Syrische Spieler jubeln nach einem Tor gegen Japan in Tokio | Bildquelle: AP

Syrische Nationalmannschaft Kicken in Assads Auftrag

Stand: 05.10.2017 05:01 Uhr

"Team Assad" statt "Team Syrien": Syriens Diktator spannt die Fußball-Nationalmannschaft für seine Propaganda ein. Manche Spieler stehen auf seiner Seite - andere spielen nur aus Angst mit.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Am Abend des 5. September brach der Verkehr auf den Straßen von Damaskus zusammen. Mit Autokorsos zogen Fußballfans durch die Straßen. Soeben hatte die syrische Nationalmannschaft in Teheran ein 2:2 gegen den Iran herausgeholt - und damit die Chance auf die erste Teilnahme an einer WM-Endrunde gewahrt.

Kurz vor dem Abpfiff schoss Stürmerstar Omar al-Soma das Ausgleichstor - ausgerechnet er: Fünf Jahre zuvor hatte er Syrien verlassen, im Widerstand gegen die Regierung von Baschar al-Assad. Im vergangenen August kehrte er zurück - und bedankte sich nach dem Unentschieden in Teheran sogar noch brav beim syrischen Präsidenten für die Unterstützung. Der Grund für Somas Sinneswandel ist nicht bekannt.

Spiele nur noch im Ausland

Seit Jahren spielte hat die syrische Elf nicht mehr zu Hause - aus Sicht der FIFA ist es dort zu gefährlich. Zudem funktionierte Assad große Stadien im Land zu Garnisonen um, zu Militärstützpunkten für seinen Kampf gegen Aufständische jeder Couleur, für den Kampf gegen die eigene Bevölkerung. Wegen der westlichen Sanktionen schießt die FIFA dem syrischen Verband nichts mehr zu, Spenden müssen reichen. Trainiert wird im fernen Malaysia.

Etwas Licht bringen in den dunklen Kriegsalltag der Menschen - darum geht es der Mannschaft, sagen zwei der Spieler am Flughafen von Damaskus bei der Rückkehr aus Teheran: "Alles, was wir tun, tun wir mit dem Ziel, dem syrischen Volk eine Freude zu machen. Damit die Syrer ihre Trauer vergessen", sagte der eine. "Möge Gott ganz Syrien Freude bereiten! Damit wir die sechs schwierigen Jahre vergesen können", der andere.

Syriens Präsident Assad | Bildquelle: dpa
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Die Spieler bedanken sich nach Erfolgen schon mal bei Präsident Assad.

Im Propagandaeinsatz für den Diktator

Doch viele syrische Fans, die der Opposition nahestehen, tun sich schwer mit dem Feiern. Denn Assad nutzt die Nationalelf für Propaganda, aus dem "Team Syrien" ist ein "Team Assad" geworden: Auch vor der Presse im Ausland singen Verbandsfunktionäre ungefragt Hohelieder auf den Diktator, Spieler treten in T-Shirts mit Assads Konterfei auf, müssen bei Solidaritätsdemos mitmarschieren.

So, wie der Präsident den Fußball für seine Zwecke missbraucht, geht er gleichzeitig hart gegen abtrünnige Sportler vor. Anas Ammo, ein aus Aleppo geflohener Sportjournalist, hat dokumentiert, dass Regierungskräfte mindestens 38 Profis getötet haben, dazu kämen Dutzende mehr aus unteren Ligen. Die Sportler seien erschossen oder zu Tode gefoltert worden oder bei Luftangriffen ums Leben gekommen. Er kenne mindestens zwei Spieler der aktuellen Elf, die nur noch aus Angst spielten - aus Angst um das Wohlergehen von Angehörigen, die in der Hand der Regierung seien. Andere Spieler stünden hingegen loyal zu Assad.

Erst Syrien aus Protest verlassen - jetzt in Assads Team

Wie sie muss sich auch Firas al-Khatib den Vorwurf gefallen lassen, Bannerträger für ein Regime zu sein, dem ungeheuerliche Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Khatib, einer der bekanntesten Sportler seines Landes, verließ Syrien 2012, aus Protest gegen die Regierungsangriffe auf seine Heimatstadt Homs. Vor wenigen Monaten kehrte auch er zurück - und wurde mit offenen Armen von den syrischen Funktionären empfangen.

Es gebe jetzt nicht mehr nur einen oder zwei Killer in Syrien, sondern viele, und er hasse sie alle, hatte Khatib kurz vor der Rückkehr einem US-Journalisten gesagt. Ihm gehe es jetzt nur noch darum, den Menschen in Syrien etwas Freude zu machen.

Team Assad - Die syrische Nationalelf
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
05.10.2017 01:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Oktober 2017 um 05:21 Uhr.

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