Ein kurdischer YPG-Kämpfer blickt auf einen türkischen Panzer. (Archivfoto) | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Türkisch-russisches Verhältnis Der Ton wird immer schärfer

Stand: 15.02.2016 19:53 Uhr

Die Türkei wirft Russland vor, sich in Syrien wie eine "Terrororganisation" zu verhalten. Moskau wiederum fühlt sich durch die türkischen Angriffe in Nordsyrien provoziert: Trotz der Vereinbarung auf einen Waffenstillstand verschärft sich der Ton der Konfliktparteien weiter.

Seit Tagen beschießt die türkische Armee Stellungen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG und der syrischen Regierungstruppen jenseits der türkischen Grenze auf nordsyrischem Gebiet. Russland wiederum fliegt seit Ende September zur Unterstützung der syrischen Armee Luftangriffe auf Dschihadisten und andere Rebellen in Syrien. Jetzt liefern sich beide Regierungen einen heftigen Schlagabtausch wegen des Syrien-Konflikts: Moskau warf der Türkei wegen ihrer Angriffe auf kurdische Milizen und syrische Regierungstruppen Unterstützung des "internationalen Terrorismus" vor.

"Moskau äußert seine ernste Besorgnis über das aggressive Vorgehen der türkischen Regierung gegen einen Nachbarstaat", erklärte das russische Außenministerium. Russland betrachte dies als "offene Unterstützung des internationalen Terrorismus". Es befürworte eine Debatte im UN-Sicherheitsrat über Ankaras "provokative Linie", die "eine Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit" schaffe.

Der türkische Ministerpräsident Ahmed Davutoglu wiederum warnte, sollte sich "Russland weiter wie eine Terrororganisation verhalten und Zivilisten zur Flucht zwingen, werden wir eine extrem entschlossene Antwort geben". Russland und "andere Terrororganisationen" verübten "zahlreiche Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Türkei kündigt weitere Angriffe auf syrische Kurden an
Tagesschau 20:00 Uhr, 15.02.2016, Michael Schramm, ARD Istanbul

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Kampf um Azaz

Der Ministerpräsident warnte zudem, die Türkei werde nicht zulassen, dass die kurdischen YPG-Milizen die Stadt Azaz im Nordosten Syriens erobern. Azaz ist die letzte Stadt vor der türkischen Grenze, die noch von moderaten und islamistischen Rebellen kontrolliert wird. Sowohl die YPG als auch die von russischen Luftangriffen unterstützen syrischen Streitkräfte versuchen, die Stadt zu erobern.

Türkische Panzer im Grenzgebiet zu Syrien | Bildquelle: AFP
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Türkische Panzer im Grenzgebiet zu Syrien

Steinmeier ruft zur Zurückhaltung auf

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rief beide Seiten zur militärischen Zurückhaltung auf. Alle Unterzeichner der Münchner Vereinbarungen seien aufgerufen, noch vor Eintritt der angestrebten Waffenruhe zu einer sofortigen Reduzierung der Gewalt beizutragen. "Das gilt für die militärischen Operationen Russlands und des syrischen Regimes im Raum Aleppo und jüngste Angriffe der kurdischen Milizen in Nordsyrien", erklärte der Minister am Rande des EU-Außenministertreffens in Brüssel. Auch die Türkei müsse sich zurückhalten.

Am Freitag hatten sich Russland und die USA sowie eine Reihe weiterer Staaten in München auf einen Waffenstillstand binnen einer Woche verständigt.

Ringen um Syrien-Frieden und mit Russland - EU-Außenminister
K. Küstner, ARD Brüssel
15.02.2016 19:37 Uhr

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