Syrer an einem Grenzübergang zur Türkei | Bildquelle: REUTERS

Syrien-Geberkonferenz in London Milliarden für die Flüchtlingshilfe

Stand: 04.02.2016 20:51 Uhr

Die Weltgemeinschaft zahlt mehr als neun Milliarden Euro um syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen zu helfen. Alleine Deutschland steuert 2,3 Milliarden Euro bei - auch mit dem Ziel, dass sich weniger Menschen auf den Weg nach Europa machen.

Die Vertreter der etwa 70 Staaten haben sich auf umfassende Hilfen für die notleidenden Menschen in Syrien und die Flüchtlinge in den Nachbarländern. Etwa sechs Milliarden Euro sollen schon in diesem Jahr zur Verfügung stehen, teilte der Gastgeber der Konferenz, der britische Premierminister David Cameron mit. Die restliche Summe soll in den kommenden drei bis vier Jahren Jahren fließen. Die UN hatten allerdings alleine für dieses Jahr einen Bedarf von sieben Milliarden Euro angesetzt.

Reportage aus Flüchtlingslager im Libanon
tagesthemen 22:15 Uhr, 04.02.2016, Thomas Aders, ARD Kario

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Deutschland zahlt am meisten

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist das Ergebnis von London ein dennoch ein wichtiges Signal. Sie hatte Deutschlands Hilfszusagen deutlich aufgestockt: eine Milliarde für die humanitären Hilfsprogramme der Vereinten Nationen in diesem Jahr; weitere 200 Millionen, um Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Schule und Ausbildung zu ermöglichen. Und dann noch einmal 1,1 Milliarden in den beiden kommenden Jahren. Insgesamt 2,3 Milliarden will Berlin bis 2018 bezahlen.

Wo kommen die deutschen Hilfen her?

Dem Bundesfinanzministerium zufolge werden die zugesagten eine Milliarde Euro für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge für dieses Jahr aus dem laufenden Haushalt finanziert. Das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wollen dies durch Umschichtungen stemmen. Ein Nachtragshaushalt ist deshalb nicht nötig. Die Schwarze Null für dieses Jahr soll nach Ministeriumsangaben bleiben.

Die Kanzlerin hob hervor, sie wolle nie wieder erleben, dass die Lebensmittelrationen so stark gekürzt werden müssen für die Flüchtlinge, weil die Staaten ihre finanziellen Zusagen nicht einhielten.

Für die Kanzlerin und die anderen Europäer geht es auch darum, die Versorgung der Syrer in der Region zu sichern, damit sie sich nicht auf den Weg nach Europa machen.

Neun Milliarden Euro für notleidende Menschen in Syrien
tagesthemen 22:15 Uhr, 04.02.2016, Hanni Hüsch, ARD London

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Mehr Unterstützung für Syriens Nachbarn

Neben Nahrungsmitteln und medizinischen Gütern sollen die Milliardenhilfen auch Schul- und Ausbildung für junge Flüchtlinge sichern und Arbeitsplätze für sie in den Nachbarstaaten schaffen. Deutlich mehr als vier Millionen Syrer haben vor allem im Libanon, in Jordanien und der Türkei Schutz gesucht. Deshalb werde die EU alles daran setzen, auch die Exportbedingungen aus diesen Ländern zu verbessern, um dort Jobs zu schaffen, sagte Merkel.

Türkei warnt vor weiterer Flüchtlingswelle

Während die Staaten in London berieten, machten sich nach Angaben des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu Zehntausende aus Lagern in Nordsyrien auf den Weg in die Türkei. Wenn wichtige Nachschubrouten der Rebellen von der Türkei nach Aleppo nicht freigegeben würden, drohe dort eine Katastrophe. "Niemand wird dann die Opposition dazu bewegen können, an den Verhandlungstisch zurückzukehren", mahnte Davutoglu. Denn gestern waren die Genfer Friedensgespräche für Syrien vertagt worden nach einem Streit über eine Großoffensive der syrischen Armee auf von Rebellen kontrolliertes Gebiet.

Am 11. Februar wollen Russland und die USA vor der Münchner Sicherheitskonferenz mit Vertretern weiterer Staaten über den Konflikt sprechen. 

Mit Informationen von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

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