Rauch über von Rebellen gehaltenen Gebieten in der syrischen Provinz Daraa | Bildquelle: AFP

Hilfsorganisationen warnen Eskalation im Süden Syriens

Stand: 28.06.2018 05:24 Uhr

Eine Militäroffensive auf die von Rebellen gehaltene Provinz Daraa in Syrien alarmiert Hilfsorganisationen. Das Rote Kreuz mahnte, die Zivilisten zu verschonen. Mehrere Kliniken stellten die Arbeit ein.

Nach schweren Luftangriffen im Südwesten Syriens haben sich Hilfsorganisationen alarmiert über die Lage der Zivilbevölkerung geäußert.

Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes rief die Konfliktparteien auf, die Zivilisten und die für ihr Überleben notwendigen Einrichtungen zu verschonen. Den Menschen müsse die Möglichkeit zur Flucht gewährt werden, mahnte die Hilfsorganisation. In den vergangenen Tagen waren Zehntausende Menschen vor einer drohenden Offensive der Regierungskräfte aus der Provinz Daraa und angrenzenden Gebieten geflohen.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef warnte, erneut drohten Kinder ins Kreuzfeuer zu geraten. Sie bräuchten dringend Nahrung und Medikamente.

Flüchtlinge aus der Provinz Daraa errichten Behelfsunterkünfte nahe der Golan-Höhen. | Bildquelle: AFP
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Flüchtlinge aus der Provinz Daraa errichten Behelfsunterkünfte nahe der Golan-Höhen.

Kliniken müssen Arbeit einstellen

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete am Mittwoch, acht Zivilisten seien getötet worden. Die Region um die Stadt Daraa wurde demnach mehr als 80 Mal aus der Luft bombardiert. Die Menschenrechtler und Aktivisten machten dafür die syrische und die russische Luftwaffe verantwortlich.

Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter können seit Mittwoch drei Krankenhäuser östlich der Stadt Daraa nicht weiterarbeiten. Damit seien in der Region fünf Kliniken wegen der Angriffe außer Betrieb. In einem sechsten Krankenhaus sei die Arbeit aus Furcht vor Bombardierungen eingestellt worden. Eine regierungstreue Miliz verbreitete das Bild einer zerstörten Klinik, das von ihr mittlerweile eingenommen wurde.

Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle, die ihre Informationen von Ärzten und Aktivisten vor Ort bezieht, konnte zunächst nicht sagen, ob Patienten oder Ärzte verletzt wurden. Die Angaben der Beobachtungsstelle können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

Insgesamt wurden nach Zählung der Beobachtungsstelle bislang 56 Zivilisten getötet. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 50.000 Menschen auf der Flucht.

Letzte von Rebellen gehaltene Gebiete

Die Region an der Grenze zu Jordanien erlebt seit rund einer Woche Angriffe von syrischen Regierungstruppen. Am Montag begann die Armee nach Angaben syrischer Staatsmedien eine Offensive, um die Verbindung zwischen der teilweise von Rebellen kontrollieren Stadt Daraa und dem Nachbarland Jordanien zu kappen. Russland ist in dem mehr als sieben Jahre dauernden Bürgerkrieg Verbündeter der Regierung.

Russland, die USA und Jordanien hatten sich vor rund einem Jahr auf eine Deeskalationszone für Daraa geeinigt. Das russische Verteidigungsministerium dementierte Medienberichte, Russland habe sich aus dem Abkommen zurückgezogen. "Das entspricht nicht der Wahrheit", hieß es in einer Mitteilung in Moskau.

Daraa gehörte zu den ersten Städten Syriens, in denen es 2011 zu Protesten gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad kam. Das Gebiet ist eine der letzten Regionen des Landes in Rebellenhand.

Regierungstruppen hatten im Frühjahr die lang umkämpfte Region Ost-Ghuta nahe der Hauptstadt Damaskus nach wochenlangen Kämpfen und Bombardierungen unter Kontrolle gebracht. Der UN-Menschenrechtsrat beklagte dort zahlreiche Angriffe auf Kliniken. Diese gehörten im Syrienkonflikt zu einer verheerenden Kriegsstrategie. Regierungstreue Kräfte griffen die Gesundheitsinfrastruktur systematisch an.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juni 2018 um 11:00 Uhr.

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