Von der Türkei unterstützte Kämpfer der Freien Syrischen Armee | Bildquelle: AFP

Türkische Angriffe auf Kurden "Werden die Terroristen verscheuchen"

Stand: 21.01.2018 07:55 Uhr

Der Name der türkischen "Operation Olivenzweig" klingt nach Frieden. Doch die Offensive türkischer Soldaten auf kurdische Kämpfer in Nordsyrien könnte verheerende Folgen für die Region haben.

Von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Das türkische Fernsehen zeigt Aufnahmen von massivem Raketenbeschuss und schwarzen Rauchsäulen in der türkisch-syrischen Grenzregion. Erste Anzeichen der "Operation Olivenzweig". Schon in den vergangenen Tagen hatte die türkische Armee viele Panzer und anderes Kriegsgerät an die syrische Grenze gebracht. Der Einmarsch in Syrien schien nur eine Frage der Zeit.

Heute sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vor Anhängern in der westanatolischen Stadt Küthaya: "Die Afrin-Operation ist de facto gestartet. Anschließend ist Manbidsch dran. Nach und nach werden wir diese dreckigen Terroristen, die in unser Land eindringen wollen, verscheuchen. Beginnend von Westen bis hin zu irakischen Grenze."

Mit Terroristen sind in diesem Fall Kämpfer der kurdischen YPG gemeint. Die Türkei sieht ihn ihnen die syrische Variante der als Terrororganisation verbotenen PKK.

Bodenoffensive begonnen?

Ob tatsächlich schon einen Bodenoffensive begonnen hat, ist unklar. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von Artilleriebeschuss der Enklave Afrin durch türkische Truppen und verbündete syrische Rebellen. Türkische Aufklärungsflugzeuge würden über das Gebiet fliegen. Der türkische Generalstab hatte bisher lediglich gemeldet, dass Geschützfeuer aus Afrin von der Türkei aus erwidert würde. Der Generalstab verweist laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu auf das Recht auf Selbstverteidigung.

Dass eine Bodenoffensive bevorstehe, daran ließ Außenminister Mevlüt Cavusoglu schon vor Tagen keinen Zweifel: "Wir werden auch in Afrin oder anderen Regionen ohne zu zögern eingreifen, wenn die Türkei bedroht wird. Und wir werden die Region von Terroristen befreien", sagte er. "So wie unser Staatspräsident es schon gesagt hat: Es kann jede Nacht losgehen."

Gestern zeigte das türkische Fernsehen Aufnahmen von etwa 20 Bussen, mit denen Kämpfer der Freien Syrischen Armee aus der Türkei nach Syrien an die Grenze des Bezirks Afrin gebracht wurden. Sie sollen an der Seite der Türken kämpfen.

Türkische Offensive in Nordsyrien
tagesthemen 23:15 Uhr, 20.01.2018, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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YPG kontrolliert weite Teile der Grenzregion

Auslöser der aktuellen Spannungen war die Ankündigung der USA, eine 30.000 Mann starke Truppe entlang der syrischen Nordgrenze aufzustellen - bestehend insbesondere aus Kämpfern der YPG. Sie kontrollieren bereits heute rund 700 der gut 900 Kilometer langen türkisch-syrischen Grenze und waren der wichtigste Verbündete der US-geführten Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz IS.

Die Türkei hatte bereits damals Waffenlieferungen an die Kurden kritisiert. Nun, da der IS vertrieben ist, aber die militärische Unterstützung andauern soll, fühlt sie sich getäuscht, sagt der Politikwissenschaftler Hakki Casin von der Istinye-Universität Istanbul: "Lassen Sie mich ein Beispiel nennen: Würden wir an der Grenze zu den USA 30-, 40- oder gar 80.000 Mexikaner bewaffnen, die die Sicherheit der USA bedrohen. Wie würde Washington sich damit fühlen? Wir sind schließlich NATO-Verbündete. Das geht nicht." s

PKK kündigt Vergeltung an

Die USA hatten die Türkei vor einer Militäroffensive in Afrin gewarnt. Auch der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu hatte bis zuletzt versucht, die Regierung von einem Einmarsch in Syrien abzuhalten: "Jetzt wird viel darüber geredet, in Afrin einzugreifen. Aber erst müssen alle diplomatischen Wege ausgeschöpft werden. Andernfalls wird die Sache problematisch und die Türkei müsste einen hohen Preis zahlen."

Gehört hat die Regierung offenbar weder auf die Amerikaner noch auf die Opposition. Die Auswirkungen dürften nicht auf Syrien beschränkt bleiben. Für den Fall, dass die Türkei massiv gegen die syrischen Kurden vorgeht, hat die mit der YPG verbündete PKK bereits angedroht, den Krieg in die türkischen Städte zu tragen.

Die "Operation Olivenzweig" dürfte ihrem Namen nicht gerecht werden. Denn auch in der Türkei gilt ein Olivenzweig eigentlich als Symbol des Friedens.

Türkische Armee beginnt Offensive gegen syrische Kurden
Christian Buttkereit, ARD Istanbul
20.01.2018 18:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Januar 2018 um 20:00 Uhr.

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