Hülsen liegen nahe Deir al-Sor auf dem Boden | Bildquelle: AFP

Krieg in Syrien Assads Armee vertreibt IS aus Deir al-Sor

Stand: 03.11.2017 13:27 Uhr

Die syrische Armee hat die jahrelang umkämpfte Stadt Deir al-Sor nach Angaben der Staatsmedien von der Terrormiliz "Islamischer Staat" zurückerobert. Das Militär hat die Stadt im Osten des Landes offenbar vollständig unter Kontrolle.

Von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Das syrische Staatsfernsehen bringt die Eroberung von Deir al-Sor als Triumphmeldung des Morgens. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" sei vollständig aus der Provinzhauptstadt vertrieben. Damit bestätigte die Regierung eine Nachricht der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die erklärt hatte, sämtliche IS-Kämpfer hätten Deir al-Sor verlassen. Jetzt werde der Ort von Minen und Sprengfallen geräumt.

"Die IS-Kämpfer sind in östliche Richtung geflohen", sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Ramy Abdel Rahman. "Der IS hat keine Existenz mehr in großen syrischen Städten außer in Al-Bukamal." Die Stadt liegt im äußersten Osten des Landes an der Grenze zum Irak. Kämpfer gebe es zudem noch in einigen kleinen Städten an beiden Ufern des Euphrat, so Ramy Abdel Rahman.

Wichtige Ölquellen in der Region

Deir al-Sor ist eine Provinzhauptstadt am Westufer des Flusses. In der Region liegen wichtige Ölquellen. Drei Jahre lang waren dort nach UN-Schätzungen mehr als 90.000 Menschen vom IS eingeschlossen. Jetzt sollen die Dschihadisten noch etwa 40 Prozent der Provinz kontrollieren.

In den vergangenen Monaten haben die IS-Kämpfer drastisch an Boden verloren. Vor einigen Wochen befreite ein kurdisch geführtes Bündnis die ehemalige IS-Hochburg Rakka von der Terrormiliz. Der Ort galt lange als "Hauptstadt" des sogenannten Kalifats. Im benachbarten Irak wurden die Kämpfer bereits im Sommer aus der Großstadt Mossul vertrieben.

Freude bei den Alliierten

Die Extremisten sind inzwischen auf ein Gebiet am Euphrat und in der umliegenden Wüste zurückgedrängt. Die syrische Armee wurde bei ihrem Vormarsch auch von russischen Kampfflugzeugen sowie von schiitischen Kämpfern mit Nähe zum Iran unterstützt.

Vor allem diese dürften ein großes Interesse an der Einnahme Deir al-Sors gehabt haben, sagte Omar Kusch, Politikwissenschaftler aus Istanbul in einem Fernsehinterview. "Die Kontrolle über Deir al-Sor bedeutet, dass bald der Landweg von Teheran über Bagdad und Deir al-Sor bis nach Damaskus offen ist. Das ist das Ziel des Iran, um seinen Einfluss in Syrien zu vergrößern", so Kusch. Dies geschehe gegen den Willen der USA, die die iranische Präsenz einschränken wollten. "Aber die Realität zeigt, dass die russische Unterstützung diesen Einfluss möglich macht und ihn in Syrien noch ausdehnen wird."

Dieses Fernsehbild der staatlichen Nachrichtenagentur SANA zeigt Rauch über Deir al-Sor. | Bildquelle: AP
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Dieses Fernsehbild der staatlichen Nachrichtenagentur SANA zeigt Rauch über Deir al-Sor.

Russland als "Freund und strategischer Partner"

Russland und Iran sind enge Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. In dieser Woche reiste der russische Präsident Wladimir Putin zu Gesprächen nach Teheran. Dort betonte der iranische Präsident Hassan Rouhani, in der "Endphase des Kampfes" in Syrien sei es wichtig, die Zusammenarbeit mit dem "Freund und strategischen Partner" Russland fortzusetzen.

Nach der letzten Gesprächsrunde am vergangenen Dienstag in Astana hatte Russland angekündigt, Mitte November in Sotschi einen "Kongress des Dialogs" mit Vertretern aller syrischen Konfliktparteien zu organisieren. Die wichtigsten syrischen Oppositionsgruppen erteilten Russland jedoch eine Absage. Man werde ausschließlich an Friedensgesprächen unter Vermittlung der Vereinten Nationen in Genf teilnehmen. Eine neue Runde der Genfer Gespräche ist für Ende November geplant.

Wieder mehr Luftangriffe?

Die russische Syrien-Politik ist erfolgreich. Durch Moskaus Unterstützung für Assad konnte sich dieser an der Macht halten. Doch trotz vereinbarter Deeskalationszonen soll das Bombardement in einigen von Aufständischen gehaltenen Gebieten wieder intensiviert worden sein.

So berichten Aktivisten beispielsweise von regelmäßigen Luftangriffen in Ost-Ghouta bei Damaskus. Dort sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen ungefähr 400.000 Menschen von der syrischen Armee eingekesselt, Kinder verhungerten. In dieser Woche wurde ein UN-Hilfskonvoi durchgelassen - es war der erste seit Monaten.

Syrische Armee vertreibt IS aus Provinzhauptstadt Deir al-Sor
Anna Osius, WDR, Kairo
03.11.2017 11:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. November 2017 um 13:14 Uhr.

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