Karte: Syrien mit der Region Deir al-Sor und der Stadt Rakka

Offenbar IS-Offensive in Deir al-Sor Ausgehungert, verschleppt, getötet

Stand: 17.01.2016 12:57 Uhr

Offenbar ist die IS-Terrormiliz auf die seit März belagerte Stadt Deir al-Sor in Ostsyrien vorgerückt. Bei Kämpfen sollen mehr als 130 Menschen getötet worden sein, 400 weitere soll der IS verschleppt haben. Deir al-Sor ist eines von 15 Gebieten in Syrien, die von Kämpfern der verschiedenen Bürgerkriegsparteien belagert werden.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Große Teile der Provinz Deir al-Sor im Osten Syriens werden seit längerem von der Terrormiliz "Islamischer Staat" beherrscht. Das gilt auch für die gleichnamige Provinzhauptstadt. Allerdings kontrollieren Truppen der Regierung von Bashar al Assad einige Viertel des Ortes, vor allem in seinem  Norden.

Gegen sie hatten IS-Kämpfer jetzt eine Offensive gestartet. Von mehreren Seiten sollen sie auf Stellungen der Armee vorgerückt seien. Dabei setzten sie offenbar auch Selbstmordattentäter mit Sprengsätzen ein. Im Verlauf der Offensive töteten die Extremisten mindestens 50 Soldaten. Das berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.    

400 Menschen verschleppt?    

Ihren Informationen zufolge kamen auch mindestens 85 Zivilisten ums Leben. Sie sollen enthauptet oder auf andere Art kaltblütig hingerichtet worden sein. Anschließend hätten die IS-Terroristen rund 400 Zivilisten verschleppt, unter ihnen Frauen und Kinder. Sie seien in Gebiete gebracht worden, die der IS kontrolliert.

Auch die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtet über die Offensive der Terrormiliz. Nach ihren Informationen konnten die Regierungstruppen den Angriff abwehren. Mindestens 300 Menschen sollen von den Extremisten getötet worden sein, zumeist Frauen, Kinder und ältere Leute. Diese Angaben können nicht unabhängig überprüft werden, ebensowenig wie jene der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Kein Strom, kein Wasser, keine Nahrung

Sollte es dem IS aber tatsächlich gelungen sein, Viertel im Norden der Stadt Deir al-Sor zu erobern, unter anderem die Stadtteile al Baghailiyyah und Ayash, dann würde die Miliz jetzt nach Ansicht von Beobachtern  rund 60 Prozent des Ortes und seines Umlandes kontrollieren.

Einem Bericht der Vereinten Nationen zufolge belagern die IS-Extremisten den Westen der Stadt seit März. Die Einwohner der betroffenen Viertel hätten seitdem keinen Strom und kaum Trinkwasser und würden außerdem unter einer dramatischen Lebensmittelknappheit leiden. Dem Bericht zufolge sollen in den vergangenen Monaten bereits 15 bis 20 Menschen verhungert sein.

Zwar werde ein Militärflugplatz in der Nähe von Regierungstruppen kontrolliert, aber dort würden gelegentlich nur Hubschrauber starten und landen. Russland hatte am Freitag erklärt, ein russisches Transportflugzeug habe 22 Tonnen Lebensmittel und Medizin über der Stadt abgeworfen.

Deir al-Sor ist eines von 15 Gebieten in Syrien, die von Kämpfern der verschiedenen Bürgerkriegsparteien belagert werden und in denen Zivilisten von der Außenwelt abgeschnitten sind und extreme Not leiden.

IS begeht offenbar Massaker im Osten Syriens
J. Stryjak, ARD Kairo
17.01.2016 12:38 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 17. Januar 2016 um 23:22 Uhr im Deutschlandfunk.

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