Ein Straßenhändler vor einem zerstörten Haus in Damaskus  | Bildquelle: AFP

Schutzzonen in Syrien Ausgang ungewiss

Stand: 06.05.2017 18:04 Uhr

Die Ruhe währte nur kurz: Kurz nach der offiziellen Einrichtung von Schutzzonen in Syrien wurde in Hama, Damaskus und Aleppo wieder gekämpft. In Teilen ging der Plan aber offenbar doch auf. Insgesamt habe die Gewalt abgenommen, so Beobachter.

Von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Frieden über Nacht war es nicht: Nur wenige Stunden nach der offiziellen Einrichtung von Schutzzonen in Syrien wurde Beobachtern zufolge die Waffenruhe in den vereinbarten Schutzgebieten mehrfach gebrochen. So meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte unter anderem einen Angriff von Regierungstruppen in der Provinz Hama. Auch nahe der Hauptstadt Damaskus kam es offenbar zu Kämpfen, ebenso am Stadtrand von Aleppo.

All diese Gebiete sollen eigentlich laut russisch-iranisch-türkischem Memorandum zu den vier syrischen Schutzzonen gehören, in denen, so das Konzept, nicht mehr gekämpft werden darf, damit die notleidende Bevölkerung humanitäre Hilfe bekommen kann.

Insgesamt nahm Gewalt offenbar ab

Dennoch: In Teilen ist der Plan offenbar aufgegangen. Insgesamt, so erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, habe die Gewalt in den betroffenen Gebieten deutlich abgenommen. Russland hatte erklärt, bereits seit Tagen keine Luftangriffe mehr in den Regionen zu fliegen.

Der Krieg könnte sich mit den Schutzzonen dem Ende nähern, so der russische Vize-Verteidigungsminister Alexander Fomin. "Am wichtigsten ist, dass die Umsetzung dieses Memorandums helfen kann, die Kämpfe der Konfliktparteien zu stoppen und damit den Syrienkrieg faktisch zu beenden. Dieses Abkommen ist von entscheidender Bedeutung für den politischen Prozess in Syrien", sagte er.

Einigung über Schutzzonen in Syrien
tagesschau 20:00 Uhr, 06.05.2017, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Aufständische trauen dem Abkommen nicht

Die Aufständischen sehen das Memorandum kritisch, sie lehnen vor allem die Beteiligung des Iran ab. Teheran ist neben Moskau ein enger Verbündeter des syrischen Präsidenten Bashar al Assad.

Viele Oppositionelle trauen dem Abkommen daher nicht, sie fürchten, dass sich der Krieg nur verlagert. "Eigentlich sollte ganz Syrien eine Schutzzone sein", so Wael Elwan, Sprecher einer Gruppe von Aufständischen. "Es ist fatal, dass vier Zonen ausgesucht wurden und der Rest des Landes nicht miteinbezogen wird. In manchen Gebieten kommt es jetzt zur Deeskalation, dadurch kann Assad seine Truppen bündeln und die anderen, nicht im Memorandum genannten Gebiete, besonders heftig angreifen", befürchtete er.

Genaue Lage soll Anfang Juni festgelegt werden

Bis jetzt ist noch unklar, wo die Grenzen der vier Schutzzonen genau verlaufen. Die genaue Lage soll in einer Konferenz Anfang Juni festgelegt werden. Russland spricht zudem von geplanten Sicherheitszonen, sozusagen als Ring um die Schutzzonen. Dort solle die Einhaltung der Waffenruhe notfalls militärisch durchgesetzt werden, hieß es. Über den Schutzgebieten dürfen keine Flugzeuge mehr fliegen. Davon betroffen sind auch Einsätze der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition. Washington betonte, der Kampf gegen den IS werde davon nicht beeinflusst.

Die syrische Bevölkerung steht den neuen Schutzzonen gespalten gegenüber. In den von Regierungsgegnern gehaltenen Gebieten äußern einige Zweifel an der russischen Glaubwürdigkeit. "Wir unterstützen jeden Vorschlag, der das syrische Blutvergießen beendet", so ein junger Mann. "Aber wir haben kein Vertrauen in Russland. Das gleiche Moskau, das so viele Zivilisten vertrieben hat, schlägt jetzt Schutzzonen vor? Das alles nützt doch nur dem syrischen Regime."

"Wir können nicht mehr"

"Ich denke, die Schutzzonen sind eine gute Idee", widerspricht ein anderer Syrer. "Ob der Vorschlag jetzt von den Russen kommt, oder von den USA, oder von wem auch immer. Es zählt nur, dass dieses Leid, diese Zerstörung aufhört. Wir können nicht mehr. Wir haben so lange unter einem Tyrannen gelebt, jetzt leben wir unter vielen. Die Schutzzonen sind eine großartige Idee - ich hoffe nur, es geht gut."

Doch ob die neuen Schutzzonen tatsächlich dauerhaft ein Ende der Gewalt garantieren können, ist derzeit noch völlig offen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Mai 2017 um 20:00 Uhr.

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