UN-Sondervermittler Staffan de Mistura | Bildquelle: dpa

Porträt des UN-Vermittlers de Mistura Der "chronische Optimist"

Stand: 30.01.2016 13:45 Uhr

Seine Aufgabe - Frieden in Syrien zu stiften - gilt vielen als "Mission Impossible". Doch Staffan de Mistura ist ein "chronischer Optimist" und greift gerne zu unkonventionellen Lösungen. Viele sagen: Wenn es einer schaffen kann, dann er.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Im Juli 2014 klingelt auf Capri ein Telefon in der Villa Michele, einer schwedischen Kulturstiftung. Geleitet wird sie von einem Menschen, der sich selbst einmal einen "chronischen Optimisten" nannte: Staffan de Mistura. Damals war er 68 Jahre alt, 42 davon hat er im Dienst überall dort auf der Welt verbracht, wo es brannte, wo Hunger, Krieg und Terror herrschten: Somalia, Äthiopien, oder der Balkan.

19 Auslandsmissionen hat er geleitet, war UN-Sonderbeauftragter im Irak und später in Afghanistan. Und dann steht er im Juli 2014 am Telefon auf Capri und Ban Ki Moon, der UN-Generalsekretär, bittet de Mistura ihm ein letztes Mal zu helfen, diesmal, um das Morden, das Sterben den Krieg in Syrien zu beenden.

Kreativ in Krisenmomenten

Das Gefühl "genug ist genug" hat de Mistura nach eigener Aussage mehr als einmal gehabt im Leben. In Kabul überredete er einst kommerzielle Fluglinien, kostenlos Lebensmittel einzufliegen. In Sarajevo war er es, der Schmuggler dazu brachte, Medikamente und Nahrung in die belagerten Stadt zu schaffen. Im Sudan mietete er - als gar nichts mehr ging - Kamele, um Impfstoffe zu den Dörfern zu bringen. Er ist ein Mann für das, was sie bei den Vereinten Nationen gemeinhin "Mission Impossible" nennen.

"Vielleicht wird das hier in Syrien nun doch eine Mission possible", sagt er dennoch. Denn er bleibt immer hoffnungsvoll. Damals sagte er Ban Ki Moon zu, Sondergesandter für Syrien zu werden. Zwei vor ihm hatten aufgegeben, beide erfahrene Spitzendiplomaten: Lakhdar Brahimi und Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan. Sie sind gescheitert an dem Krieg, den Rebellen, Machthaber Baschar al-Assad, IS-Terroristen.

Syrien-Gespräche in Genf haben begonnen
nachtmagazin 01:00 Uhr, 30.01.2016, Henning Winter, ARD Genf

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"Nur Dialog wird die Lösung bringen"

De Mistura, der gern Maßanzüge und Zwicker trägt und den italienischen Adelstitel Marchese führt, sieht die Sache anders: "Keine Waffen, nur Dialog wird die Lösung bringen." Monat um Monat hat er jetzt verhandelt, vor und hinter den Kulissen. Seine Kritiker werfen ihm Blauäugigkeit vor. Der Sohn einer schwedischen Mutter und eines Vaters aus dem früheren Dalmatien lächelt das einfach weg.

Manchmal weiß er schon gar nicht mehr, mit wieviel verschiedenen Parteien er im Syrienkonflikt schon gesprochen hat. Allein die syrische Opposition passt kaum in einen Raum. "Schätzen Sie mal, mit wieviel Unterhändlern ich schon gesprochen habe - es waren 18", erklärt der Diplomat.

Sein Antrieb: "Konstruktive Empörung"

Deshalb schätzen sie ihn in Diplomatenkreisen als den Mann für die unmöglichen Missionen. Wenn es einer schaffen kann, dann er, der sieben Sprachen spricht und damals seiner Verlobten nach dem Anruf von Ban Ki Moon erklären musste, warum der ruhige Job auf Capri in der schwedischen Kulturstiftung der Villa Michele vorerst zu Ende ist. Weil ihn offenbar antreibt, was er selbst einmal "konstruktive Empörung" nannte. und weil die Zeit drängt für Syrien: "Die Menschen in Syrien sagen selbst 'Es reicht'. Es gibt zu viel Leid und zu viel Sterben."

De Misturas Vater war einst nach dem Zweiten Weltkrieg selbst ein staatenloser Flüchtling. Der Diplomat habe damals als Zehnjähriger gelernt, was es heißt, als Flüchtling seine Würde zu verlieren. Jetzt will er die Würde von Millionen Syrern bewahren helfen. Mission Impossible? De Mistura hat den Begriff scheinbar aus seinem Wortschatz gestrichen. Fürs erste jedenfalls.

Der Mann für die Mission Impossible - Staffan de Mistura
G. Schwarte, ARD New York
30.01.2016 12:59 Uhr

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