Eine syrische Frau sieht in enem Bus. Man sieht ihr die mangelhafte Versorgung der vergangenen Monate an. | Bildquelle: AFP

Belagerte Städte in Syrien Zehntausende werden evakuiert

Stand: 12.04.2017 20:41 Uhr

Seit Monaten sind zehntausende Menschen in vier syrischen Städten von der Außenwelt abgeschnitten. Es mangelt an Wasser, Lebensmitteln, Medizin. Nun haben Regierung und Rebellen die Evakuierung der Städte eingeleitet.

In Syrien hat die zwischen Regierung und Rebellen vereinbarte Evakuierung von vier belagerten Städten begonnen. Das meldet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Quellen vor Ort und die staatliche Nachrichtenagentur Sana.

Den Berichten zufolge wurden zunächst mehrere Gefangene ausgetauscht. Anschließend sollen tausende Menschen die von Aufständischen umzingelten Städte Fua und Kafraja in der Provinz Idlib sowie die von Regierungstruppen belagerten Städte Madaja und Sabadani nahe Damaskus verlassen. Durch die jahrelange Belagerung gibt es in den vier Orten kaum noch Lebensmittel und medizinische Versorgung.

30.000 Menschen betroffen

Die Evakuierung hatte eigentlich am Dienstag vergangener Woche beginnen sollen. Wegen Bedenken auf beiden Seiten und weiteren Verhandlungen verzögerte sie sich um mehr als eine Woche.

Die Evakuierungsvereinbarung war im März unter der Vermittlung von Katar und dem Iran zustande gekommen. Insgesamt sind laut AFP etwa 30.000 Menschen betroffen. Nach der Vereinbarung sollen alle 16.000 Bewohner von Fua und Kafraja nach Aleppo, Damaskus oder in die Provinz Latakia gehen. Zivilisten aus den Rebellen-Hochburgen Madaja und Sabadani können sich auf eigenen Wunsch den bewaffneten Aufständischen anschließen, die die Städte in Richtung der Provinz Idlib verlassen sollen.

Im Februar hatte der humanitäre Koordinator der UN für Syrien vor einer humanitären Katastrophe in den vier Städten gewarnt. 60.000 unschuldige Menschen seien dort von der Außenwelt abgeschlossen, sie litten unter einem extremen Mangel an Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten.

Gefangenenaustausch als erste Phase der Vereinbarung

Mit dem Gefangenenaustausch soll nun die Umsetzung der ersten Phase der Vereinbarung begonnen haben. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP sah in der unter Regierungskontrolle stehenden Stadt Aleppo, wie zwölf von den Rebellen freigelassene Gefangene ankamen. Neun von ihnen schienen verletzt zu sein. Außerdem wurden acht Leichen nach Aleppo gebracht.

Sana berichtete, vier Kinder und acht Frauen sowie die Leichen von acht "Märtyrern" seien von Idlib nach Aleppo gebracht worden. Zudem seien 19 "Aktivisten", die von der Armee in Fua und Kafraja festgehalten worden waren, in die Rebellengebiete von Idlib gebracht worden.

Wann die eigentliche Evakuierung der vier Städte beginnen sollte, war jedoch weiter unklar. Ein Regierungsvertreter widersprach Angaben von Bewohnern und örtlichen Verhandlungsführern, wonach die für die Evakuierung vorgesehenen Busse in Madaja und Sabadani bereit standen. Die Busse würden erst in die beiden Städte geschickt, wenn gleichzeitig ein Konvoi nach Fua und Kafraja starte, sagte der Regierungsvertreter der AFP. Er warf den Aufständischen Verzögerungen vor.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. April 2017 um 06:11 Uhr

Darstellung: