Zerstörtes Ost-Ghouta | Bildquelle: AFP

Ost-Ghouta in Syrien Kämpfe trotz Feuerpause

Stand: 27.02.2018 13:46 Uhr

Trotz einer vereinbarten Feuerpause hält die Gewalt in Ost-Ghouta an. Aufständische in Syrien und die russische Regierung - die mit dem Assad-Regime verbündet ist - werfen sich gegenseitig Angriffe vor.

Die von Russland verkündete humanitäre Feuerpause für das umkämpfte Ost-Ghouta bei Damaskus ist offenbar von beiden Seiten gebrochen worden. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurde das belagerte Gebiet am Vormittag - die Feuerpause galt von 8 bis 13 Uhr - von Bomben und Raketen getroffen.

Seit neun Uhr Ortszeit habe die Regierungsseite sechs Artilleriegeschosse abgefeuert, zwei Fassbomben abgeworfen und einen Luftangriff geflogen. Ein Zivilist sei dabei ums Leben gekommen. Bei dem Opfer handele es sich um ein Kind, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Sieben Zivilisten seien verletzt worden. Die syrischen Staatsmedien behaupten hingegen, die Aufständischen hätten den humanitären Korridor beschossen.

Die fünfstündige Waffenruhe soll Zivilisten die Möglichkeit geben, die Enklave zu verlassen, die Regierungstruppen und ihre Verbündeten seit Wochen bombardieren. Hunderte Schwerverletzte müssten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dringend in ärztliche Behandlung gebracht werden. Auch Hilfsgüter sollten so in das Gebiet gelangen können.

UN kritisieren zu kurze Feuerpause

Eine stundenweise Feuerpause in Syrien reicht nach UN-Angaben nicht aus, um die notleidende Bevölkerung zu versorgen. "Es ist eine Frage von Leben und Tod", sagte der Sprecher der UN-Nothilfe (OCHA), Jens Laerke. Die Menschen brauchten eine Feuerpause von 30 Tagen, wie vom Weltsicherheitsrat am Samstag beschlossen. Er rief Kämpfer aller Seiten auf, sich daran zu halten.

Feuerpause in syrischen Ost-Ghouta gebrochen
tagesschau 16:00 Uhr, 27.02.2018, Daniel Hechler, ARD Kairo

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Russland blockiert Resolution

Russland hatte jedoch eine dauerhafte Waffenruhe verhindert. Stattdessen soll es jeden Tag zwischen 8 und 14 Uhr eine fünfstündige Feuerpause geben. Die sei jedoch viel zu kurz, bemängeln Kritiker. Der lokale Rat von Ost-Ghouta sieht im Abzugsangebot des Regimes eine "Zwangsvertreibung". Man zwinge die Menschen mit Bomben dazu, ihre Heimat zu verlassen.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Islamistenmiliz als Opposition

Ost-Ghouta hatte in den vergangenen neun Tagen die schlimmste Angriffswelle der Regierung seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren erlebt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, mehr als 560 Zivilisten seien getötet worden. Die größte Gruppierung unter den Aufständischen in Ost-Ghouta ist die islamistische Dschaish al-Islam.

In Syrien kämpfen das Assad-Regime, Rebellen und Terrormilizen um die Macht. Neben Russland stehen iranische und andere Milizen auf der Seite Assads. Ferner geht die Türkei gegen kurdische Verbände in Afrin vor, die wiederum von den USA unterstützt werden. Seit 2011 wurden Hunderttausende Menschen getötet, Millionen Syrer sind auf der Flucht.

Mit Informationen von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Feuerpause für Ost-Ghouta gebrochen
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
27.02.2018 13:31 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 27. Februar 2018 die tagesschau um 15:00 Uhr und NDR Info um 15:08 Uhr.

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