Einwohner der belagerten Stadt Madaya verlassen ihren Heimatort. | Bildquelle: AFP

Abkommen zur Evakuierung Der organisierte Seitenwechsel

Stand: 14.04.2017 17:36 Uhr

In vier belagerten syrischen Städten hat ein Austausch der Bewohner begonnen. Viele Menschen, die in Opposition zu Präsident Assad stehen, gehen in die Region Idlib. Zu befürchten ist, dass Assad am Ende auch diese Region angreifen lässt.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Mehr als 60 Busse haben seit dem Morgen die Orte Madaya und Zabadani verlassen, die bei Damaskus liegen. Sie werden von Kräften belagert, die zu Präsident Bashar al-Assad stehen. Gleichzeitig transportierten 45 Busse erste Einwohner der Orte Fu‘a und Kafari‘a im Nordwesten des Landes ab. Gegner Assads belagern die Dörfer.

Es ist ein Austausch, auf den sich die Führungen Irans und Katars geeinigt haben. Sie unterstützen jeweils eine Seite dieses Krieges. Das Abkommen sieht vor, dass in den kommenden zwei Monaten insgesamt 30.000 Belagerte die Seiten wechseln können. Es sind Menschen, deren Heimatorte von der einen oder der anderen Kriegspartei eingekesselt sind, und das teilweise seit Jahren.

Evakuierung mehrerer syrischer Städte hat begonnen
tagesschau 20:00 Uhr, 14.04.2017, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Nahrungsmittelknappheit und Medikamentenmangel sind die Folge. Viele Menschen sollen gestorben sein. Vergangenen Monat erst beschrieben die Vereinten Nationen die Situation in den vier Orten als katastrophal. Die Zivilisten seien, so die UN, gefangen in einer sich drehenden Spirale aus Gewalt und Entbehrung. In ganz Syrien soll es mehr als einer halben Million Menschen so ergehen. Belagerung ist eine Waffe dieses seit mehr als sechs Jahren währenden Krieges.

Eine Zufluchtsort für die Rebellen

In den Nachrichten des syrischen Staatsfernsehens war der Austausch den ganzen Tag über Thema. Im offiziellen Sprachgebrauch wird oft von einem Versöhnungsprozess oder von Normalisierung gesprochen. Die Opposition wirft der Führung um Assad hingegen vor, die Menschen durch Aushungern und Bombardierungen zur Aufgabe zu zwingen. So oder so: Seit Monaten erreichen die verfeindeten Seiten in Syrien immer wieder solche Austausch-Übereinkünfte. Spektakulär war der Deal vergangenen Dezember für die Menschen von Ost-Aleppo.

Viele derer, die einer Belagerung durch die Rebellen entkommen, ziehen normalerweise in Gebiete, die von Getreuen Assads kontrolliert werden. Rebellen hingegen werden häufig in die Provinz Idlib transportiert. Idlib ist mittlerweile geradezu ein Reservat für Rebellen. Jihadisten, Islamisten und so genannte Moderate. Die Bewaffneten kämpfen häufig gegeneinander. Hinzu kommen mehr als 600.000 Binnenflüchtlinge; Zivilisten, die vor den Kämpfen andernorts geflohen sind und vor der Führung in Damaskus.

Eine große Schlacht um Idlib

Für Assad ergibt das einen taktischen Vorteil: Viele seiner Feinde sind in einer Provinz versammelt. Irgendwann wird Assad wohl versuchen, Idlib einzunehmen. Dabei dürfte er auf Schwierigkeiten stoßen, weil das Gebiet für eine Belagerung zu groß und unwegsam ist.

In der Ortschaft Chan Sheichun, die auch in Idlib liegt, wurden vor einer Woche mehr als 80 Menschen durch chemische Kampfstoffe getötet. Die USA bombardierten daraufhin einen syrischen Militärflughafen. Dennoch griff die syrische Luftwaffe Chan Sheichun kurz darauf wieder an. Zwanzig Menschen wurden getötet.

Austauschaktionen, wie die jetzt angelaufene mögen erst einmal positiv wirken. Sie können aber auch den langsamen Auftakt zu einer großen Schlacht um Idlib darstellen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 14. April 2017 um 17:09 Uhr

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