Russische Suchoi-Kampfjets bei einer Flugschau | Bildquelle: dpa

Russische Luftangriffe in Syrien Der NATO bleibt nur Kritik

Stand: 01.10.2015 17:37 Uhr

Die russischen Luftangriffe in Syrien machen dem Westen Sorgen. Zum einen, weil sich russische und NATO-Jets in die Quere kommen könnten. Zum anderen scheinen die Angriffe nicht nur dem IS, sondern auch gemäßigten Gegnern Assads zu gelten.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Brüssel

Bei allen Rätseln, die das russische Vorgehen im Bürgerkriegsland Syrien nach wie vor aufgibt, steht doch eins unumstößlich fest: "Russland ist da; es ist in Syrien präsent." So formulierte es heute EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. In der Tat entsteht nun der Eindruck, Russlands Präsident Wladimir Putin benutze sein Militär, um im Eiltempo Tatsachen zu schaffen.

Der Westen dagegen wundert und ärgert sich - und kann nicht viel mehr tun, als mit heftiger Kritik zu reagieren: "Mir macht besonders große Sorge, dass es keinen wirklichen Versuch von der russischen Seite gegeben hat, bei den Angriffen Konflikte mit der US-geführten Koalition zu vermeiden, die den 'Islamischen Staat' bereits bekämpft", sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Bombardiert Moskau gemäßigte syrische Rebellen?

Was den Westen am meisten beunruhigt, ist wohl, dass Russland in Syrien sozusagen zum Gegner werden könnte. Denn der Vorwurf an Moskau bei den ersten Angriffen lautete: Russische Jets hätten vor allem in jenen Gebieten angegriffen, in denen sich kaum Angehörige des IS aufhalten würden - sondern gemäßigte syrische Regierungsgegner, mit denen der Westen zusammen zu arbeiten versucht.

"Den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad zu unterstützen, wird nicht helfen", erklärte deshalb auch NATO-Generalsekretär Stoltenberg. "Das ist kein vernünftiger Beitrag zu einer politischen Lösung." Das westliche Militärbündnis selbst engagiert sich nicht in Syrien, sehr wohl aber tragen sämtliche NATO-Mitgliedsstaaten zum Kampf gegen den "Islamischen Staat" bei - auf die eine oder andere Weise.

Golineh Atai, ARD Moskau, zu den Zielen der russischen Luftangriffe in Syrien
tagesschau 15:00 Uhr, 01.10.2015

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Dass die Terrormiliz auch für Russland einen Feind darstellt, ist unbestritten. Nur hat Putin eben gleichzeitig auch Syriens Machthaber Assad zum Freund erklärt - jenen Mann, der in den Augen der USA Teil des Problems, nicht Teil der Lösung ist, weil er seine Bevölkerung mit Giftgas und Fassbomben massakriere.

Luftangriffe müssen abgestimmt werden

Aus Sicht der EU ist nun wichtig, dass die Luftangriffe Russlands und des Westens nun abgestimmt werden. "Sie sollten sich gegen den 'Islamischen Staat' richten", sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Frederica Mogherini. "Parallel dazu - und das ist vielleicht noch wichtiger - muss ein politischer Prozess gestartet werden, der letztlich zu einem Ende des Krieges in Syrien führt."

Aus Sicht von EU-Parlamentspräsident Schulz steht fest, dass man mit Russland reden muss, so schwer das auch fällt. "Ich glaube, dass wir eine internationale Koalition brauchen. Dafür wird man den Iran brauchen und dafür wird man auch Russland benötigen."

Um eine noch größere Anti-IS-Koalition zu schmieden als jene, die bereits besteht, dürfte der Westen aber wissen wollen, was Putin genau vorhat: Will er vor allem die IS-Terroristen bekämpfen oder in erster Linie die Assad-Herrschaft sichern?

Russlands Eingreifen in Syrien bereitet dem Westen Sorgen
K. Küstner, NDR Brüssel
01.10.2015 17:23 Uhr

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