Diese Aufnahme soll den Angruff auf Rebellenführer Sahran Allusch zeigen.  | Bildquelle: AP

Nach Tod von Rebellenchef Syrisches Abzugs-Abkommen ausgesetzt

Stand: 26.12.2015 15:15 Uhr

Der "Islamische Staat" hat den Abzug seiner Kämpfer aus der syrischen Hauptstadt Damaskus nach dem Tod von Rebellenchef Sahran Allusch vorerst gestoppt. Eigentlich hatten Regierung und Vertreter der belagerten Viertel von Damaskus ein Abzugs-Abkommen geschlossen.

Mit Bussen sollten Tausende Kämpfer des "Islamischen Staates" und Zivilisten die syrische Hauptstadt verlassen. Der Abzug war Teil eines Abkommens, das die syrische Regierung mit den Vertretern von drei belagerten Vierteln geschlossen hatte. Doch die Busse fuhren ohne Passagiere wieder ab. Das Abzugs-Abkommen ist vorerst gestoppt. Als Grund wurde der Tod von Rebellenchef Sahran Allusch genannt.

Nach Angaben aus Verhandlungskreisen sollten ursprünglich 4000 Menschen das Palästinenserlager Jarmuk und die benachbarten Viertel Kadam und Hadschar al-Aswad verlassen. Dazu gehörten Zivilisten, aber auch 2000 Islamisten, die meisten von ihnen IS-Kämpfer, aber auch Mitglieder des Al-Kaida-Ablegers Al-Nusra-Front.

Sahran Allusch von der radikalislamischen Gruppierung Dschaisch al-Islam soll nahe Damaskus getötet worden sein. | Bildquelle: AFP
galerie

Sahran Allusch von der radikalislamischen Gruppierung Dschaisch al-Islam soll nahe Damaskus getötet worden sein.

Rebellenchef bei Luftangriff getötet

Sahran Allusch hatte die Miliz Dschaisch al-Islam angeführt. Er sei bei einem Luftangriff in der Nähe von Damaskus getötet worden, meldeten verschiedene Medien sowie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Noch unklar ist, ob russische oder syrische Jets die Angriffe ausgeführt haben. Während die Syrische Nationalkoalition und die Freie Syrische Armee die Russen der Tat bezichtigten, erklärte die syrische Armee, sie selbst habe die Angriffe geflogen.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Der libanesische Fernsehsender Al-Majadin berichtete, der 44-jährige Allusch sei während eines Treffens getötet worden, bei dem er zwischen zwei verfeindeten Extremistengruppen vermitteln wollte. Neben Sahran Allusch sollen auch fünf andere ranghohe Rebellen ums Leben gekommen sein.

Abzug von IS-Kämpfern ausgesetzt
tagesschau 20:00 Uhr, 26.12.2015, Thomas Aders, ARD Kairo

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Sohn eines salafistischen Predigers

Allusch war Sohn eines salafistischen Predigers. Er verbrachte mindestens zwei Jahre in syrischen Gefängnissen, bevor er im Juni 2011 im Rahmen einer Generalamnestie freikam. Er schloss sich dem bewaffneten Aufstand gegen Präsident Bashar al-Assad an und vereinte 2013 mehrere Rebellengruppen unter dem Banner von Dschaisch al-Islam (Armee des Islam). Wenige Stunden nach Alluschs Tod wurde Abu Himam al-Buwaidani laut syrischer Beobachtungsstelle zu seinem Nachfolger ernannt. Die Familie des 40-Jährigen unterhält enge Verbindungen zu den Muslimbrüdern.

Dschaisch al-Islam kontrolliert einen großen Teil der Vororte von Damaskus. Die Gruppe hatte vor zwei Wochen in Riad auch an den Vorbereitungsgesprächen der syrischen Opposition für Friedensverhandlungen mit der Regierung teilgenommen. Dschaisch al-Islam wird von Saudi-Arabien unterstützt und bekämpft sowohl das syrische Regime als auch die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS).

Tote bei Attentat und Kämpfen

Im Norden Syriens wurden mehr als 70 Menschen bei einem Anschlag und anschließenden Kämpfen getötet. In Baschkoi, in der Provinz Aleppo, fuhr ein Selbstmordattentäter in eine Gruppe von Soldaten. Die Al-Nusra-Front wird für das Attentat verantwortlich gemacht. Es kam anschließend zu schweren Kämpfen zwischen Al-Nusra und den Truppen von Präsident Bashar al-Assad.

Darstellung: