Dutzende Tote in Syrien Zivilisten sterben bei Luftangriff auf Schule

Stand: 22.03.2017 13:42 Uhr

Ihre Suche nach Schutz in einer alten Schule ist Dutzenden syrischen Familien zum Verhängnis geworden. Bei einem Luftangriff auf das Gebäude starben mindestens 33 Menschen. Aktivisten und Staatsmedien machen die USA für das Bombardement verantwortlich.

Von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Das syrische Staatsfernsehen spricht in den Nachrichten von einem Massaker, das amerikanische Kampfflugzeuge im Nordosten Syriens verübt hätten. Auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London erklärte, die internationale Anti-IS-Koalition sei mit großer Wahrscheinlichkeit verantwortlich für den Luftangriff, der sich offenbar bereits gestern ereignete.

Familien suchten Zuflucht

Demnach bombardierten Kampfflugzeuge ein Gebäude in der Stadt al Mansura in der Provinz Rakka. Die Region wird vom "Islamischen Staat" kontrolliert, die internationale Anti-IS-Koalition fliegt immer wieder Luftangriffe, um die Terrororganisation zurückzudrängen. Doch bei diesem Bombardement trafen die Kampfflugzeuge offenbar keine Dschihadisten, sondern Flüchtlingsfamilien, die in einer ehemaligen Schule untergekommen waren. Rund 40 Familien sollen in dem Gebäude Zuflucht gesucht haben, es gab Dutzende Tote.

Laut der syrischen Beobachtungsstelle handelt es sich um syrische Kriegsflüchtlinge aus anderen Landesteilen, so zum Beispiel aus Aleppo und aus Homs. Unter den Toten seien viele Frauen und Kinder, melden die Menschenrechtsaktivisten. Dass bei Luftangriffen der Internationalen Anti-IS-Koalition auch Zivilisten getroffen werden, ist kein Einzelfall.

40 Tote bei Angriff auf Moschee

Erst in der vergangenen Woche waren bei einem Bombardement auf eine Moschee im von Regierungsgegnern kontrollierten Norden Syriens mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. Auch in diesem Fall machten Aktivsten US-Flugzeuge für den Angriff verantwortlich - das Pentagon kündigte an, den Fall zu überprüfen. Ob es sich bei dem jüngsten Angriff auf die Flüchtlingsfamilien in der ehemaligen Schule tatsächlich um US-Flugzeuge handelte, kann derzeit nicht eindeutig überprüft werden.

Die Anti-IS-Koalition unter Führung der USA hat sich zum Ziel gesetzt, den IS in Syrien und im benachbarten Irak zu besiegen. Heute treffen sich Vertreter der Koalition in Washington, um über weitere Strategien zu beraten. Die Terrororganisation kontrolliert immer noch große Gebiete in Syrien und auch im Irak, musste aber in den vergangenen Monaten herbe Rückschläge einstecken.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Offensive gegen Mossul und Rakka

In der irakischen IS-Hochburg Mossul versuchen irakische Streitkräfte und ihre Verbündeten seit Oktober, die Großstadt von den Extremisten zu befreien - der Ostteil und einige Viertel im Westen der Stadt konnten bereits eingenommen werden. Auch auf die syrische IS-Hochburg Rakka und das Umland läuft eine Offensive mehrheitlich kurdischer Kräfte mit Unterstützung der USA.

Rakka gilt als Hauptstadt des vom IS ausgerufenen Kalifats. Nachdem die Stadt von verbündeten Anti-IS-Kämpfern eingekesselt worden war, kündigten die Kurdenmilizen die Erstürmung von Rakka für Anfang April an. Doch ein Sieg über den IS in der Region dürfte sich Beobachtern zufolge noch lange hinziehen.

Viele tote Zivilisten bei Luftangriff der Anti-IS-Koaltion
A. Osius, ARD Kairo
22.03.2017 13:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. März 2017 um 14:30 Uhr.

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