Luftangriffe auf Maaret al-Numan | Bildquelle: REUTERS

Russischer Militäreinsatz in Syrien Dutzende Tote bei Luftangriff auf Gefängnis

Stand: 09.01.2016 16:00 Uhr

Russland hat einen Luftangriff auf ein syrisches Gefängnis geflogen, das angeblich von einem Al-Kaida-Ableger betrieben wird. Dutzende Menschen sollen getötet worden sein. Unterdessen warten die hungernden Menschen im belagerten Madaja weiter auf Hilfe.

Bei einem russischen Luftangriff auf ein Gefängnis im Nordwesten Syriens sind Aktivisten zufolge Dutzende Menschen getötet worden. Mindestens 57 Menschen seien der Attacke zum Opfer gefallen, unter ihnen zahlreiche Häftlinge und fünf Zivilisten, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Aktivistengruppe "Örtliche Koordinationskomitees" spricht von 51 Toten.

Ziel des Angriffs war nach Angaben der Beobachtungsstelle ein Gefängnis, das von der mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündeten radikalislamischen Al-Nusra-Front betrieben werden soll. Die Islamisten hielten dort Kämpfer rivalisierender Rebellengruppen gefangen. Das Gebäude in der Ortschaft Maarat al-Numan befindet sich den Angaben zufolge nahe eines belebten Marktes.

Luftangriffe auf Maaret al-Numan | Bildquelle: REUTERS
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Luftangriffe auf Maaret al-Numan: Dutzende Tote

Russland in der Kritik

Russland fliegt seit September Luftangriffe in Syrien - nach eigenen Angaben gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat". Der Westen hegt allerdings den Verdacht, dass die russischen Angriffe eher dem Ziel dienen, Staatschef Baschar al-Assad zu stützen.

In Syrien tobt seit fünf Jahren ein Bürgerkrieg, in dem mehr als 250.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Die internationale Gemeinschaft hatte sich im vergangenen Jahr auf Friedensgespräche geeinigt. Beginnen sollen die Verhandlungen am 25. Januar.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Hungern in Madaja geht weiter

Derweil ist die Situation für viele Bürger in dem Land katastrophal - unter anderem in Madaja. Die Stadt nordwestlich von Damaskus wird seit einem halben Jahr von der syrischen Armee und ihren Verbündeten belagert - rund 40.000 Menschen sind eingeschlossen. Essen gibt es nicht mehr. Inzwischen sind nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen 23 Menschen den Hungertod gestorben.

Vor zwei Tagen hatte das syrische Regime Hilfslieferungen zugestimmt - dennoch ist die Lage vor Ort nach wie vor dramatisch. Das Gesundheitskomitee des Ortes teilte am Samstag über Facebook mit, mehr als 200 Menschen hätten Schwäche- und Ohnmachtsanfälle erlitten. Aktivsten berichteten, die Menschen ernährten sich von Blättern, Hunden und Katzen. Die ersten Hilfskonvois sollen an Sonntag in Madaja eintreffen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Januar 2016 um 04:49 Uhr.

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