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Abschuss von Militärjet im Mittelmeer
Türkei räumt Verletzung syrischen Luftraums ein
Die türkische Regierung hat eingeräumt, dass der von der syrischen Luftabwehr abgeschossene Militärjet den Luftraum des Nachbarlandes verletzt habe. Das sei ein Versehen gewesen, sagte Außenminister Ahmet Davutoglu im türkischen Staatsfernsehen. Die Piloten hätten schnell abgedreht, nachdem sie von der türkischen Flugkontrolle über den Fehler informiert wurden. Der Abschuss sei dann wenige Minuten später "in internationalem Luftraum" erfolgt.
Davutoglu betonte, es habe sich nicht um einen Spionageeinsatz gehandelt. Nach seiner Aussage befand sich die Maschine vom Typ F4-Phantom auf einem Übungsflug. Sie sollte Radar- und Verteidigungssysteme testen. "Es gab keine Operation gegen Syrien. Das Flugzeug war nicht bewaffnet", versicherte der Außenminister.
Auch Syrien äußerte sich erneut diplomatisch. "Wir hegen keine feindlichen Absichten gegen die Türkei", sagte ein Sprecher der Regierung in Damaskus. Die syrische Luftwaffe habe die Souveränität des Landes verteidigt. Syrien hatte bald nach dem Vorfall ebenfalls von einem "Versehen" gesprochen. Ungeachtet dessen will die Türkei den Zwischenfall mit den NATO-Partnern beraten. Am Dienstag werde in einer Sondersitzung über den Vorfall geredet, bestätigte eine NATO-Sprecherin.
Zuvor hatte es von mehreren Seiten Aufrufe zur Besonnenheit gegeben. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich "tief besorgt über die möglichen ernsthaften Auswirkungen dieses Vorfalls für die Region". In einem Telefonat mit Davutoglu lobte er die Zurückhaltung der Türkei und bot angesichts der "schwierigen Umstände" die Unterstützung der Vereinten Nationen an.
Abschuss einer türkischen Militärmaschine belastet Verhältnis beider Staaten
tagesthemen 21:35 Uhr, 23.06.2012, Michael Schramm, ARD Istanbul
Wrack im Mittelmeer geortet
Unterdessen berichtete das türkische Staatsfernsehen, das Wrack sei geortet worden. Es befinde sich im Mittelmeer in einer Tiefe von rund 1000 Metern. Die Maschine war am Freitag auf dem Luftwaffenstützpunkt Malatya gestartet und flog in der Nähe des engen Luftkorridors, der die Türkei mit ihren Truppen im Norden der geteilten Insel Zypern verbindet. Sie wurde in der Nähe der Küstenstadt Latakia abgeschossen.
Von den beiden Piloten fehlt weiter jede Spur. Türken und Syrer suchen gemeinsam nach den zwei Vermissten. Flugzeuge der syrischen Luftwaffe und Marineeinheiten seien daran beteiligt, berichteten staatsnahe syrische Medien.
Türkei und Syrien - längst keine Verbündeten mehr
Vor Beginn des Aufstands in Syrien im März 2011 galten Ankara und Damaskus als Verbündete, seitdem wurde die Türkei zu einem der schärfsten Kritiker des Regimes von Präsident Baschar al Assad. Angesichts der anhaltenden Gewalt in Syrien hat auch die Türkei den Rücktritt Assads gefordert. Mehr als 30.000 Flüchtlinge aus Syrien fanden in der Türkei inzwischen Zuflucht. Syrien wirft dem Nachbarland vor, dass es Waffenlieferungen für die Rebellen passieren lässt. Die Regierung in Ankara bestreitet das.
Darüber hinaus wies die Türkei Ende Mai wie zahlreiche westliche Länder alle syrischen Diplomaten aus. Der Grund war das Massaker in Al Hula mit mehr als 100 Toten. Daraufhin erklärte Syrien auch türkische Diplomaten zu unerwünschten Personen.
Stand: 24.06.2012 13:03 Uhr
