Anschlag auf Busse in Syrien | Bildquelle: REUTERS

Syrien Totenzahl nach Anschlag auf Busse steigt

Stand: 16.04.2017 15:46 Uhr

Die Zahl der Toten bei einem Bombenanschlag auf einen Buskonvoi in Syrien ist auf mindestens 126 gestiegen - mehr als die Hälfte davon Kinder. Der Konvoi hatte zuvor Menschen aus zwei von Rebellen belagerten Orten herausgebracht.

Nach dem Anschlag auf einen Buskonvoi in Syrien ist die Zahl der Toten nach Angaben von Aktivisten auf 126 gestiegen. Allein 68 davon seien Kinder, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Unter den Toten seien rund hundert Menschen, die zuvor aus den belagerten Städten Fua und Kafraja in der Provinz Idlib im Nordwesten des Landes gebracht worden waren. Bei den anderen Toten handelte es sich demnach um Hilfskräfte und um Rebellenkämpfer, die den Bustransport überwachten. Es gebe zudem eine große Zahl von Verletzten, hieß es.

Nach dem Anschlag hatte die Beobachtungsstelle zunächst von 43 Toten gesprochen. Nun warnte sie, dass die Opferzahl angesichts "Hunderter" Verletzer noch weiter steigen könne. Der Attentäter hatte sich am Samstag in der von Rebellen kontrollierten Ortschaft Raschidin westlich von Aleppo neben Dutzenden Bussen in die Luft gesprengt, in denen Bewohner der beiden von Rebellen belagerten Ortschaften Fua und Kafraja saßen.

Mehr als zwei Jahre lange Belagerung

Die Evakuierung aus Fua und Kafraja sowie aus den von Regierungstruppen belagerten Ortschaften Madaja und Sabadani war am Freitag nach mehrfachen Verzögerungen angelaufen, jedoch bald ins Stocken geraten. In Raschidin warteten rund 5000 Menschen aus Fua und Kafraja auf ihre Weiterfahrt, als der Attentäter, der nach Angaben der Beobachtungsstelle am Steuer eines Transporters mit Lebensmittelhilfen saß, seinen Sprengsatz zündete.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte den Anschlag auf den Buskonvoi als "tief erschütternd". Erneut seien Menschen in Syrien Opfer eines hinterhältigen Attentats geworden, erklärt ein Sprecher. Der einzige Ausweg "aus der Spirale von Gewalt und Gegengewalt" sei eine politische Lösung. "Alle, die Einfluss auf die Konfliktparteien in Syrien haben, müssen ihren Teil dazu beitragen, dass das sinnlose Morden aufhört und zum Verhandlungstisch zurückkehren", forderte der Sprecher.

Die Einwohner von Fua und Kafraja in der nordwestlichen Provinz Idlib waren mehr als zwei Jahre lang von Aufständischen belagert worden. Sie sollen nun nach Aleppo, in die Hafenstadt Latakia oder in die Hauptstadt Damaskus gebracht werden. Ihre Weiterreise wurde schließlich am Samstagabend nach schwierigen Verhandlungen ermöglicht.

Vor allem Kinder sind Opfer des Anschlages in Syrien
Björn Blaschke, ARD, zzt. Beirut
16.04.2017 17:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. April 2017 um 09:55 Uhr.

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