Syrien mit Damaskus

Syrien USA dementieren Bericht über Luftangriff

Stand: 13.04.2017 18:49 Uhr

Die USA haben einen Bericht des syrischen Militärs dementiert, wonach bei einem Angriff auf ein Lager des IS Hunderte Menschen getötet wurden. Es handele sich um eine gezielte Falschinformation. In einem Interview erhob Syriens Präsident Assad unterdessen neue Vorwürfe.

Das US-Militär hat einen Bericht zurückgewiesen, wonach bei einem Luftangriff der Anti-IS-Koalition auf ein Lager der Terrormiliz in Syrien Hunderte Menschen getötet wurden. Es handele sich um eine gezielte Falschinformation, teilte der Sprecher des US-Militärs in Bagdad, John Dorrian, im Kurznachrichtendienst Twitter mit.

OIR Spokesman @OIRSpox
.@OIRSpox has seen the reports from SANA alleging @CJTFOIR strikes near Deir Ezzor Weds--not true! Intentional misinformation...again!

Syriens Militärführung hatte zuvor mitgeteilt, ein Luftangriff der internationalen Koalition habe am Mittwoch im ostsyrischen Ort Hatla ein IS-Lager getroffen, in dem auch Giftstoffe gelagert gewesen seien. Dabei seien Hunderte Menschen getötet worden, darunter viele Zivilisten, hieß es weiter, wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete. Der Angriff bestätige, dass Terrororganisationen wie der IS oder die Al-Kaida-nahe Al-Nusra-Front Chemiewaffen besäßen, erklärte das Militär.

Russland schickt Drohnen in die Region

Aus anderen Quellen gab es keine Berichte, die die Angaben zu dem Luftangriff bestätigten. Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte lagen keine Informationen vor. Der arabische Nachrichtenkanal Al-Dschasira berichtete unter Berufung auf lokale Quellen, es habe am Mittwoch keinen Luftangriff auf den Ort gegeben.

Das russische Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben keine Informationen, die Berichte über den Tod von Menschen bestätigen. Zudem gebe es bislang keine Hinweise über das Ausmaß der Zerstörung durch einen Angriff der Internationalen Koalition, sagte der Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow der Agentur Tass zufolge. Zur Analyse und Überwachung der Situation seien Drohnen in die Region geschickt worden.

"Wir haben keine Chemiewaffen"

Unterdessen erhob Syrien Präsidnet Bashar al-Assad neue Vorwürfe gegen die USA. Der mutmaßliche Chemiewaffenangriff von Chan Scheichun sei "zu hundert Prozent konstruiert" sagt er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Assad warf dem Westen und vor allem den USA vor, einen "Vorwand" für den US-Luftangriff auf die syrische Armee gesucht zu haben.

Den Vorwurf westlicher Länder, dass die syrische Luftwaffe den Chemiewaffenangriff auf Chan Scheichun geflogen habe, wies er klar zurück: "Wir haben keine Chemiewaffen", sagte Assad. "Vor mehreren Jahren, 2013, haben wir auf unser gesamtes Arsenal verzichtet." Selbst wenn Damaskus solche Chemiewaffen noch hätte, hätte es diese "nie" eingesetzt.

Der syrische Machthaber machte darüber hinaus deutlich, dass er nur einer "unabhängigen" externen Untersuchung des mutmaßlichen Chemiewaffenangriffs zustimmen werde. "Wir können eine Untersuchung nur erlauben, wenn sie unabhängig ist", sagte er. Unparteiische Länder müssten Teil einer solchen Untersuchung sein, um sicherzustellen, dass diese nicht für politische Zwecke genutzt werde.

US-Koalition tötet versehentlich verbündete Kämpfer

Im Norden Syriens gab es unterdessen einen tragischen Irrtum: Nach US-Militärangaben wurden bei einem fehlgeleiteten Luftangriff in Nordsyrien 18 verbündete Kämpfer getötet. Das Ziel sei fälschlicherweise als Stellung der Terrormiliz IS identifiziert worden, teilte das US-Militär mit. Die Getöteten gehörten den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) an. Die SDF sollen den Angriff selbst angefordert haben.

Die Koalition sprach den SDF-Mitgliedern und deren Familien ihr "tiefstes Beileid" aus. Zugleich erklärte sie, die verbündeten örtlichen Truppen wollten trotz des "tragischen Vorfalls" weiterhin auf den Kampf gegen die Dschihadisten fokussiert bleiben.

Die SDF versuchen seit März, dem IS die Kontrolle über die strategisch bedeutsame Stadt Takba am Euphrat-Fluss zu entreißen. Die Stadt liegt auf dem Weg nach Rakka, der letzten IS-Hochburg in Syrien.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. April 2017 um 16:00 Uhr.

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