen hätten auch auf eine Moschee gefeuert, in der zahlreiche Menschen Zuflucht gesucht hätten. Dann sei die Moschee eingestürzt und habe die Menschen unter sich begraben. Es sollen auch Menschen durch Kopfschüsse hingerichtet worden sein.
Neues Massaker in Syrien
J. Wiening, ARD Amman
13.07.2012 12:11 Uhr
30 Armeefahrzeuge sollen zuvor das Dorf umstellt haben. Nach Angriffen mit Hubschraubern und Panzern wären dann Soldaten mit leichten Waffen eingedrungen, gefolgt von den sogenannten Schabiha. Dies ist eine Art Geheimpolizei, die seit Beginn der Proteste immer wieder für die Übergriffe verantwortlich gemacht wird. Ganze Familien seien hingerichtet worden, berichtete ein Aktivist.
Syrisches Staatsfernsehen: Tat von "Terroristen"
Im syrischen Staatsfernsehen wurden die Taten bestätigt, allerdings erneut "terroristische Gruppen" dafür verantwortlich gemacht. Auch drei Angehörige der Sicherheitskräfte seien bei den Kämpfen ums Leben gekommen. Eine unabhängige Bestätigung der Vorfälle gibt es - wie zumeist - nicht, da ausländische Beobachter nicht ins Land gelassen werden.
Schlimmstes Massaker seit Beginn der Proteste
Die Freie Syrische Armee (FSA) rief die Menschen in Syrien für heute zu einem Generalstreik auf, um gegen das Massaker zu protestieren.
Sollten sich die Berichte aus der Provinz Hama bestätigen, wäre es das schlimmste Massaker seit Beginn der Proteste im März vergangenen Jahres. Ende Mai waren in der Ortschaft Al Hula 108 Männer, Frauen und Kinder getötet worden.
Streubomben gegen Zivilisten?
Zuvor hatte die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" der Regierung Assad vorgeworfen, im Kampf gegen die Aufständischen auch Streubomben einzusetzen. Die Bomben seien eindeutig auf einem Amateurvideo im Internet zu identifizieren, teilte die in New York ansässige Organisation mit. Die Munition steht in der Kritik, weil viele der kleinen Sprengkörper in ihrem Inneren beim Aufprall nicht explodieren und ganze Landstriche in Minenfelder verwandeln.
Keine diplomatischen Fortschritte
Derweil bemühen sich die westlichen Staaten darum, den Druck auf die Regierung Assad zu erhöhen. Am späten Donnerstagabend beriet der UN-Sicherheitsrat über eine Resolution, in der auch wirtschaftliche Sanktionen vorgesehen sind. Eingebracht worden war das Papier unter anderen von den USA und Deutschland. Militärische Mittel werden ausgeschlossen.
Die Chance, dass der Entwurf den Sicherheitsrat passiert, stehen allerdings eher schlecht. Russland will nicht zustimmen, solange Sanktionen vorgesehen sind. Die Verhandlungen sollen nun fortgesetzt werden.
Stand: 13.07.2012 08:35 Uhr
