Russischer Kampfjet Su-30 SM in der Luft | Bildquelle: dpa

NATO zu russischen Jets im türkischen Luftraum "Das war kein Versehen"

Stand: 06.10.2015 15:08 Uhr

Aus Sicht der NATO war das Eindringen russischer Kampfjets in den türkischen Luftraum kein Versehen. Das Militärbündnis warnte den Kreml vor möglichen Folgen. Russland setzte seine Luftangriffe in Syrien mit einem Angriff auf Palmyra fort.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg | Bildquelle: dpa
galerie

NATO-Generalsekretär Stoltenberg hält das russische Eindrigen in türkischen Luftraum für Absicht.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat Russland ein absichtliches Eindringen in den türkischen Luftraum vorgeworfen. "Für uns sah das nicht wie ein Versehen aus", sagte er in Brüssel. Am Wochenende habe es gleich zwei Vorfälle gegeben, bei denen russische Maschinen von Syrien aus in den Luftraum des NATO-Mitglieds Türkei eingedrungen seien. Die Verletzung habe zudem "lange Zeit im Vergleich mit vorangegangenen Verletzungen des Luftraums gedauert, die wir anderswo in Europa gesehen haben", so Stoltenberg.

Der NATO-Generalsekretär bezeichnete die Zwischenfälle als "sehr ernst". Es handle sich um "eine schwerwiegende Verletzung des Luftraums". Solche Vorfälle könnten zu "gefährlichen Situationen" führen. Die NATO habe von der Regierung in Moskau bisher "keine wirklichen Erklärungen" wegen der Vorfälle erhalten.

Zwei Vorfälle am Wochenende

Das türkische Außenministerium hatte zunächst berichtet, dass am Samstag türkische Jets ein russisches Kampfflugzeug abgefangen hätten, das in den türkischen Luftraum eingedrungen sei. Am Sonntag habe eine nicht identifizierte Mig-29 zwei türkische Kampfjets "bedrängt". Nach Angaben der NATO handelte es sich bei den eingedrungenen russischen Kampfflugzeugen um Maschinen vom Typ SU-30 und SU-24. Die Vorfälle ereigneten sich demnach in der Region Hatay, die an der Grenze zu Syrien liegt.

Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums sagte inzwischen, das Eindringen eines russischen Kampfjets vom Typ Su-30 am Samstag habe nur "einige Sekunden" gedauert und sei aufgrund "schlechter Wetterverhältnisse" erfolgt. Die Verletzung des türkischen Luftraums geschah somit nach Darstellung Russlands versehentlich und werde sich nicht wiederholen, wurde versichert. Den Vorwurf, dass am Sonntag ein zweiter Kampfjet während des Einsatzes über Syrien in den türkischen Luftraum eingedrungen sei, prüfe der Kreml mittlerweile, meldete die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die Botschaft in Ankara.

Daniel Asche, ARD Moskau, zu den russischen Militäroperationen in Syrien
tagesschau24 16:30 Uhr, 06.10.2015

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Türkei bestellt russischen Botschafter zweimal ein

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte scharfen Protest eingelegt und erklärt, man werde die türkischen Grenzen mit allen nötigen Maßnahmen schützen. Nach beiden Vorfällen bestellte die Regierung in Ankara den russischen Botschafter ein.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warnte Russland angesichts der Zwischenfälle mittlerweile vor einem Ende der guten Beziehungen. Russland werde viel verlieren, wenn es die Freundschaft mit der Türkei aufs Spiel setze, sagte er in Brüssel und warnte zugleich: "Ein Angriff auf die Türkei ist ein Angriff auf die NATO, das sollte man wissen."

Erdogan mahnte bei einem Treffen mit der EU-Führung zudem entschiedene Schritte zur Eindämmung des Flüchtlingsstroms aus Syrien an. So müsse die Einrichtung von Flugverbotszonen und einer Schutzzone im Norden des Bürgerkriegslands erwogen werden. Außerdem müsse die EU die Ausbildung von Rebellen verstärken.

Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: AFP
galerie

"Ein Angriff auf die Türkei ist ein Angriff auf die NATO, das sollte man wissen", sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Brüssel.

Russland fliegt offenbar Angriffe auf Palmyra

Russland hatte vergangene Woche mit Luftangriffen in Syrien begonnen. Die Türkei, die USA und ihre Bündnispartner beklagen, die Attacken träfen nicht nur den gemeinsamen Feind, die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), sondern auch vom Westen unterstützte, gemäßigte Rebellen. Zudem gehen die Interessen weit auseinander: Moskau stützt den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad - die Türkei und andere Länder wollen, dass Assad die Macht abgibt.

Am Mittag berichtete das syrische Staatsfernsehen, dass russische Kampfflugzeuge Ziele in der antiken Stadt Palmyra angegriffen hätten. Die Angriffe erfolgten demnach "in Koordination mit der syrischen Luftwaffe". In Palmyra hatten die IS-Extremisten in den vergangenen Wochen viele Weltkulturerbestätten zerstört.

Dank der Unterstützung durch die russischen Luftangriffe sehen sich die syrischen Regierungstruppen und die mit ihr verbündeten Milizen offenbar zu einer Bodenoffensive ermuntert. Für einen Angriff nördlich der Stadt Homs würden Tausende Kämpfer der syrischen Streitkräfte, der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah, der iranischen Revolutionsgarden und verbündeter Milizen mobilisiert, berichtete die Nachrichtenagentur dpa.

Russische Freiwillige könnten Assad unterstützen

Die russische Regierung schließt nicht aus, dass russische Freiwillige auf der Seite Assads kämpfen könnten. Russland werde solche Gruppen aber nicht unterstützen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im russischen Parlament, Admiral Wladimir Komojedow, erklärte laut der Nachrichtenagentur RIA Novosti, dass die Regierung derzeit versuche, russische Freiwillige an der Reise ins Bürgerkriegsland zu hindern. Den Einsatz von Bodentruppen der russischen Armee in Syrien schloss er allerdings aus.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Oktober 2015 um 16:00 Uhr.

Darstellung: