Zwei Männer helfen einem Verletzten nach einem Bombenanschlag in Aleppo. | Bildquelle: AFP

Syrien-Konferenz in Wien Diplomatie fern des Krieges

Stand: 30.10.2015 00:23 Uhr

In Wien wird über Syrien verhandelt. Vor Ort geht der Krieg weiter. Russische Kampfjets bombardierten Krankenhäuser, der IS dagegen rücke weiter vor, wie ein Arzt in Aleppo ARD-Korrespondent Martin Durm am Telefon berichtete.

Von Martin Durm, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Die Chefdiplomaten treffen sich heute im Hotel "Imperial", dem prachtvollsten Palast in der ohnehin prachtvollen Wiener Ringstraße. Es ist ein geschichtsträchtiges Haus: Dort hat schon Otto von Bismarck verhandelt.  

Till Rüger, ARD Wien, zur Syrien-Konferenz in Wien
tagesschau 15:00 Uhr, 30.10.2015

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Nur wie weit weg ist das "Imperial" von dem Ort, an dem Dr. Yasser Darwish lebt? Von Aleppo? Darwish ist Gesundheitsdirektor im zerschossenen, ausgebombten Ostteil Aleppos. Ich habe ihn telefonisch erreicht, die Verbindung war schlecht. Aber sie reichte, um ihn nach der aktuellen Lage zu fragen und nach der Syrien-Konferenz, auf die jetzt alle Welt schaut. Die Konferenz interessierte Dr. Darwish nicht allzu sehr. Er redete erst über Aleppo.

"Aleppo wird gerade von zwei Seiten angegriffen: Zum einen vom 'Islamischen Staat' (IS), zum anderen von den Regimetruppen. Es ist fast nicht mehr möglich, in der Stadt zu arbeiten, weil auch unsere Krankenhäuser immer wieder beschossen werden. Es sind nur noch wenige Ärzte hier. Wir haben noch zehn funktionsfähige Kliniken. Aber zwei davon  sind gerade erst angegriffen worden", berichtet Darwish.

Anwohner suchen Überlebende nach einem mutmaßlichen Fassbombenangriff im syrischen Aleppo. | Bildquelle: REUTERS
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Aleppo ist inzwischen schwer vom Krieg gezeichnet.

Russische Bomben treffen Krankenhäuser

Der ohnehin schon zerschossene Osten Aleppos, den die Aufständischen kontrollieren, wird jetzt laut Augenzeugenberichten vollends in Grund und Boden gebombt. Russische Kampfflugzeuge hätten die zwei Krankenhäuser beschossen, erklärt Darwisch.

Waren es sicher russische Kampfjets? "Ja", sagt er. "Ganz sicher. Das Assad-Regime greift immer nur mit einem Flugzeug an. Die Russen kommen gleich mit vier, fünf, sieben, manchmal elf Kampfflugzeugen. Die syrische Luftwaffe kann das gar nicht machen."

Der IS rückt weiter vor

Seit vier Wochen bombardieren russische Kampfjets Rebellenregionen im Nordwesten des Landes unter dem Vorwand, den IS zu bekämpfen. Doch der IS ist mitnichten geschwächt, im Gegenteil: Er rückt auf Aleppo vor und hat mittlerweile sogar eine wichtige Nachschubroute der Regierungsarmee abgeschnitten.

Russland verfolgt momentan andere Ziele: Das geschwächte Assad-Regime wurde in seinem Kerngebiet stabilisiert und Rebellenmilizen in den umkämpften Provinzen in die Defensive gedrängt. Zerrieben aber sind Assads Gegner noch lange nicht: Erstmals seit Kriegsbeginn werden sie nun von den USA mit effektiven, panzerbrechenden  Waffen versorgt. Der Krieg wird nicht eingedämmt, er eskaliert immer weiter.

Genau das ist die militärische Lage, über die der russische, der amerikanische, der saudische und der iranische Außenminister im "Imperial" an diesem Freitag verhandeln. "Es gibt immer Hoffnung, sagt Darwisch. Aber ich glaube, da gibt es nur einen Weg, den Krieg zu beenden. Assad muss weg."

Zwischen Wien und Aleppo - der Krieg und die Diplomatie
M. Durm, ARD Kairo
30.10.2015 09:50 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 30. Oktober 2015 um 08:39 Uhr im Deutschlandfunk.

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