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Assad-Schwager und Verteidigungsminister in Syrien getötet
Tödlicher Anschlag auf innersten Machtzirkel
Die Bombe explodierte mitten im Machtzirkel des Assad-Regimes: Verteidigungsminister Radschha und ein Schwager des Präsidenten, Schawkat, wurden getötet, der Innenminister schwer verletzt. Nach Ansicht von Nahost-Experten zeigt der Anschlag aber auch, dass es mit dem Assad-Regime zu Ende geht.
Von Peter Steffe, ARD-Hörfunkstudio Kairo
Kurz nach zwölf Uhr meldet das staatliche syrische Fernsehen, ein verheerender Anschlag habe das Hauptquartier der Sicherheitskräfte in Damaskus erschüttert. Ein Selbstmordattentäter hätte eine Bombe gezündet. In einer Stellungnahme wird der Tod des syrischen Verteidigungsministers bekannt gegeben: "Daud Radschha ist bei einem terroristischen Anschlag zum Märtyrer geworden. Radschha war am 8. August vergangenen Jahres zum Verteidigungsminister ernannt worden und hat geschworen ein treuer Diener der syrisch-arabischen Republik zu sein und versprochen das Land zu verteidigen."
Anschließend zeigt der Sender Bilder von Pro-Assad-Demonstrationen, Manöver-Aufnahmen syrischer Spezialeinheiten, untermalt mit heroischer Musik, so als sei alles nur halb so schlimm.
Nationalrat erörtert Erfolg und Folgen des Anschlages in Damaskus
P. Steffe, ARD Kairo
19.07.2012 04:59 Uhr
Auch Assads Schwager stirbt bei Anschlag
Wie verheerend der Anschlag wirklich war, wird erst nach und nach ersichtlich. Der Verteidigungsminister ist tot, der syrische Innenminister wurde bei der Explosion schwer verletzt, der Schwager von Präsident Baschar al Assad, General Asef Schawkat von der Wucht der Detonation getötet. Schawkat war eine zentrale Figur im Machtapparat des syrischen Präsidenten. Er war stellvertretender Kommandeur der Streitkräfte des Landes und stellvertretender Verteidigungsminister.
Wie viele Opfer es insgesamt gegeben hat, ist unklar. Zunächst hieß es, vor dem Gebäude sei eine Autobombe gezündet worden, dann kam die Meldung, der Sprengsatz sei direkt im Hauptquartier der Sicherheitskräfte hochgegangen. Ein Bodyguard, der zum Schutz des direkten Umfeldes von Präsident Assad gehört habe, hätte die Explosion ausgelöst, in einem Besprechungsraum. Dort hatten sich Kabinettsmitglieder der syrischen Regierung und Vertreter des Militär- und Sicherheitsapparates getroffen.
Dann kommt via Fernsehen eine Erklärung des syrischen Militärs: "Es ist eine neue kriminelle Eskalation", sagt ein Nachrichtensprecher. "Die Täter werden bezahlt, um eine ausländische Verschwörung umzusetzen, durch einen terroristischen Anschlag auf das Gebäude der Sicherheitsbehörden. Das Generalkommando der Streitkräfte bestätigt ihre Bereitschaft, diese kriminellen Mörderbanden umzubringen."
Anschlag auf Assads Führungsriege
ARD-Morgenmagazin, 19.07.2012, Karin Feltes, SWR
Neuer Verteidigungsminister ernannt
Inzwischen hat sich die freie Syrische Armee zu dem Attentat bekannt. Ein Kommandeur sagte, man übernehme die Verantwortung für die Operation. Noch am Nachmittag wurde mit Dschasim al-Fredsch ein neuer Verteidigungsminister ernannt. Er stammt aus der Provinz Hama, die zu den Hochburgen der Gegner von Präsident Assad gehört.
Robert Fisk, einer der renommiertesten Nahost-Experte sieht in dem heutigen Anschlag in Damaskus einen Klassischen Fall, wie es mit einem Regime zu Ende gehen kann. Im arabischen Fernsehsender Al Jazeera sagte er: "Entweder desertieren die wichtigen Leute oder werden eliminiert. Das ist ein überraschendes Ereignis beim Versuch, die Macht des Regimes Assad zu brechen, seit dem Beginn dieser langen und fürchterlichen Tragödie in Syrien. Der Tod von Assads Schwager muss ein Schlag für den Präsidenten sein, weil dieser direkt an die Gurgel und ins Herz des Regimes geht."
Die Widerstandsbewegung hat mit dem heutigen Attentat eines gezeigt: Niemand im Regime kann sich mehr sicher sein. Und sie hat auch klar gemacht, dass sie in der Lage ist, jederzeit und an jedem Ort zuzuschlagen, sogar im innersten Zirkel des Machtapparates von Präsident Assad. Nach diesem Anschlag heute ist für Robert Fisk eines sicher: "Für das Regime wird es sehr schwer, die Moral seiner Unterstützer aufrecht zu erhalten."
Stand: 18.07.2012 17:52 Uhr
