Dieses Bild vom 10. Dezember zeigt die Zerstörungen im Ostteil Aleppos | Bildquelle: dpa

Krieg in Syrien Aleppo, Palmyra und die Diplomatie

Stand: 10.12.2016 15:32 Uhr

Ostaleppo befindet sich größtenteils wieder in der Hand der Truppen von Machthaber Assad. Dass der Kampf dort viele militärische Kräfte bindet, will der IS andernorts für sich nutzen. Unterdessen bemühen sich Politiker auf zwei Konferenzen um Lösungen.

Von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Die Truppen von Präsident Baschar al-Assad sind weit gekommen: Unterschiedlichen Angaben zufolge sind 85 bis 93 Prozent der Fläche Ostaleppos mittlerweile wieder in Regierungshand. Die bewaffneten Oppositionellen wurden immer weiter zurückgedrängt.

Die humanitäre Lage in Aleppo ist nach wie vor dramatisch: 100.000 Menschen halten sich nach Schätzungen der Vereinten Nationen noch in Ostaleppo auf. Da das Gebiet der Regierungsgegnern immer kleiner wird, seien die Stadtviertel völlig überfüllt, sagen Aktivsten. Es mangele an Nahrungsmitteln und Trinkwasser, die medizinische Versorgung sei komplett zusammengebrochen.

Syrische Regierungstruppen vor Sieg in Aleppo
tagesschau 17:00 Uhr, 10.12.2016, Volker Schwenk, ARD Kairo

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Zehntausende versuchen zu fliehen

Hunderte Verletzte, die gestern eigentlich in Sicherheit gebracht werden sollten, konnten Ostaleppo nicht verlassen - für manche kommt jede Hilfe zu spät.

Zehntausende Zivilisten fliehen vor den Kämpfen in den Westteil Aleppos, der von der Regierung gehalten wird. Binnen 24 Stunden waren das mehr als 30.000 Menschen. Berichten der Vereinten Nationen zufolge sollen die Aufständischen teilweise versucht haben, Zivilisten an der Flucht zu hindern.

Syrer warten am Checkpoint | Bildquelle: AFP
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Syrer warten nach dem Verlassen von Ostaleppo am Checkpoint. Mittlerweile hat Assad mehr als 85 Prozent von Ostaleppo zurückerobert.

Internationale Bemühungen

Unterdessen gehen international die Bemühungen weiter, humanitäre Hilfe für Ostaleppo möglich zu machen. In Paris tagte heute eine große Syrienkonferenz der Assad-Kritiker, an der neben Frankreich, Deutschland und den USA unter anderem auch Länder wie Katar, die Türkei und Jordanien teilnahmen.

Die Konferenzteilnehmer forderten mit Nachdruck eine Feuerpause für Aleppo. Außenminister Steinmeier, der ebenfalls teilnahm, sagte "das Leid der Menschen in Aleppo ist unermesslich." Es sei deshalb "moralische und rechtliche Pflicht", dieses zu mindern. Einen Durchbruch brachte die Konferenz jedoch nicht.

Außenminister Ayrault | Bildquelle: AFP
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"In Aleppo und anderswo müssen die Kämpfe aufhören", sagte der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault bei der Syrien-Konferenz in Paris. "Die humanitäre Hilfe muss all diejenigen erreichen, die sie brauchen", so Ayrault.

Treffen in Genf verspricht Hoffnung

Ein wenig Hoffnung verspricht ein zweites Treffen in Genf: Dort beraten heute Vertreter der amerikanischen und russischen Regierung über die Zukunft Syriens.

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Stafan de Mistura, äußerte die Hoffnung, dass das Sterben und die Zerstörung in Aleppo beendet werden könnten. Der Kampf in Aleppo sei faktisch entschieden, so de Mistura gestern - jetzt ginge es darum, so schnell wie möglich humanitäre Hilfe zuzulassen.

"Die Gespräche zwischen Russland, den USA und uns gehen dahin, möglicherweise zuzulassen, dass alle Kämpfer, alle bewaffneten Oppositionellen, jetzt Ostaleppo verlassen können. Das wäre eine Möglichkeit", so de Mistura. Und die Tatsache, dass jetzt darüber gesprochen wird, sei eine wichtige Entwicklung.

Internationale Beratungen zu Syrien-Krieg in Paris und Genf
tagesschau 17:00 Uhr, 10.12.2016, Ellis Fröder, ARD Paris

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Aktivisten fürchten Verhaftungen

Ob sich die Aufständischen in Aleppo allerdings auf diese Idee einlassen werden, ist fraglich. Aktivsten zufolge fürchten sie, sofort vom Assad-Regime verhaftet zu werden. Die Vereinten Nationen berichteten gestern, dass in den vergangenen Tagen hunderte Männer, die in den Westteil Aleppos geflohen waren, verschwunden seien.

Rupert Colville, Sprecher des UN-Kommissariats für Menschenrechte erinnerte in diesem Zusammenhang an die Vorgeschichte des syrischen Regimes: Folter, willkürliche Haft und das Verschwindenlassen von Menschen sei schon vor dem Krieg in Syrien üblich gewesen, sagte er.

Pro-Regierungstruppen mit syrischen Flaggen | Bildquelle: AFP
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Pro-Regierungstruppen mit syrischen Flaggen zelebrieren die Rückeroberung weiter Teile von Ostaleppo, das 2012 von Rebellenruppen eingenommen wurde.

Terrorgruppen nutzen Krise für sich

Während international die Verhandlungen weitergehen, nutzt in Syrien ein anderer Akteur offenbar die Gunst der Stunde: Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) ist bei der antiken Wüstenstadt Palmyra auf dem Vormarsch.

Es gab heftige Kämpfe zwischen den Dschihadisten und der Armee des syrischen Präsidenten Assad. Offenbar konnte der IS die Regierungstruppen zurückdrängen und steht jetzt kurz vor der Stadt. Die Extremisten eroberten außerdem ein wichtiges Gasfeld.

Dass die Dschihadisten bei Palmyra weiter vorrücken, hängt Beobachtern zufolge mit dem Kampf um Aleppo zusammen - der Krieg dort bindet viele militärische Kräfte der syrischen Armee. Das will sich der IS offenbar zunutze machen.

Der IS unter Druck

Der IS gerät in seinen bisherigen Hochburgen Rakka und Mossul immer stärker unter Druck. Die internationale Anti-IS-Koalition versucht dort, den IS zu besiegen. Heute haben die USA angekündigt, weitere 200 Soldaten nach Rakka zu entsenden, um beim Kampf gegen den IS zu helfen. 300 Amerikaner sind bereits in Syrien im Einsatz.

Beobachter sagen, um sich ein neues Territorium zu erschließen, habe der IS jetzt bei Palmyra eine Gegenoffensive gestartet. Die historisch wichtige Oasen-Stadt war bereits 2015 ein Jahr lang in der Hand der Dschihadisten, damals sprengten die IS-Kämpfer mehrere Götterskulpturen, die als Weltkulturerbe gelten und zerstörten bedeutende Kulturschätze der Menschheitsgeschichte.

Im Frühjahr dieses Jahres gelang Assad die Rückeroberung von Palmyra. Es war der wichtigste Schlag der syrischen Regierungstruppen gegen den IS.

Kann sich der IS bei Palmyra halten?

Ob sich der IS allerdings langfristig bei Palmyra halten kann, ist fraglich: Assads Rückeroberung von ganz Aleppo dürfte Beobachtern zufolge nur noch eine Frage von Tagen sein. Dann wird sich Assad mit ganzer Macht seinen Gegnern in anderen syrischen Regionen widmen: Zum Beispiel dem Islamischen Staat bei Palmyra und den noch verbliebenen Oppositionellen in Idlip und andere syrischen Provinzen.

Lage in Syrien - Gespräche in Paris
Anna Osius, ARD Kairo
10.12.2016 13:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Dezember 2016 um 12:12 Uhr

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