Ein russisches SU-24M Kampfflugzeug startet von einer Luftwaffenbasis in Syrien | Bildquelle: AP

USA und Russland vereinbaren Kommunikation Mehr Abstand im syrischen Luftraum

Stand: 20.10.2015 22:06 Uhr

Mehrfach kamen sich in den vergangenen Wochen russische und US-Flugzeuge über Syrien gefährlich nah. Um Kollisionen auch in Zukunft zu vermeiden, wurde nun bessere Kommunikation vereinbart. Die USA verlegten dessen ungeachtet weitere Kampfflugzeuge in die Region.

Die USA und Russland haben sich auf eine schriftliche Vereinbarung verständigt, um Zwischenfälle im Luftraum über Syrien zu vermeiden. Teil des Memorandums sei die Einigung auf einen "sicheren Abstand" zwischen Flugzeugen und Drohnen, sagte ein Pentagon-Sprecher, ohne konkrete Entfernungen zu nennen. Es sei auch festgelegt worden, welche Funkfrequenzen genutzt werden sollen. Für den Fall, dass Piloten nicht direkt miteinander sprechen könnten, gebe es am Boden einen weiteren Kommunikationskanal. Die Vereinbarung beinhalte allerdings keine Abstimmung über gemeinsame Operationen oder die Weitergabe von Zielinformationen. Weitere Details nannte der Sprecher nicht. Russland habe darum gebeten, den Text nicht vollständig zu veröffentlichen.

Das russische Verteidigungsministerium sprach von einem "wichtigen Schritt". Der Text des Memorandums sei "präzise abgestimmt" worden, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow. "Wir hoffen, dass dieses Dokument für die Luftstreitkräfte aller Länder der Anti-IS-Koalition gelten wird. Die USA haben sich verpflichtet, die Regeln an alle ihre Partner weiterzugeben, die in Syrien operieren."

USA verlegt Kampfflugzeuge in die Türkei

Fast zeitgleich mit der Einigung zwischen den USA und Russland wurde öffentlich, dass die US-Luftwaffe ihre Präsenz in der Region verstärkt hat. Zwölf Bodenkampfflugzeuge vom Typ A-10 "Thunderbolt" trafen am Wochenende auf der südtürkischen Militärbasis Incirlik ein. Diese Art von Flugzeugen ist für Tiefflugangriffe auf Panzer und gepanzerte Fahrzeuge konzipiert. Sie könnten einem US-Regierungsvertreter zufolge zum Einsatz kommen, um Rebellen in Nordsyrien zu unterstützen, die dort gegen IS-Extremisten kämpfen. Die auch "Warzenschweine" genannten Bodenkampfflugzeuge lösen sechs F-16 Jagdbomber ab, die seit August in Incirlik stationiert waren.

Eine A-10 ''Thunderbolt'' der US-Luftwaffe bei einer Vorführung in Lettland (September 2015) | Bildquelle: dpa
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Die auch "Warzenschweine" genannten A-10 sollen bald in Nordsyrien eingesetzt werden - das Foto zeigt eine A-10 bei einer Vorführung in Lettland vergangenen Monat.

Bisher setzt die US-Luftwaffe vor allem Langstreckenbomber und trägergestützte Jagdbomber ein. Diese Flugzeugtypen fliegen als Vorsichtsmaßnahme höher und schneller. Ein Einsatz der A-10 ist riskanter, könnte den Rebellen im Kampf gegen den IS aber auch stärker helfen.

Die US-geführte internationale Militärkoalition fliegt seit mehr als einem Jahr Luftangriffe in Syrien und Irak, die sich gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) richten.

Russische Angriffe seit drei Wochen

Russlands Einsatz in Syrien begann Ende September. Seitdem fliegen Kampfflugzeuge und -hubschrauber in hoher Intensität Angriffe vor allem im Westen und Nordwesten Syriens. Dabei kamen sich russische und US-Flugzeuge mehrfach gefährlich nahe - zu Kollisionen oder gegenseitigem Beschuss aber noch nicht.

Russland begründet sein militärisches Vorgehen ebenfalls mit dem Kampf gegen die Dschihadisten des IS. Die USA werfen Moskau allerdings vor, vor allem vom Westen unterstützte gemäßigte Rebellen anzugreifen, um den syrischen Staatschef Bashar al-Assad zu stärken.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Oktober 2015 um 06:30 Uhr.

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