Ein kurdischer YPG-Kämpfer blickt auf einen türkischen Panzer. (Archivfoto) | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Krieg in Syrien Schutzzone statt Feuerpause

Stand: 17.02.2016 11:56 Uhr

Die Kämpfe in Syrien gehen unvermindert weiter: Assads Truppen sind mit russischer Unterstützung in der Offensive, die Türkei kämpft gegen kurdische Rebellen. Von einer Feuerpause, wie in München vereinbart, also keine Spur. Die Türkei fordert stattdessen erneut eine Schutzzone.

Barack Obama | Bildquelle: dpa
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Übt deutliche Kritik an Russland: US-Präsident Obama.

Ein Ende der Kämpfe in Syrien ist nicht in Sicht - und US-Präsident Barack Obama glaubt auch nicht, dass eine Feuerpause absehbar ist. Obama übte deutliche Kritik an der Strategie Russlands in dem Konflikt. Das gemeinsame Vorgehen mit dem syrischen Machthaber Bashar al-Assad habe Moskau vielleicht kurzfristige Erfolge gebracht, tatsächlich handele es sich aber um einen strategischen Fehler, sagte Obama vor Journalisten im kalifornischen Rancho Mirage.

Möglicherweise denke Russlands Präsident Wladimir Putin, er könne sich eine dauerhafte militärische Besetzung Syriens leisten. Dies werde aber "ziemlich kostspielig". Zudem seien noch drei Viertel des Landes nicht unter der Kontrolle der Assad-Truppen, sagte Obama weiter. Dies werde sich "auch so bald nicht ändern". Die von der internationalen Kontaktgruppe geforderte Waffenruhe binnen einer Woche werde nur sehr schwer zu erreichen sein, sagte Obama. Dafür habe es zu viel "Blutvergießen" gegeben.

Türkei erneuert Forderung nach Schutzzone

Die Türkei forderte unterdessen, entlang der gemeinsamen Grenze eine zehn Kilometer breite Schutzzone in Syrien einzurichten. Das Gebiet solle auch die Stadt Asas umfassen, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Yalcin Akdogan dem türkischen Fernsehsender A-Haber. In der Zone dürfe es keine Kämpfe geben. Die Türkei verlangt schon seit Jahren, eine solche Zone einzurichten. Unklar ist allerdings, wer diese militärisch schützen soll.

Vor einigen Tagen hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zumindest für eine Flugverbotszone ausgesprochen, in der zum Schutz der Flüchtlinge keine Luftangriffe geflogen werden sollten. Auch eine solche Zone müsste allerdings durchgesetzt werden.

Russland wiederum kritisierte das türkische Vorgehen in Syrien. "Was an der türkisch-syrischen Grenze passiert, ist absolut widerrechtlich", sagte eine Sprecherin des russischen Außenministeriums der staatlichen Nachrichtenagentur RIA zufolge.

Die türkische Armee nahm in den vergangenen Tagen wiederholt Ziele der kurdischen YPG-Miliz in Syrien ins Visier. Die Gruppe, die von der Regierung in Ankara als Terrororganisation betrachtet wird, baut im Windschatten der Erfolge der syrischen Regierungstruppen gegen andere Aufständische ihre Positionen an der türkischen Grenze aus.

Militär auch im türkischen Kurdengebiet im Einsatz

Die türkischen Sicherheitskräfte gingen auch im eigenen Land weiter gegen kurdische Rebellen vor. In der Stadt Idil in der Nähe der syrischen Grenze sei Gefechtslärm schwerer Waffen zu hören, meldeten mehrere türkische Medien. Dem regierungsnahen Fernsehsender A-Haber zufolge hatten die meisten Zivilisten die Stadt vor Beginn der Kämpfe verlassen.

Wie in anderen umkämpften Städten des türkischen Kurdengebiets begründeten die Behörden ihr Vorgehen in Idil damit, dass Mitglieder der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Stadtgebiet Sprengfallen angebracht, Gräben ausgehoben und Barrikaden errichtet hätten.

Dieser Beitrag lief am 17. Februar 2016 um 13:08 Uhr auf NDR Info.

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