Der Gebäudeskomplex des Gefängnisses Saidnaja 30km nördlich von Damaskus aufgenommen aus der Luft | Bildquelle: dpa

Neue Vorwürfe der USA Syrien bestreitet Massenhinrichtungen

Stand: 16.05.2017 17:49 Uhr

Die syrische Regierung weist Anschuldigungen zurück, Häftlinge massenhaft hinzurichten und die Leichen zu verbrennen. Die USA hatten entsprechende Vorwürfe formuliert: Jeden Tag würden in dem Gefängnis Saidnaja bis zu 50 Gefangene getötet.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

"Eine neue Hollywood-Story fernab der Wirklichkeit" - mit diesen Worten wehrt sich das syrische Außenministerium gegen den Vorwurf der US-Regierung. Es handele sich um "Lügen", mit denen die USA ihre "aggressive Politik und ihre Einmischung in andere Länder" rechtfertigten. "Kategorisch" weise man die Anschuldigung zurück, so das syrische Außenministerium.

Das State Department hatte Beweise vorgelegt, die darauf hindeuten sollen, dass die syrische Regierung massenhaft Gefangene töten und ihre Leichen dann verbrennen lässt, um das Verbrechen zu verschleiern. Einmal mehr geht es um das berüchtigte Militärgefängnis Saidnaja in der Nähe von Damaskus. Stuart Jones, Nahost-Abteilungsleiter im State Department, sagte vor Journalisten, jeden Tag würden dort bis zu 50 Gefangene getötet.

Satellitenfotos zum Beweis

Jones sagte: "Glaubwürdige Quellen haben angegeben, dass viele der Leichen in Massengräbern verscharrt wurden.Wir glauben jetzt, dass das syrische Regime im Haftkomplex Saidnaja ein Krematorium eingerichtet hat, mit dem die Leichen beseitigt werden können, ohne dass viele Beweise zurückbleiben." Das syrische Regime habe seit 2013 "ein Gebäude dort so umgebaut, dass es nun - wie wir glauben - als Krematorium genutzt wird", so Jones.

Jones legte Satellitenfotos vor, die während der vergangenen Jahre aufgenommen wurden. Für sich genommen seien diese Fotos kein eindeutiger Beweis. Ein Foto aus dem Jahr 2015 zeige jedoch, dass die Gebäude mit Schnee bedeckt seien, bis auf eines. Dies spreche dafür, dass es im Innern dieses Gebäudes sehr heiß gewesen sei, wie es bei einem Krematorium zweifellos der Fall sei, so Jones. "Obwohl die vielen Verbrechen des Regimes gut dokumentiert sind, glauben wir, dass das Errichten eines Krematoriums der Versuch ist, die Ausmaße des Massenmordes, der im Gefängnis Saidnaja verübt wird, zu verschleiern" sagte Jones.

Amnesty International: "Bis zu 13.000 Tote"

Im Februar hatte Amnesty International der Regierung von Präsident Baschar al-Assad vorgeworfen, jede Woche zwischen 20 und 50 Inhaftierte in Saidnaja mit dem Strang hinzurichten. Innerhalb von fünf Jahren seien auf diese Weise bis zu 13.000 Menschen in dem Gefängnis getötet worden, die meisten von ihnen Zivilisten, die vermutlich gegen die Regierung waren. Amnesty sprach damals von einer "Kampagne der Exterminierung". Assad bestritt dies.

Die neuen Beschuldigungen der USA kamen am Tag vor Beginn der mittlerweile sechsten Runde der Syrien-Gespräche in Genf. Die Vorwürfe dürften der Versuch sein, den Druck auf Russland zu erhöhen, sich von seinem Verbündeten Assad zu lösen. Jones sagte: "Diese Gräueltaten werden mit der offenbar bedingungslosen Unterstützung durch Russland und den Iran verübt." Russland müsse jetzt vordringlich seinen Einfluss auf das syrische Regime nutzen, um zu garantieren, dass solche fürchterlichen Verbrechen aufhören, so Jones.

Auch bei dieser Genfer Runde erwartet niemand einen Durchbruch. Nach wie vor reden die Vertreter von Regierung und Opposition nicht direkt miteinander. Letzte Woche äußerte sich Präsident Assad abschätzig über die Gespräche. Dem weißrussischen Fernsehen sagte er, sie seien "nur ein Treffen für die Medien".

Syrische Regierung bestreitet Bau eines Krematoriums
C. Kühntopp, ARD Kairo
16.05.2017 16:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Mai 2017 um 17:30 Uhr in den Nachrichten.

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