Ein Mädchen in einem Krankenwagen in Ost-Ghouta | Bildquelle: AFP

Syrische Region Ost-Ghouta Kein Weg in die Sicherheit

Stand: 27.12.2017 13:04 Uhr

Das Leben im syrischen Krieg ist derzeit nirgendwo so schwer und grausam wie in der Region Ost-Ghouta, sagten die UN. Darum sollen wenigstens die Kranken in Sicherheit gebracht werden. Doch nahezu tägliche Angriffe machen dieses Ziel fast unmöglich.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Darauf haben die Vereinten Nationen mehrere Monate gewartet - doch der Abtransport von gerade einmal vier Schwerkranken aus der belagerten Region Ost-Ghouta in der vergangenen Nacht dürfte keinen der Helfer vor Ort zufriedenstellen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz teilte über Twitter lediglich mit, die Aktion habe begonnen.

Laut der Hilfsorganisation "Syrian American Medical Society" gab die syrische Regierung ihr Einverständnis, dass 29 Schwerkranke Ost-Ghouta verlassen können. Nach den ersten vier sollen die nächsten Einwohner offenbar im Laufe der kommenden Tage aus der Rebellen-Hochburg herausgebracht und in Krankenhäuser nach Damaskus gefahren werden.

Auf dem Totenbett statt im Krankenhaus

Bereits im September hatten die UN die syrische Regierung erstmals gebeten, Schwerkranke in Sicherheit bringen zu dürfen. Eine entsprechende Liste umfasste schließlich die Namen von fast 500 Patienten. Kurz vor Weihnachten musste Jan Egeland von den UN jedoch mitteilen: "494 Menschen waren auf der Vorrangliste. Die Zahl sinkt - nicht, weil wir die Menschen rausbringen, sondern weil sie sterben."

Knapp 400.000 Menschen werden in Ost-Ghouta von Regierungskräften belagert und eingeschlossen, und das seit 2013. Fast täglich lässt Präsident Bashar al-Assad Luftangriffe auf die Region fliegen, während bewaffnete Rebellengruppen sporadisch Granaten in Richtung Damaskus schießen. Wohl nirgendwo sonst in Syrien ist das Leid von Zivilisten so groß wie momentan in Ost-Ghouta.

Das Leben ist "unmöglich" geworden

Anfang November hätten Hilfskräfte von den UN festgestellt, dass etwa jedes dritte Kind unter fünf Jahren aufgrund von Unterernährung zu klein sei, und dass zwölf Prozent akut an Unternernährung litten, berichtet Egeland: "Das war der schockierendste Befund dieser Art in Syrien seit Kriegsbeginn." Mitte des Monats erklärte das Rote Kreuz, das Leben in Ost-Ghouta werde nun "unmöglich", die Situation habe einen "kritischen Punkt" erreicht.

Ein kleiner weinender Junge wird von Ärzten in einem Ambulanzwagen in der syrischen Region Ost-Ghouta behandelt. | Bildquelle: AFP
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Gerade für Kinder wird das Leben in der syrischen Kriegsregion Ost-Ghouta unerträglich.

Eigentlich ist die Region eine der sogenannten De-Eskalationszonen, auf deren Einrichtung sich Russland, der Iran und die Türkei im Frühjahr verständigt hatten. Weil Russland jedoch Assad offenbar gewähren und die Luftangriffe auf Ost-Ghouta nicht stoppen lässt, haben syrische Oppositionsgruppen weiterhin kein Vertrauen in die Rolle von Kreml-Chef Wladimir Putin als Vermittler.

Syrische Oppositionelle stellen sich gegen Putin

Anfang der Woche teilten deshalb etwa 40 Gruppen mit, dass sie nicht an der Syrien-Konferenz teilnehmen werden, die Putin Ende Januar im russischen Sotschi abhalten möchte. Russland sei ein "Land der Aggression" und für Kriegsverbrechen verantwortlich, so die Oppositionsgruppen in einer Erklärung. Moskau habe nichts dazu beigetragen, das Leiden der Menschen in Syrien zu lindern und es übe keinen Druck auf das Regime aus, zu einer politischen Lösung des Konflikts beizutragen. Ausdrücklich bekannten sich die Oppositionsgruppen zu dem Genfer Gesprächsprozess unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen

Rotes Kreuz evakuiert Schwerkranke aus Ost-Ghouta
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
27.12.2017 12:14 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 27. Dezember 2017 um 13:15 Uhr auf NDR Info.

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