Männer tragen einen Verletzten aus einem Haus, das von den Luftangriffen getroffen wurde | Bildquelle: AFP

Rebellengebiet in Syrien Zahlreiche Tote nach Luftangriffen

Stand: 06.02.2018 22:10 Uhr

Bei Luftangriffen auf ein syrisches Rebellengebiet sollen Dutzende Zivilisten getötet worden sein. Die UN schlagen angesichts der Gewalteskalation Alarm - sie wollen auch die Hinweise auf Chlorgasangriffe prüfen.

Bei einer der heftigsten Serien von Luftangriffen seit Wochen sind im syrischen Rebellengebiet Ost-Ghouta nahe der Hauptstadt Damaskus nach Angaben von Aktivisten mindestens 70 Zivilisten getötet worden. Unter den Opfern seien mindestens zehn Kinder, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Zuvor hatte sie die Zahl der Toten auf mindestens 47 beziffert. Die Ersthelfer der Rettungsorganisation Weißhelme sprachen von mindestens 55 Toten.

Die Beobachtungsstelle berichtete, Jets der syrischen Luftwaffe hätten mehrere Orte in der von Regierungstruppen eingeschlossenen Region bombardiert. Es handle sich um die höchste Opferzahl an einem Tag in Ost-Ghouta seit Beginn der Eskalation Ende Dezember. Bereits am Montag waren den Aktivisten zufolge dort bei Bombardierungen mehr als 30 Zivilisten gestorben. Syrische und russische Jets flogen in den vergangenen Tagen auch in der ebenfalls von Regierungsgegnern kontrollierten Provinz Idlib im Nordwesten Syriens heftige Luftangriffe mit Dutzenden zivilen Opfern.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

UN: Ausmaß der Angriffe nimmt zu

Die Vereinten Nationen zeigten sich angesichts der jüngsten Gewalt alarmiert. UN-Vertreter beklagten, sie könnten tonnenweise bereitstehende humanitäre Hilfe wegen anhaltender Kämpfe und umständlicher Genehmigungsverfahren nicht verteilen - mehr als 13 Millionen notleidende Menschen im Land brauchen solche Unterstützung.

Die UN-Untersuchungskommission zu Syrien warnte, die Deeskalationszonen in Idlib und Ost-Ghouta würden zur "Farce". In den vergangenen 48 Stunden habe das Ausmaß und die Heftigkeit der Angriffe deutlich zugenommen. Insgesamt wurden auf Vermittlung von Russland, der Türkei und dem Iran vier Deeskalationszonen in Syrien eingerichtet, in denen regionale Waffenruhe gelten sollen.

Zerstörte Häuser in der Region Ost-Ghuta. | Bildquelle: AFP
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Bei den Luftangriffen wurden zahlreiche Häuser zerstört.

Berichte über Chlorgasangriffe werden geprüft

In den vergangenen Tagen waren aus Idlib und Ost-Ghouta auch Hinweise auf den Einsatz von Chlorgas gemeldet worden. Die UN-Untersuchungskommission erklärte nun, sie habe "vielfältige Informationen" zu Chlorgasangriffen auf die Städte Sarakeb und Duma. Diese Hinweise würden überprüft.

Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad hatte im September 2013 nach einem verheerenden Giftgasangriff in Ost-Ghouta unter internationalem Druck zugesagt, sämtliche Chemiewaffen außer Landes zu bringen und zu vernichten. Doch auch nach der Beseitigung aller bekannten Giftgasvorräte gibt es immer wieder Berichte über den Einsatz von Chemiewaffen. Alle Versuche, eine Verurteilung der Assad-Regierung im UN-Sicherheitsrat wegen der Giftgasangriffe zu erreichen, scheiterten bislang immer am Veto Russlands. Auch eine neue Initiative der USA, einen mutmaßlichen Chlorgasangriff in Duma zu verurteilen, wurde am Montag von Russland blockiert.

400.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten

Ost-Ghouta und Idlib gehören zu den letzten Gebieten Syriens unter Rebellenkontrolle. In den vergangenen Wochen war die Gewalt dort eskaliert. In Idlib haben die Kämpfe nach UN-Angaben fast 250.000 Menschen vertrieben. In Ost-Ghouta sind wegen einer Blockade der Regierung nach UN-Schätzungen rund 400.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Weil kaum Hilfe in das Gebiet kommt, spielt sich dort nach Angaben von Hilfsorganisationen eine humanitäre Katastrophe ab.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Februar 2018 um 18:00 Uhr.

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