Karte von Syrien mit Majadin

Einsatz der Anti-IS-Koalition Viele Tote bei Luftangriffen in Syrien

Stand: 26.05.2017 15:35 Uhr

Bei erneuten Luftangriffen der US-geführten Anti-IS-Koalition sind im Osten von Syrien mindestens 35 Menschen getötet worden. Andere Quellen sprechen von bis zu 100 Toten. Die UN prangerten die steigende Zahl getöteter Zivilisten durch Luftangriffe gegen den IS an.

Die US-geführte Koalition hat erneut Luftangriffe gegen den IS in Syrien geflogen. In der Ortschaft Al-Majadin im Osten des Landes starben dabei laut der amtlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana mindestens 35 Zivilisten. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London spricht von insgesamt 106 Toten, sie fasst dabei aber Angriffe von Donnerstagabend und heute zusammen. Bei den Opfern handele es sich um Familien von Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Mindestens 42 der Toten waren demnach Kinder.

Geflüchtet aus Rakka

Raketen hätten Häuser in dem von Extremisten kontrollieren Ort Al-Majadin getroffen, meldeten die Menschenrechtler weiter. Ein Angriff habe auch einem Verwaltungsgebäude gegolten und zehn IS-Kämpfer getötet. Die meisten Todesopfer seien Syrer und Marokkaner. Den Menschenrechtlern zufolge waren sie aus der nordsyrischen IS-Hochburg Rakka nach Al-Majadin geflohen. Al-Majadin liegt nicht weit von der syrischen Grenze zum Irak entfernt.

Die internationale Koalition fliegt seit September 2014 Angriffe gegen den IS in Syrien. Sie unterstützt derzeit die Offensive einer von Kurden angeführten Allianz auf Rakka. Die Angreifer sind bis auf wenige Kilometer an die Stadt herangerückt.

Immer mehr tote Zivilisten

UN-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein prangerte an, dass Zivilisten zunehmend den Preis der Luftangriffe gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" zahlen müssten. Dieselben Zivilisten, die unter Beschuss und Massenhinrichtungen durch den IS litten, fielen auch den Luftangriffen zum Opfer, sagte er. Dies sei besonders in den nordostsyrischen Provinzen Rakka und Dair as-Saur der Fall. "Leider wird dem entsetzlichen Dilemma der in diesen Gebieten eingeschlossenen Zivilisten von der Außenwelt kaum Beachtung geschenkt." Er forderte die Koalition auf, genauer zwischen militärischen und zivilen Zielen zu unterscheiden.

Berichte über zivile Opfer nehmen zu, seit im Norden und Osten Syriens immer heftiger gegen den IS gekämpft wird. Erst kürzlich räumte das Pentagon ein, das bei einem Angriff der Anti-IS-Koalition am 17. März auf ein Gebäude im nordirakischen Mossul unbeabsichtigt mehr als 100 Zivilisten ums Leben gekommen seien.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. Mai 2017 um 14:45 Uhr, 15:45 und 16:15 Uhr in den Nachrichten.

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