Syrische Regierungssoldaten bejuvbeln die Einnahme einer Ortschaft bei Aleppo | Bildquelle: AFP

Nach Übereinkunft zu Feuerpause Gefechte um Aleppo gehen unvermindert weiter

Stand: 12.02.2016 14:02 Uhr

Binnen sieben Tagen sollen in Syrien die Waffen schweigen. Bis dahin werden die Kämpfe weitergehen. Im Zentrum der Gefechte steht die Stadt Aleppo. Offenbar versuchen syrische Regierungstruppen, die Stadt vorher unter ihre Kontrolle zu bringen.

Im Norden Syriens sind die Kämpfe auch am Morgen nach der Übereinkunft zu einer Feuerpause weitergegangen. Russische Jets hätten Luftangriffe auf den Ort Tall Rifat nördlich der umkämpften Metropole Aleppo geflogen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London.

Der libanesische Hisbollah-Sender Al-Manar TV meldete, syrische Regierungstruppen seien dabei, den Belagerungsring um Aleppo zu schließen. Die Eroberung strategischer Bergkuppen im Norden der einstigen Wirtschaftsmetropole hätten sie in die Position gebracht, die letzte Nachschubroute für die im Osten der Stadt verschanzten Rebellen zu kappen. Die schiitische Hisbollah-Miliz kämpft an der Seite der Truppen von Präsident Bashar al-Assad, die zudem von der russischen Luftwaffe unterstützt werden.

Hilfsorganisationen wollen schnell Hilfsgüter liefern

Zugleich bereiten sich die Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen auf die Lieferung humanitärer Güter in eingekesselte syrische Städte vor. Das Welternährungsprogramm, das Kinderhilfswerk Unicef und andere Organisationen warteten auf den Startschuss für ihre LKW-Konvois, sagte UN-Sprecher Ahmad Fawzi in Genf. Zudem könnten Flugzeuge die Güter transportieren.

Eine neu gebildete Taskforce solle am Nachmittag in Genf die Modalitäten für den Zugang der Helfer zu den Orten klären. Alle 17 Mitglieder der Kontaktgruppe sowie die Hilfswerke würden an dem Treffen teilnehmen. Unterdessen meldete das Welternährungsprogramm die Lieferung von Lebensmitteln für 30.000 Menschen in Aleppo.

Schon in sieben tagen sollen die Waffen schweigen

In der Nacht auf Freitag hatten sich Russland, die USA und wichtige Regionalmächte wie die Türkei und Saudi-Arabien in München auf eine Feuerpause binnen einer Woche geeinigt. Die Islamistenmilizen "Islamischer Staat" und Al-Nusra-Front sollen jedoch weiter bekämpft werden können.

Nach Einschätzung von ARD-Korrespondentin Golineh Atai werden alle Kriegsparteien versuchen, die Zeit bis zum Waffenstillstand für weitere Geländegewinne zu nutzen, um ihre Position zu verbessern. Ob es tatsächlich zu der Waffenpause kommen werde, sei unklar, da viele Rebellengruppen in den Prozess nicht eingebunden seien.

Das von mehreren Oppositionsgruppen gegründete und in Riad ansässige Hohe Verhandlungskomitee begrüßte die Waffenruhe prinzipiell, verlangte aber "Taten statt nur Worte". Ein Rebellenvertreter warf der syrischen Regierung und dem russischen Militär vor, sie wollten erst den gesamten Norden Aleppos zerstören, ehe eine Feuerpause umgesetzt werde.

Golineh Atai, ARD Moskau, über die Rolle Russlands im Syrienkonflikt
ARD-Morgenmagazin, 12.02.2016

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