In der Region Afrin steigt nach Luftangriffen des türkischen Militärs Rauch auf. | Bildquelle: AFP

Türkische Offensive in Afrin Neue Luftangriffe - und viele Fragen

Stand: 21.02.2018 13:06 Uhr

Die Türkei hat in Nordsyrien offenbar erneut Luftangriffe geflogen, sie will auch regimetreue Milizen zurückgeschlagen haben. Welche Rolle Russland bei der Eskalation spielt, bleibt unklar.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Es sei Tag 33 der "Operation Olivenzweig", berichtet ein Reporter im türkischen Fernsehen wenige Kilometer von der Front entfernt. Seit Beginn der Operation seien 1780 Terroristen außer Gefecht gesetzt worden. Das türkische Fernsehen berichtet wie an allen Tagen, seit die Offensive läuft, von den Erfolgen der eigenen Armee.

Dass eine regimetreue syrische Miliz versuchte, die Kurden-Miliz YPG zu unterstützen, ist schon abgehakt. Angeblich hat die Türkei sie zurückgedrängt. "Die 'Operation Olivenzweig' wird entschlossen fortgesetzt, bis alle Terroristen in und um Afrin außer Gefecht gesetzt werden", erklärte der Sprecher des Präsidialamtes, Ibrahim Kalin. "Die Republik Türkei wird ihren Plan in unveränderter Entschlossenheit weiter führen."

Ein syrischer Diplomat drohte der Türkei mit Gegenmaßnahmen. Wie die aussehen könnten, ließ er jedoch offen.

Laut Aktivisten mehrere Menschen verletzt

Am Morgen habe es in der Region Afrin weitere Luftangriffe der Türkei gegen die YPG gegeben, hieß es. In der Nacht sollen durch Artilleriebeschuss mehrere Menschen verletzt worden sein, darunter auch Kinder, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet. Erdogan antwortet auf diese Vorwürfe immer gleich: "Es mag so aussehen, als kämen wir in Afrin nur langsam voran", sagte er. "Aber nur, weil wir Verluste unter unseren Sicherheitskräften minimalisieren und die Zivilbevölkerung nicht gefährden wollen."

Gestern sprach Erdogan von der Belagerung der Stadt Afrin. Heute zeigt das türkische Fernsehen Bilder von Sondereinheiten der Polizei und der Gendarmerie, die aus Kasernen ausrücken. Es sind Einheiten, die auf den Häuserkampf spezialisiert sind. Ihre gepanzerten Fahrzeuge sind mit Olivenzweigen geschmückt. Als sie durch die Straßen Richtung Afrin fahren, werfen die Menschen Blumen und schwenken türkische Fahnen. Präsidialamtssprecher Kalim erklärt, dass die "Operation Olivenzweig" aus  internationalem Recht hervor gehe und legitim sei. Tatsächlich kommt von Seiten der NATO wenig offene Kritik, man sei darüber informiert worden, heißt es aus Brüssel.

Türkisches Militär und Kämpfer der FSA in der Nähe von Afrin | Bildquelle: AP
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Türkisches Militär und Kämpfer der Freien Syrischen Armee in der Nähe von Afrin. Vor rund einem Monat hat die türkische Armee die Offensive auf das von der Kurdenmiliz YPG kontrollierte Gebiet begonnen.

Welche Interessen hat Russland?

Allerdings gibt es auch in der Türkei Fragen nach den Hintergründen der Syrien-Offensive. Der Korrespondent der türkischen Zeitung "Habertürk" in Washington, Serdar Turgut, blickt dabei auf die Rolle Russlands als Strippenzieher. Amerikanische Beobachter seien der Meinung, Russland habe schon vor Beginn der "Operation Olivenzweig" gewusst , dass die Sicherheit der türkischen Grenzen auch ohne einen Einmarsch in Afrin gewährleistet werden könne. "Trotzdem war es den Russen wichtig, dass türkische Truppen durch einen erfolgreichen Einmarsch in Afrin eine Art Bedrohung darstellen, die am Ende Kurden und das syrische Regime zu einem Abkommen bringen."

Warum Russland an dieser Allianz ein Interesse haben soll und wie die genauen Pläne dazu aussehen, ist unklar - wie so vieles in diesem Konflikt.

Türkei setzt Syrien-Offensive fort
Karin Senz, ARD Istanbul
21.02.2018 12:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Februar 2018 um 12:00 Uhr.

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