Buskonvoi mit Menschen aus evakuierten Gebieten kommt nicht weiter. | Bildquelle: REUTERS

Buskonvoi stockt Nervenspiel um Evakuierung von Syrern

Stand: 15.04.2017 14:10 Uhr

Ein Abkommen zwischen Regierungsanhängern und Rebellen in Syrien sieht vor, dass Tausende Menschen vier belagerte Orte verlassen. Die Umsetzung begann am Freitagmorgen - doch ein Streit stoppt die Busse und die Menschen sitzen fest.

Der Abzug von Tausenden Zivilisten und Kämpfern aus vier belagerten syrischen Orten entwickelt sich zu einem Nervenspiel. Die Menschen sitzen nahe der nordsyrischen Großstadt Aleppo in Bussen fest, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und ein Aktivist meldeten.

Die Menschen sind seit Freitagmorgen unterwegs. Die humanitäre Lage der Wartenden sei "sehr schwer", berichtete der Aktivist der Deutschen Presse-Agentur.

Mehr als 7000 Menschen betroffen

Hintergrund ist ein Streit zwischen Regierungsanhängern und Rebellen über die Umsetzung eines Abkommens, das den Abzug der Menschen aus den vier Orten regelt. Die Einigung war unter Vermittlung des Irans und Katars ausgehandelt worden.

Sie sieht vor, dass zeitgleich rund 2200 Menschen aus den von Regierungskräften belagerten Orten Madaja und Sabadani sowie etwa 5000 Menschen aus den von Rebellen eingeschlossenen Orten Fua und Kafraja gebracht werden.

Evakuierung mehrerer syrischer Städte hat begonnen
tagesschau 20:00 Uhr, 14.04.2017, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Nach Angaben von Menschenrechtsbeobachtern stoppte die Al-Kaida-nahe Organisation Tahrir al-Scham die Umsetzung des Abkommens. Sie fordere, dass rund 100 regierungstreue Kämpfer in den Bussen aus Fua und Kafraja wieder in die beiden Orte zurückkehrten, weil sie entgegen dem Abkommen an Bord der Busse seien.

Ein weiter Grund für die Verzögerung sei, dass Rebellen aus Sabadani, das ebenfalls evakuiert werden sollte, bislang keine sichere Passage garantiert worden sei, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Großbritannien mit.

"Wie ein kleines Gefängnis"

Die Menschen - darunter viele Frauen und Kinder - hätten seit Freitagmorgen weder geschlafen noch gegessen, berichtete der Aktivist, der aus Madaja kommt. Es gebe kaum Toiletten. Das sei wie "ein kleines Gefängnis", schrieb er über Textnachrichten.

Bewohner aus seiner Stadt und aus dem benachbarten Sabadani sagten, die Bedingungen in beiden Städten seien hart zu ertragen gewesen. Die Städte werden seit Sommer 2015 von regierungsnahen Kräften belagert. Bewohner mussten Nagetiere jagen und Gras kochen, um in den Wintermonaten nicht zu verhungern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. April 2017 um 13:45 Uhr.

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