Aleppo | Bildquelle: AFP

Hilfe für Syrien 50 Millionen Euro mehr für Aleppo

Stand: 02.12.2016 13:34 Uhr

Außenminister Steinmeier will den Menschen in der umkämpften Stadt Aleppo mit zusätzlichen 50 Millionen Euro helfen. Zudem rief er zu Feuerpausen auf, damit Hilfslieferungen die Bevölkerung erreichen können. Auch die Türkei forderte eine sofortige Waffenruhe.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat den Menschen in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo 50 Millionen Euro zusätzlich für Nahrung, Unterkünfte und medizinische Hilfe zugesagt. Nach dem Besuch eines Flüchtlingslagers im Libanon appellierte Steinmeier eindringlich an die Konfliktparteien, Feuerpausen zuzulassen, damit dringend benötigte Hilfslieferungen auch in eingeschlossene Gebiete gelangen könnten.

"Wir dürfen keine Chance auslassen, um wenigstens in diesen nächsten Wochen nach weiteren Kampfpausen zu suchen", sagte Steinmeier. Der syrische Bündnispartner Russland hatte die Einrichtung von Korridoren zur Versorgung der Bevölkerung in Ost-Aleppo angeboten, eine Feuerpause aber abgelehnt.

Auch Türkei plädiert für Waffenpause

Auch die türkische Regierung setzt sich für eine sofortige Waffenruhe ein. Außenminister Mevlüt Cavusoglu forderte außerdem die Ablösung des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Dieser sei für 600.000 Tote verantwortlich und dürfe das Land nicht weiter führen. Der NATO-Staat Türkei ist einer der wichtigsten Unterstützer der Rebellen in Syrien.

Keine Sicherheitsgarantie für Hilfskorridore

Unterdessen wiesen die Vereinten Nationen Vorwürfe Russlands zurück, die Bevölkerung in Aleppo nicht schnell genug mit Hilfsgütern zu versorgen. Für die von Russland angebotenen Hilfskorridore gebe es noch nicht die nötigen Sicherheitsgarantien, sagte ein Sprecher des UN-Nothilfebüros (OCHA) in Genf. Bislang hätten noch nicht alle Kriegsparteien zugestimmt. Die erforderlichen Hilfsgüter, darunter medizinische Güter und Nahrungsmittel, stünden bereit und könnten nach einer Einigung binnen einer Stunde in Ost-Aleppo sein.

Ein Sprecher des russischen Militärs hatte den UN Zögerlichkeit vorgeworfen und gefordert, die Hilfsgüter umgehend zu verteilen. Zuvor hatte Russland die Forderung der UN nach einer humanitären Feuerpause im UN-Sicherheitsrat blockiert. Die Vereinten Nationen und Russland seien nun im Gespräch darüber, wie über die von Moskau vorgeschlagenen Korridore Kranke und Verwundete evakuiert und zugleich medizinische und andere Hilfsgüter in den umkämpften Osten der syrischen Großstadt gebracht werden könnten, so der OCHA-Sprecher.

60 Prozent der Vertriebenen sind Kinder

Nach Angaben der UN sind seit Beginn der Offensive auf Ost-Aleppo mindestens 31.500 Bewohner geflohen. 5000 von ihnen sind demnach immer noch innerhalb des belagerten Ostens gefangen. 60 Prozent der Vertriebenen sind Unicef zufolge Kinder.

Die Truppen des syrischen Regimes haben in den vergangenen Tagen mit russischer Luftunterstützung nach UN-Schätzungen 40 Prozent der Rebellenhochburg Ost-Aleppo erobert. Beide Seiten zielen auf die vollständige Eroberung. In Syriens Bürgerkrieg kämpfen das Regime, Rebellengruppen und Terrormilizen um die Macht. Hunderttausende Menschen kamen seit Beginn der Kämpfe 2011 ums Leben. Millionen Männer, Frauen und Kinder sind auf der Flucht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Dezember 2016 um 12:00 Uhr.

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