Ein syrische Mädchen läuft Tauben auf einem Platz in Damaskus hinterher. | Bildquelle: AP

Bürgerkrieg in Syrien Die Feuerpause hält - weitgehend

Stand: 27.02.2016 12:42 Uhr

Für viele Syrer ist es der erste Morgen seit gut fünf Jahren, an dem sie ohne Kriegslärm aufwachen konnten. Die Waffenruhe seit Mitternacht hält - weitgehend. Für den UN-Sonderbeauftragten de Mistura ist dies ein Anfang.

Von Sabine Rossi, ARD-Hörfunkstudio Kairo

In vielen Städten und Dörfern im Westen Syriens wachten die Menschen am Morgen auf, ohne - wie sonst täglich - Gefechtslärm, Granaten- und Raketeneinschläge zu hören. Zum ersten Mal gilt eine Waffenruhe in dem fast fünf Jahre andauernden Krieg. Das größte Bündnis der syrischen Opposition und das Regime von Präsident Bashar al-Assad haben der Feuerpause für zwei Wochen zugestimmt - in Gebieten, in denen sie Einfluss haben und auch nur so lange, wie sie nicht angegriffen werden.

UN-Sondervermittler Staffan de Mistura | Bildquelle: dpa
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"Ich höre auf, du hörst auf", darauf basiert die Feuerpause in Syrien, erklärt der UN-Sonderbeauftragte de Mistura.

Für den Syrien-Gesandten der Vereinten Nationen, Staffan de Mistura, ist die Feuerpause ein Anfang. Der große Wurf - ein wirklicher Frieden - komme erst danach. "Um die Kämpfe einzustellen, ist kein Friedensvertrag erforderlich, ebenso wenig wie lange Verhandlungen", sagte De Mistura am späten Abend in Genf - und weiter:

"Verhandlungen beginnen, wenn es eine Waffenruhe gibt. Die Erklärung von Mitternacht beruht auf folgender Einigung: Ich höre auf, du hörst auf. Keine der beiden Seiten versucht, Gelände zu gewinnen. Diese Vereinbarung ist einfacher und schneller als Verhandlungen, und sie ist effektiv, denn ein Resultat ist sofort ersichtlich."

De Mistura kündigte an, dass Einsatzzentralen in Moskau, Washington, Amman, Genf und in Latakia im Nordwesten Syriens Verstöße gegen die Feuerpause registrieren und Informationen dazu sammeln.

Opposition spricht von Bruch der Waffenruhe

Die syrische Opposition beschuldigt das Regime, an einigen Orten die Waffenruhe bereits gebrochen zu haben. Im Norden an der türkischen Grenze sollen drei Kämpfer der Freien Syrischen Armee bei einem Angriff regimetreuer Soldaten getötet worden sein. In Hama im Nordwesten Syriens - so schreiben Aktivisten im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter - habe die syrische Armee das Feuer eröffnet.

Zuvor waren in einem Stadtteil von Hama zwei Menschen ums Leben gekommen, als ein mit Sprengstoff beladenes Auto explodierte. Unweit vom Ort der Explosion verläuft die Grenze zu dem Gebiet, das von der Terrororganisation "Islamischer Staat" kontrolliert wird.

Der IS ist von der Waffenruhe ausgenommen, ebenso die Al-Nusra-Front, die dem Terrornetzwerk Al Kaida nahe steht. Damit gilt die Feuerpause für weite Landstriche im Osten Syriens nicht. Und auch im Westen des Landes ist es schwierig, die Orte, an denen Kämpfer des IS und von Al-Nusra aktiv sind, sauber von Gebieten anderer bewaffneter Gruppen abzugrenzen, die der Feuerpause zugestimmt haben.

Waffenruhe in Syrien: Situation in Damaskus
tagesthemen 23:15 Uhr, 27.02.2016, Thomas Aders, ARD Kairo

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Opposition fürchtet Angriff durch Assad und Verbündete

Die syrische Opposition befürchtet, dass Assad, die syrische Armee und ihre Verbündeten genau dies nutzen könnten und unter dem Vorwand, den IS oder Al Nusra zu treffen, die bewaffnete Opposition angreifen.

Ein Beispiel dafür ist der Ort Daraya nicht weit von Damaskus. Das Regime kämpft dort nach eigenen Angaben gegen die Al-Nusra-Front. Bewaffnete Oppositionsgruppen vor Ort bestreiten aber, dass unter ihnen Al-Nusra-Kämpfer sind.

Waffenruhe in Syrien: Situation in Aleppo
tagesthemen 23:15 Uhr, 27.02.2016, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Heftige Kämpfe bis zur Feuerpause

Nicht nur in Daraya, auch in anderen Orten in Syrien hatten die Kämpfe bis kurz vor Beginn der Waffenruhe um Mitternacht Damaskus-Zeit noch einmal an Intensität zugelegt. Über Häusern, von denen nur noch durchlöcherte Außenmauern stehen, stieg dichter Rauch auf. Der Mann, der die Angriffe mit seinem Handy filmte, sagte, dass es sich um russische Flieger gehandelt habe.

Unabhängig von der Feuerpause rief der Präsident des Internationalen Roten Kreuzes, Peter Maurer, die Konfliktparteien auf, Hilfslieferungen durchzulassen. Lebensmittel, Decken und Medizin müssten zu den Menschen in belagerten Städten und Dörfern gelangen. Ganz gleich, ob die Waffenruhe halte oder nicht, sagte er bei einem Besuch in Damaskus.

Waffenruhe in Syrien
S. Rossi, ARD Kairo
27.02.2016 12:12 Uhr

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