Ein syrische Rettungshelfer wird nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff behandelt | Bildquelle: REUTERS

Mutmaßlicher Giftgasangriff in Syrien Die Suche nach Schuldigen

Stand: 05.04.2017 00:59 Uhr

Wer ist schuld an einem der mutmaßlich schwersten Giftgasangriffe in Syrien? Alles deutet darauf hin, dass das Assad-Regime dahintersteckt, sagt jetzt die US-Regierung. Mitglieder des UN-Sicherheitsrats verlangen unterdessen eine baldige Untersuchung.

Es ist wohl einer der schwersten Angriffe mit Giftgas im syrischen Bürgerkrieg: In der von den Rebellen kontrollierten Stadt Chan Scheichun in der Provinz Idlib im Nordwesten des Landes sind Aktivisten zufolge mindestens 58 Menschen getötet worden, unter ihnen 19 Kinder und elf Frauen. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldet zudem Dutzende Verletzte. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite allerdings nicht überprüft werden.

Großbritannien, Frankreich und USA legten dem UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf vor, der den Angriff verurteilt und eine baldige Untersuchung verlangt. In dem Text, aus dem die Nachrichtenagentur AFP zitiert, wird die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) aufgerufen, ihre Befunde schnell vorzulegen. In einer Sondersitzung will sich der Sicherheitsrat mit dem Vorfall befassen.

Giftgasangriff in Syrien
Morgenmagazin, 05.04.2017, Daniel Hechler, ARD Kairo

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USA machen Assad verantwortlich

Für die US-Regierung scheint der Schuldige bereits festzustehen: Sie machte den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad für den Angriff verantwortlich. Das "Assad-Regime" habe erneut ein "abscheuliches Verbrechen" begangen, sagte US-Präsident Donald Trump, der seinem Vorgänger, Barack Obama, gleichzeitig indirekt eine Mitschuld gab. Der Angriff sei eine Folge der "Schwäche und Unentschlossenheit" Obamas, so Trump. Er spielte damit auf Obamas Entscheidung nach einem Giftgasangriff 2013 an, nicht militärisch einzugreifen - obwohl er zuvor erklärt hatte, ein Einsatz chemischer Waffen durch Assads Truppen würde eine "rote Linie" überschreiten.

Ein Mitverantwortung trügen aber auch die Verbündeten Assads, Russland und der Iran, sagte Trumps Chefdiplomat Rex Tillerson: "Als selbsterklärte Garanten des in Astana verhandelten Waffenstillstands tragen Russland und der Iran eine große moralische Verantwortung für diese Toten". Der US-Außenminister rief die beiden Länder auf, ihren Einfluss auf die syrische Führung geltend zu machen und "zu garantieren, dass so ein schrecklicher Angriff nie wieder passiert".

Russland und der Iran stehen in dem seit sechs Jahren andauernden Syrien-Konflikt an der Seite von Syriens Staatschef Bashar al-Assad. Die beiden Länder hatten gemeinsam mit der Türkei in der kasachischen Hauptstadt Astana Friedensgespräche zur Beendigung des Krieges begonnen. Die Gespräche dienen der Stabilisierung des vereinbarten Waffenstillstand.

Scharfe Kritik an Assad

Tillerson sagte, der Angriff zeige, wie Assad vorgehe: "mit brutaler, ungenierter Barbarei". "Diejenigen, die ihn verteidigen und unterstützen, darunter Russland und Iran, sollten keine Illusionen über Assad und seine Absichten haben", fügte der Außenminister hinzu. "Jeder, der Chemiewaffen benutzt, um sein eigenes Volk anzugreifen, zeigt eine grundlegende Verachtung für menschlichen Anstand und muss zur Verantwortung gezogen werden", erklärte Tillerson, der kommende Woche nach Moskau reist. Tillersons Kritik an Assad kommt wenige Tage nach der Erklärung der amerikanischen UN-Botschafterin, Nikki Haley, dass die US-Regierung sich nicht länger darauf konzentriere, "Assad los zu werden".

Rebellen schwören Rache

Unterdessen kündigten syrische Rebellengruppen, unter ihnen ein früherer Al-Kaida-Ableger, massive Racheaktionen für den mutmaßlichen Giftgasangriff an. "Wir rufen alle Kämpfer in Syrien auf, die Fronten in Flammen aufgehen zu lassen", zitierte die Nachrichtenagentur AFP aus einer Erklärung des Bündnisses Tahrir-al-Scham. Es werde eine Rache geben, "die das Herz unseres Volkes in Chan Scheichun im Besonderen und in Syrien im Allgemeinen besänftigen wird", hieß es demnach in der Mitteilung weiter. Tahrir al-Scham wird von der Gruppe Fatah-al-Scham dominiert, die früher mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündet war.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. April 2017 um 22:15 Uhr.

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