Der syrische Präsident Baschar al Assad. | Bildquelle: AP

Laut Bericht Zehntausende in Syrien verschwunden Amnesty-Vorwürfe gegen Assad-Regime

Stand: 05.11.2015 10:53 Uhr

Treffen kann es jeden, der im Verdacht steht, illoyal gegenüber Assad zu sein: Laut Amnesty hat das syrische Regime seit 2011 mehr als 65.000 Menschen verschleppt. Wo sie sind? Ob sie überhaupt noch leben? Die Angehörigen wissen es nicht.

Das syrische Regime hat Amnesty International zufolge seit 2011 mehr als 65.000 Menschen verschleppt. Es handele sich um eine "orchestrierte Kampagne" von staatlicher Seite, heißt es in einem 70 Seiten dicken Bericht, den die Menschenrechtsorganisation am Morgen veröffentlichte.

"Die Menschen werden aus ihren Häusern, von ihren Arbeitsplätzen, aus ihren Autos entführt", schreibt Amnesty. Zurück blieben Familien, die nicht wüssten, "wo ihre Angehörigen festgehalten werden oder ob sie überhaupt noch leben". Der Nahost-Beauftrage von Amnesty, Philip Luther, sprach von einem "kühl kalkulierten, weitreichenden Angriff gegen die Zivilbevölkerung".

Vermisst: der syrische Regimekritiker Fa'eq al-Mir, hier mir seiner Frau Samar und seinem Sohn Ali auf einem Bild aus den 80er-Jahren
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Einer von 65.000: Laut Amnesty wird der Regimekritiker Fa'eq al-Mir seit dem 7. Oktober 2013 vermisst. Das Bild stammt aus den 80er Jahren, es zeigt al-Mir hier mit seiner Frau Samar und seinem Sohn Ali.

Treffen kann es praktisch jeden

Bei den Zahlen handelt es sich Amnesty zufolge nicht um eine Schätzung, sondern um dokumentierte Einzelfälle. Das "Syrische Netzwerk für Menschenrechte" habe die Namen von exakt 65.116 Menschen erfasst, die zwischen März 2011 und August 2015 von staatlichen oder staatsnahen Institutionen verschleppt worden seien. Die Recherche lege nahe, dass verschiedenste Stellen involviert seien, von den verschiedenen syrischen Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden bis hin zur regulären Armee und zu regimenahen Milizen.

Laut Amnesty ließ die Regierung zu Beginn der Syrien-Krise vor allem Regimekritiker verschwinden. Inzwischen könne es aber praktisch jeden treffen, der in Verdacht stehe, in irgendeiner Form illoyal gegenüber Assad zu sein. Die Verschleppten würden in einem landesweiten Netz von Lagern und Haftanstalten festgehalten, heißt es in dem Bericht weiter. Darunter befänden sich auch Gefängnisse, die offiziell überhaupt nicht existierten.

Nach Amnesty-Angaben beruht der Bericht auf Befragungen von rund 80 direkt oder indirekt Betroffenen sowie auf Interviews mit 14 Experten zu dem Thema.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. November 2015 um 12:00 Uhr.

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