Zerstörungen in Ost-Ghouta  | Bildquelle: AFP

Kämpfe um Ost-Ghouta Wieder eine Feuerpause, die keine ist

Stand: 27.02.2018 19:17 Uhr

Die Feuerpause in Ost-Ghouta hat noch nicht einmal die wenigen vereinbarten Stunden gehalten. Aufständische, syrische und russische Regierung beschuldigen sich gegenseitig, während die Zivilbevölkerung leidet.

Von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Von 9 bis 14 Uhr Ortszeit sollten eigentlich die Waffen schweigen. Doch schon an Tag eins scheiterte die Feuerpause nach wenigen Stunden. Die syrische Armee flog neue Luftangriffe auf die umkämpfte Region - und traf erneut auch Zivilisten: "Sie beschießen uns, aber wir sind keine Fraktion oder kämpfende Gruppe", so ein Bewohner Ost-Ghoutas. "Wir sind hier alles Zivilisten. Warum werfen sie Fassbomben auf uns? Sie reden über eine Waffenruhe, aber was für eine Waffenruhe soll das sein?"

Leere Busse an einem Checkpoint vor Ost-Ghouta | Bildquelle: AFP
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Die von der syrischen Regierung zur Evakuierung gestellten Fahrzeuge blieben ungenutzt.

Das syrische Staatsfernsehen und auch Russland als enger Verbündeter des Machthabers Bashar al-Assads erklärten, die Aufständischen hätten zuerst geschossen und die Waffenruhe gebrochen - man habe dann lediglich militärisch geantwortet. Der angeblich eingerichtete humanitäre Korridor, um Zivilisten aus der umkämpften Region zu bringen, blieb ungenutzt. Bilder im Staatsfernsehen zeigten wartende Krankenwagen und einen Bus, Zivilisten kamen keine.

Zivilisten als Schutzschilde?

Maged Halemeh, Abgeordneter des syrischen Parlaments, sieht die Schuld bei den Aufständischen: "Jetzt hat der syrische Staat ein sicheres Geleit für die Zivilisten organisiert. Der syrische Staat tut alles, um die Unversehrtheit seiner Bürger zu garantieren. Aber die bewaffneten Gruppen beschießen den sicheren Korridor, denn sie wollen nicht, dass Frauen und Kinder gerettet werden. Sie zwingen sie, zu bleiben und missbrauchen sie als menschliche Schutzschilde, um durch die humanitäre Lage westliche Solidarität zu bekommen."

Assad-Gegner halten dagegen: Die Zivilisten hätten zu große Angst vor den syrischen Truppen und trauten der Waffenruhe nicht - deshalb würden sie nicht fliehen. Die Lage vor Ort ist unklar.

Fest steht: In der UN-Resolution hatte Russland dafür gesorgt, dass dschihadistische Gruppierungen, die dem IS oder Al-Kaida nahestehen, trotz Waffenruhe auch weiterhin bekämpft werden dürfen. Aber in Ost-Ghouta gibt es nicht nur eine Gruppe von Aufständischen, sondern mehrere - die meisten sind dschihadistisch, doch nur eine Gruppierung gilt als direkter Ableger von Al-Kaida. Jetzt haben sich die anderen drei großen Gruppierungen an die UN gewandt, um eine Lösung anzubieten.

Angebot der Aufständischen

Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera verliest die Botschaft: "Die bewaffneten Gruppen in Ost-Ghouta bieten den Vereinten Nationen an, die Kämpfer, die Al-Kaida nahestehen, innerhalb von 15 Tagen aus Ost-Ghouta zu vertreiben. Die Gruppen verpflichten sich zudem, die Arbeit der UN-Hilfsorganisationen zu ermöglichen und Konvois sicheres Geleit zu geben. Auch bieten sie an, der UN eine Beobachtung der Waffenruhe gemäß der UN-Resolution zu gewährleisten."

Doch ob dazu kommen wird, ist unklar. Die Vereinten Nationen erklärten heute ihr Bedauern, dass den Menschen in Ost-Ghouta trotz der angekündigten Waffenruhe nicht geholfen werden konnte. Fünf Stunden Feuerpause seien - selbst wenn sie eingehalten würden - zu kurz.

Waffenstillstand im syrischen Ost-Ghouta gebrochen
tagesthemen 22:30 Uhr, 27.02.2018, Alexander Stenzel, ARD Kairo

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Helfer sind hilflos

"Die Lage ist nicht so, dass Hilfskonvois rein - oder Verletzte rausgebracht werden könnten", so Jens Laerke, UN-Sprecher für humanitäre Hilfe. "Es geht hier um Leben oder Tod - wir brauchen eine 30-tägige Waffenruhe, so wie es der UN-Sicherheitsrat in seiner Resolution fordert."

Doch ob sich Assad und sein Verbündeter Russland zu einer ausgedehnteren Feuerpause bereit erklären würden, ist fraglich. Beobachtern zufolge hat Assad kein Interesse an einer längeren Waffenruhe oder humanitären Hilfslieferungen, damit sich die Aufständischen nicht erholen können.

Assads Ziel ist klar: Er will Syrien wieder vollständig unter seine Kontrolle bringen. Und zwischen den Kriegsparteien - Assad, Russland auf der einen Seite, die Dschihadisten auf der anderen - stehen die Zivilisten - mehr als 350.000 an der Zahl. Ihnen droht in Ost-Ghouta wo möglich bald ein noch schlimmeres Inferno.

Lage in Ost-Ghouta
Anna Osius, ARD Kairo
27.02.2018 18:26 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 27. Februar 2018 um 17:51 Uhr im Deutschlandfunk Kultur.

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