Kinder in einem Flüchtlingslager an der Grenze zur Türkei | Bildquelle: dapd

Fünf Jahre Syrien-Krieg Eine Generation ohne Kindheit

Stand: 24.03.2016 11:41 Uhr

Seit nun mehr fünf Jahren herrschen in Syrien Gewalt und Krieg. Vor allem Kinder leiden unter der Situation. Für sie ist das Land der schlimmste Ort der Welt, meint UNICEF-Koordinatorin Boutin. Trotzdem fließen Hilfsgelder nur langsam und spärlich.

Von Christina Nagel, ARD-Hauptstadtstudio

Fünf Jahre Krieg in Syrien: Ein Grauen, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Alle Superlative seien verbraucht, sagt die Syrien-Nothilfekoordinatorin des Kinderhilfswerks UNICEF, Genevieve Boutin, die gerade erst aus der Stadt Homs zurückgekehrt ist: "Die Menschen dort haben mir gesagt, dass es in Aleppo viel schlimmer ist. Aber ich muss zugeben, mich verfolgen die Bilder von dort noch immer. Ein Ort voller Narben, alles zerstört."

Syrien, fügt sie leise, aber bestimmt an, sei für Kinder der schlimmste Ort der Welt. "Die Kinder sind nirgends mehr sicher. Die Gewalt ist überall. Sie trifft die Häuser, die Schulen, die Spielplätze, die Krankenstationen, selbst die Gotteshäuser."

Reportage: Situation der Menschen in Syrien
tagesschau24 09:15 Uhr, 11.03.2016, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Millionen Kinder ohne Chance auf Schulbildung

Mitte Februar wurden an einem einzigen Tag allein sieben Krankenhäuser angegriffen. 6000 Schulen in Syrien können nicht mehr genutzt werden. "Das heißt, das zwei Millionen Kinder innerhalb Syriens im Grunde das wichtigste Hoffnungszeichen in einer solchen Situation nicht haben, nämlich ihren Platz in der Schule", sagt der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Christian Schneider. Viele Kinder würden nichts anderes mehr kennen, als Angst, Flucht, Bomben und Vertreibung. Eine Generation ohne Kindheit, die ohne Unterstützung von außen verloren zu gehen droht.

Zwei Jungs auf einer Straße mit zerstörten Häusern in Aleppo | Bildquelle: AP/dpa
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Zwei Jungen auf einer Straße mit zerstörten Häusern in Aleppo

Gelder fließen nur langsam

Mehr als sechs Millionen Kinder und Jugendliche sind nach Angaben von UNICEF allein in Syrien auf Hilfe angewiesen - auf Überlebenshilfe. Aber die kommt, ungeachtet aller Zusagen auf Geberkonferenzen, nur zögerlich in Gang. "Von den etwas über eine Milliarde US-Dollars, die UNICEF in 2016 braucht, sind eben erst 74 Millionen Dollar eingegangen", sagt Schneider. Also gerade einmal sechs Prozent.

Inakzeptabel findet das Entwicklungsminister Gerd Müller. Es könne nicht sein, dass die Hilfsorganisationen Anfang des Jahres um Gelder betteln müssten: "Zusagen müssen umgesetzt werden, uns helfen keine Papiertiger." Deutschland ist deshalb in Vorleistung gegangen und hat einen Teil der 265 Millionen Euro, die für Unicef bestimmt sind, bereits überwiesen. Eine weitere Rate soll in den kommenden Wochen folgen. Für Müller ist klar: wenn die Hilfe vor Ort ausbleibt, werden sich Millionen Menschen auf den Weg nach Europa machen. Und das, obwohl viele von ihnen lieber in der Region bleiben würden.

Balkanroute mit Grenzen
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Europa schottet sich ab: Seit einigen Tagen ist die Balkanroute so gut wie geschlossen

"Das ist keine unlösbare Aufgabe"

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) | Bildquelle: dpa
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Bundesentwicklungsminister Gerd Müller sieht ein "Versagen der Staatengemeinschaft

Für bessere Bedingungen in den Flüchtlingslagern der Region und in den Krisengebieten zu sorgen - aus Sicht des Entwicklungsministers keine unlösbare Aufgabe: Wenn Europa nicht in der Lage sei, zehn Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, versage die Staatengemeinschaft:  "Deutschland kann natürlich hier auch noch mehr tun, das ist eine politische Entscheidung, aber die europäische Union - die europäische Solidarität - muss hier ganz erheblich Zeichen setzen. Wer keine Flüchtlinge aufnimmt, muss in einen Investitions- und Wiederaufbau-Fonds investieren."

Der Krieg, fasste es Christian Schneider von UNICEF zusammen, sei sicherlich nicht zu gewinnen.  "Aber mit diesen und anderen Beiträgen, haben wir vielleicht ein Chance, auf einen Sieg der Menschlichkeit."

Fünf Jahre Syrien-Konflikt: Weltweit gefährlichster Ort für Kinder
C. Nagel, ARD Berlin
11.03.2016 01:49 Uhr

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