Rauchwolken steigen über der syrischen Stadt Homs in den Himmel | Bildquelle: AFP

USA und Russland beraten über Syrien "Eine Art Unfall am Himmel vermeiden"

Stand: 02.10.2015 13:20 Uhr

Russland und die USA wollen bei ihren Einsätzen in Syrien "eine Art Unfall am Himmel vermeiden". Deshalb haben sie nun Gespräche auf militärischer Ebene geführt. Moskau wies Vorwürfe zurück, es unterstütze mit seinen Luftangriffen den syrischen Präsidenten.

Um Missverständnisse ihrer Streitkräfte in Syrien zu vermeiden, haben sich die USA und Russland auf militärischer Ebene abgesprochen. Es habe einen "freundlichen und professionellen Austausch" gegeben, sagte Pentagonsprecher Peter Cook. Nach Angaben des Weißen Hauses drehte sich das einstündige Gespräch darum, dass in dem Krieg internationale Regeln eingehalten und die üblichen Kommunikationskanäle genutzt würden.

Der Austausch von Geheimdienst-Informationen sei aber nicht geplant, sagte Cook. Ziel sei, "eine Art von Unfall am Himmel" zu vermeiden. "Das bedeutet nicht, dass wir dulden, was Russland getan hat." Präsident Barack Obamas Sprecher Josh Earnest warnte zugleich vor "willkürlichen" Angriffen, die den Krieg verlängern und Moskau tiefer in den Konflikt hineinziehen könnten.

Russland weist Vorwürfe zurück

Der Westen hatte Russland nach den am Mittwoch begonnen Luftangriffen vorgeworfen, dass auch moderate Kräfte und Zivilisten Opfer russischer Bombenangriffe in Syrien geworden seien. Russland wies nun Vorwürfe zurück, es unterstütze mit den Angriffen Syriens Präsident Bashar al-Assad. Zudem bestritt Präsident Wladimir Putin, dass bei den Einsätzen russischer Kampfjets Zivilisten getötet worden seien. Diese Berichte seien bereits in der Welt gewesen, bevor die ersten Jets überhaupt von dem Luftwaffenstützpunkt abgeflogen seien, erklärte er.

Ein einflussreicher Duma-Abgeordneter erklärte, dass die Luftangriffe noch "drei bis vier Monate" dauern werden. Allerdings: Es könne nie ausgeschlossen werden, dass sich der Einsatz noch mehr in die Länge ziehe, sagte der Vorsitzende des Außenausschusses der Duma, Alexej Puschkow, im französischen Sender Europe 1. Er kündigte zudem an, dass sich die Luftangriffe noch intensivieren würden.

Die USA und Russland sind sich zwar über die Notwendigkeit einig, den IS zu bekämpfen. Doch herrscht Uneinigkeit darüber, was mit dem syrischen Präsidenten al-Assad geschehen soll. Die USA wollen ihn entmachten, Russland will ihn im Amt halten.

Vorwürfe gegen Putin

Laut einem Nahostexperten richten sich die russischen Luftangriffe bisher ausschließlich gegen syrische Rebellen und nicht gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). "Es ist kein Verdacht: Russland will zuallererst das Überleben von Machthaber al-Assad sichern", sagte Emile Hokayem vom Internationalen Institut für Strategische Studien. Putin nutze Anti-IS-Rhetorik, um Verwirrung zu stiften.

Putin habe noch keine bekannten IS-Ziele angreifen lassen, sondern bombardiere sowohl islamistische als auch gemäßigte Rebellen, stellte Hokayem klar. Diese hätten seit Anfang des Jahres erhebliche militärische Erfolge gegen Assad erzielt und bedrohten seine Macht. Der Westen müsse verstehen, dass der Kampf gegen den IS nicht Putins Priorität sei.

Tote Zivilisten

Nach Angaben von Aktivisten sollen bei russischen Luftangriffen am Donnerstag mindestens sieben Zivilisten getötet worden sein. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, gab es bei einem Luftangriff in Dschabal al-Sawija in der nordwestlichen Provinz Idlib vier zivile Todesopfer. Bei einem weiteren Luftangriff in Idlib seien in der Ortschaft Habit drei Zivilisten getötet worden.

Laut der Aktivisten sollen bei russischen Luftangriffen auch mindestens zwölf Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat getötet worden sein. Für die Richtigkeit der Angaben gibt es bislang keine Bestätigung. Ziel der Bombardements am Donnerstagabend seien der westliche Rand der Stadt Raka sowie die Region gewesen, in der sich der Militärflughafen von Tabka befindet, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Berichte aus Moskau scheinen letztere Aussagen zu unterstützen. Das Moskauer Verteidigungsministerium erklärte ebenfalls, die russische Luftwaffe habe erstmals Raka, Hochburg des IS, angegriffen. Bomber vom Typ Suchoi-34 hätten unter anderem einen "getarnten Befehlsposten" in Kasrat Faradsch südwestlich von Raka bombardiert, teilte das Ministerium mit. Weitere Ziele seien in den Provinzen Aleppo und Idlib angegriffen worden. Aus Moskau gab es aber bislang keine Äußerung darüber, ob IS-Kämpfer getötet wurden.

USA wollen Rebellen schützen

Männer versuchen ein brennendes Auto zu löschen, dass durch russische Luftangriffe in Brand gesetzt wurde. | Bildquelle: REUTERS
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Männer versuchen ein brennendes Auto zu löschen, dass durch russische Luftangriffe in Brand gesetzt wurde.

Die USA prüfen derweil, wie sie die von ihnen ausgebildeten gemäßigten Rebellen in Syrien schützen können. Hochrangige Militärführer und Verteidigungsexperten würden die Risiken dafür abwägen, hieß es aus US-Regierungskreisen. Verteidigungsminister Ash Carter hatte es in dieser Woche noch abgelehnt, über dieses Problem zu sprechen.

Der syrische Bürgerkrieg hat seit März 2011 mehr als 250.000 Menschen getötet. Millionen von Menschen sind in andere Länder im Nahen Osten und in Europa geflohen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Oktober 2015 um 12:00 Uhr.

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