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Zwischenfall über dem Mittelmeer
Syrien schießt türkischen Kampfjet ab
Das syrische Militär hat über dem Mittelmeer ein türkisches Kampfflugzeug abgeschossen. Nach der Türkei bestätigte auch Syrien den Abschuss. Der Zwischenfall könnte die ohnehin schon gespannten Beziehungen zwischen den beide Nachbarstaaten weiter verschlechtern.
Sein Land werde über "notwendige Maßnahmen" entscheiden, wenn alle Details des Zwischenfalls klar seien, heißt es in einer Erklärung des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die Suche nach der Besatzung des Flugzeugs sei noch im Gange. Bei dem Flugzeug soll es sich um eine F-4 "Phantom" mit zwei Besatzungsmitgliedern handeln.
Das syrische Militär bestätigte den Abschuss. Es erklärte, die Luftabwehr habe auf ein "unbekanntes Flugziel" gefeuert, das in den Luftraum über syrischen Hoheitsgewässern eingedrungen sei. Erst später habe sich herausgestellt, dass es sich um ein türkisches Militärflugzeug handelt. Inzwischen suchen türkische und syrische Marineeinheiten gemeinsam nach den vermissten Besatzungsmitgliedern.
Der türkische Präsident Abdullah Gül räumte ein, möglicherweise sei der Jet aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit versehentlich in den syrischen Luftraum eingedrungen. Ein kurzzeitiges Überfliegen von Staatsgrenzen sei gerade über dem Meer "Routine" und geschehe ohne "böse Absicht".
Die Türkei gehört zu den schärfsten Kritikern des syrischen Präsidenten Baschar al Assad, seitdem dieser mit militärischer Gewalt gegen die Opposition vorgeht. Viele Syrer haben auf der Flucht vor den Auseinandersetzungen in der benachbarten Türkei Schutz gesucht. Die syrische Regierung wirft der Türkei vor, die syrische Opposition zu unterstützen.
Syrische Soldaten feuern auf Protesthochburgen
Die syrische Armee setzte derweil ihre Angriffe auf Protesthochburgen im Land mit aller Härte fort. Die Streitkräfte nahmen Menschenrechtsaktivisten zufolge Ziele in Daraa, Idlib und Homs unter Beschuss, dabei kamen nach Angaben von Regierungsgegnern erneut zahlreiche Menschen ums Leben. Am Donnerstag hatte es landesweit rund 170 Tote gegeben.
Türkei will entschlossen auf Abschuss reagieren
R. Baumgarten, ARD Istanbul
23.06.2012 15:16 Uhr
Rotes Kreuz in Homs beschossen
Besonders dramatisch ist die Lage offenbar in Homs: In belagerten Teilen der Stadt warten Tausende Menschen vergebens auf Hilfe, das Rote Kreuz musste umkehren, weil Helfer angegriffen wurden. Syrische Aktivisten machten dafür den Artilleriebeschusses durch Regimetruppen verantwortlich, das Außenministerium gab die Schuld dagegen "bewaffneten terroristischen Gruppen". Diese hätten auf die Helfer geschossen und sie daran gehindert, bis nach Homs vorzudringen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SANA.
Auch nahe der Wirtschaftsmetropole Aleppo gab es neue Gewalt: In der Ortschaft Darat Issa töteten Aufständische nach eigenen Angaben 26 Angehörige der regimetreuen Schabiha-Milizen. Ein im Internet verbreitetes Video zeigt die toten Männer neben einem von Kugeln durchsiebten Geländewagen. SANA berichtete, "bewaffnete Terrorgruppen" hätten dort "mindestens 25 Bürger massakriert". In Aleppo selbst sollen Soldaten bei Protesten gegen Assad in die Menge der Protestierenden geschossen und mindestens zehn Zivilisten getötet haben. Das berichteten Regierungsgegner.
1,5 Millionen Menschen benötigen Hilfe
Im gesamten Land sind nach Informationen der UN etwa 1,5 Millionen Menschen wegen der zunehmenden Gewalt von humanitärer Hilfe abgeschnitten. Die Helfer hätten immer mehr Probleme, die Menschen zu versorgen, erklärte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Fragen in Genf. Bislang war die Weltorganisation von einer Million hilfsbedürftiger Zivilisten ausgegangen.
Stand: 23.06.2012 11:19 Uhr
