Syrische Regierungstruppen in der Stadt Duma. | Bildquelle: AFP

Krieg in Syrien Ost-Ghouta fast unter Assads Kontrolle

Stand: 01.04.2018 17:05 Uhr

Der Kampf um Ost-Ghouta ist vor dem Ende, die Rebellen ziehen offenbar aus ihrer letzten Bastion ab. Syrische Staatsmedien feiern die "Befreiung" der Region bei Damaskus.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Am Mittag unterbrach das syrische Staatsfernsehen sein Programm: "Jetzt erreichen uns wichtige Eilmeldungen über den Abschluss einer Einigung, derzufolge die Terroristen der 'Armee des Islam' aus Duma abziehen und nach Jarablus gehen müssen. Der Verbleib der anderen, die die Stadt nicht verlassen wollen, wird geregelt."

Großer Erfolg für Assad

Dass die Region Ost-Ghouta offenbar fällt und bald wieder vollständig in die Hand der Regierung kommt, ist der größte Erfolg für Präsident Bashar al-Assad seit Dezember 2016, als die Aufständischen im Ostteil von Aleppo aufgeben mussten. Für die Menschen in der Hauptstadt Damaskus, an die Ost-Ghouta angrenzt, bedeutet es mehr Sicherheit. Immer wieder hatten Aufständische aus der Enklave heraus Damaskus mit Raketen und Granaten angegriffen.

Der Politologe Ali al-Ahmed, den die Fernsehmoderatorin zu den Neuigkeiten befragte, strahlte: "Alles Gute und Tausend Glückwünsche zum Sieg! Der Verhandlungsprozess war äußerst kompliziert, damit wir diese Ergebnisse erzielen. Aber es sind weiterhin syrische Staatsgebiete außer Kontrolle. Wir werden auch dorthin kommen und sie ebenso zurückerobern."

Das zerstörte Duma nahe Damaskus | Bildquelle: REUTERS
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Das zerstörte Duma nahe Damaskus

Nur eine teilweise Übereinkunft?

Doch die Miliz "Armee des Islam" und Russland bestätigten die Berichte über eine Einigung zunächst nicht. Und Ahmed Ramadan vom Oppositionsbündnis "Syrische Nationale Koalition" erklärte schließlich, es gebe bisher lediglich eine teilweise Übereinkunft: "Bis jetzt hat man sich auf einen humanitären Konvoi in den Norden geeinigt, mit dem Verletzte und Zivilisten abtransportiert werden. Die Verhandlungen über andere Punkte laufen weiter, wie zum Beispiel das Schicksal der Bewaffneten der "Armee des Islam" und deren Waffen, sowie das Schicksal der Zivilisten, die bleiben möchten."

Mehr als 1600 Tote seit Februar

Mitte Februar hatte die Regierung eine Offensive gegen Ost-Ghouta gestartet, unter anderem mit massiven Luftangriffen, die mehr als 1600 Menschen das Leben kosteten. Zunächst lebten noch etwa 400.000 Menschen in dem belagerten Gebiet. Schließlich gelang es den Assad-treuen Kräften, die Enklave in drei Teile zu teilen und den Aufständischen immer mehr Territorium abzunehmen.

Mitte März entkamen die ersten Zivilisten der Hölle, zu der Ost-Ghouta geworden war, und liefen über die Frontlinie in Regierungsgebiet. Schließlich waren es mehr als 100.000 Menschen, die sich auf diese Weise in Sicherheit bringen wollten. Im Staatsfernsehen sagten einige von ihnen, die Aufständischen hätten sie mit Waffengewalt daran gehindert, Ost-Ghouta zu verlassen - ein Vorwurf, den die Bewaffneten stets zurückwiesen.

Schließlich erklärten zwei der drei wichtigsten in der Enklave vertretenen Kampfgruppen ihre Kapitulation. Zusammen mit ihren Familien wurden diese Bewaffneten in die Provinz Idlib gebracht, die größtenteils noch in der Hand von Regierungsgegnern ist.

Die Miliz "Armee des Islam", die die Stadt Duma kontrolliert, weigert sich bisher jedoch, aufzugeben. Ihre Begründung: Die bisher erzielten Evakuierungsabkommen bedeuteten eine zwangsweise Umsiedlung von Menschen und stellten somit ein Kriegsverbrechen dar.

Jetzt kontrollieren Regierungsgegner noch einen Großteil der Provinz Idlib, einen Streifen entlang der Grenze zu Jordanien und Israel und Enklaven bei Damaskus, Homs und Hama. Nach wie vor ein sehr großes Gebiet im Norden und Nordosten Syriens ist in der Hand der Kurden.


Syrische Staatsmedien feiern Rückeroberung Dumas
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
01.04.2018 16:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. April 2018 um 15:40 Uhr.

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