Menschen in der syrischen Hauptstadt Damaskus warten mit Kanistern auf Wasser | Bildquelle: AFP

Krieg in Syrien Damaskus sitzt auf dem Trockenen

Stand: 05.01.2017 02:04 Uhr

Seit rund zwei Wochen mangelt es in der syrischen Hauptstadt Damaskus an Wasser. Grund ist der Kampf um das strategisch wichtige Tal Barada - von hier aus werden Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt. Für die Regierung geht es dabei auch um Propaganda.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Etwa 70 Prozent seines Trinkwassers bezieht der Großraum Damaskus aus dem Barada-Tal, einer Region nordwestlich der syrischen Hauptstadt. Seit 2012 ist das Tal in der Hand von Aufständischen und wird vor allem von den Assad-treuen Milizionären der Hisbollah belagert. Am 22. Dezember vergangenen Jahres wurde dort ein wichtiges Wasserwerk durch einen gezielten Angriff zerstört. Ein Internetvideo zeigt ein großes Loch in der Decke der Haupthalle, die Betonstreben sind heruntergekommen.

In den Trümmern stehend, erklärt ein Mann: "Dies ist das Wasserwerk Ain al-Fijah, von dem das Regime und die libanesische Hisbollah behaupten, dass die Rebellen oder sogenannte Terroristen es in die Luft gejagt hätten. Jeder kennt das Fundament des Gebäudes und weiß, wie viel Beton das ist. Wer könnte das sprengen, wenn nicht ihre Raketen und ihre Fassbomben?"

Millionen Menschen sitzen auf dem Trockenen

Früher ließen die Aufständischen zu, dass Ingenieure aus Damaskus kommen, um die Anlage am Laufen zu halten. Das ist jetzt vorbei. Opposition und Regierung werfen sich gegenseitig vor, für die Zerstörung des Wasserwerks verantwortlich zu sein - die Wahrheit ist nicht bekannt. Doch in der Vergangenheit hatte die Regierung auch andernorts immer wieder die eigene staatliche Infrastruktur gezielt angegriffen - so beschoss sie etwa im Laufe des vergangenen Jahres drei Mal Pumpstationen in Aleppo.

Der Ausfall des Wasserwerks im Barada-Tal lässt nun vier Millionen Menschen in und um Damaskus auf dem Trockenen sitzen. Stephane Dujarric, Sprecher der Vereinten Nationen, ist besorgt - jeder Wassermangel sei eine humanitäre Notlage. "Wenn Trinkwasser fehlt, führt dies zu Krankheiten, vor allem bei Kindern. Als Teil unseres Einsatzes in Syrien haben wir mehrere Quellen in und um Damaskus repariert, die ein Drittel des Bedarfs liefern. Seit dem 22. Dezember sind diese Quellen die einzigen, die ganz Damaskus versorgen."

Jeder Haushalt in der Hauptstadt bekommt jetzt nur noch zwei Stunden am Tag Trinkwasser. Mit Tankwagen lässt die Regierung Wasser verteilen. Doch das sei so schlecht, dass einige Menschen bereits mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht worden seien, berichten Oppositionelle aus Damaskus. Die ersten Schulen hätten bereits schließen müssen.

Propaganda-Krieg?

Immer wieder hat die Regierung betont, dass in den von ihr kontrollierten Gebieten Strom und Wasser flössen, dass das Leben dort trotz des Krieges normal weitergehe. Gleichzeitig hinderte sie die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen daran, die Rebellenregionen zu versorgen.

Eine Rückeroberung des Barada-Tals sei also auch aus Propaganda-Gründen wichtig, sagt Rami Abdelrahman, Chef der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte: "Wir können jetzt sagen, dass das Regime und die mit ihm verbündete Hisbollah sich bemühen, nach Ain al-Fijah zu gelangen und die Gebiete dort zu kontrollieren. So würden sie die Trinkwasserversorgung für Damaskus sichern und einen moralischen Erfolg erzielen."

Krieg ums Wasser
C. Kühntopp, ARD Kairo
05.01.2017 00:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Januar 2017 um 12:39 Uhr.

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