Donald Trump und Hillary Clinton

US-Vorwahlen Trump und Clinton setzen sich ab

Stand: 02.03.2016 09:52 Uhr

Donald Trump und Hillary Clinton gehen massiv gestärkt aus dem "Super Tuesday" hervor. Beide konnten bei den Vorwahlen die meisten Bundesstaaten für sich gewinnen. Doch Clintons Konkurrent Sanders bleibt ein starker Bewerber, und bei Trumps Republikanern darf sich ein Erzkonservativer neue Hoffnungen machen.

Von Ina Ruck, ARD-Studio Washington

Ein Vorsprung, der nur noch sehr schwer einzuholen ist: In beiden Parteien gehen die Favoriten gestärkt aus diesem Super-Wahltag in mehr als einem Dutzend Bundesstaaten hervor. Das gilt für Hillary Clinton, noch mehr aber für Donald Trump.

Nein, noch ist nichts entschieden, nicht mal die Hälfte aller Delegiertenstimmen ist verteilt - doch im komplizierten amerikanischen Vorwahlverfahren, in dem Arithmetik ebenso wichtig ist wie Psychologie, sind die Ergebnisse dieses Super Tuesdays richtungsweisend.

Der Süden stimmt für Clinton

Viele der Resultate waren erwartet worden: Bei den Demokraten räumte Clinton wenig überraschend in den Südstaaten ab. Im tiefen Süden der USA ist fast jeder Dritte schwarz, und die meisten Schwarzen wählen traditionell demokratisch.

Bernie Sanders hatte erfolglos versucht, um ihre Stimmen zu werben - ein Politiker aus dem sehr "weißen" Bundesstaat Vermont, der sich dazu noch als demokratischer Sozialist bezeichnet, hat es schwer im wertkonservativen und christlich geprägten schwarzen Süden.

Trump und Clinton gegen gestärkt aus "Super Tuesday" hervor
tagesthemen 22:15 Uhr, 02.03.2016, Stefan Niemann, ARD Washington

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Erfolg mit "schwarzen Themen"

Clinton hingegen hat die schwarzen Kirchenführer auf ihrer Seite, sie hat lange vor diesem Wahlkampf "schwarze" Themen wie Polizeigewalt oder Krankenversicherung auf die politische Agenda gesetzt. Und: Viele verbinden sie immer noch mit der Präsidentschaft ihres Mannes. Bill Clinton, selbst ein Südstaatler, nannten viele Schwarze damals den "ersten schwarzen Präsidenten der USA".

Sanders holte, auch das nicht überraschend, seinen Heimatstaat Vermont. Er gewann aber auch deutlich in drei anderen Staaten, unter anderem in Minnesota. Wichtige Erfolge, die ihn darin bestärken werden, das Rennen noch längst nicht aufzugeben.

Denn rein rechnerisch hat Sanders noch immer eine Chance, Clinton zu schlagen. Er wird jetzt alle Hoffnungen auf den nächsten Superwahltag legen: Am 15. März wählen sechs Staaten, darunter so wichtige wie Florida.

Ein nützlicher Konkurrent?

Und während die Hillary-Freunde in den Reihen der Demokraten fürchten, dass Sanders' zunehmend scharfe Angriffe auf Clinton dieser unnötig schaden - und dem republikanischen Gegner Munition für den späteren Präsidentschaftswahlkampf liefern - gibt es auch diejenigen, die hoffen, dass Sanders möglichst weit kommt in diesem Wahlkampf.

Ihr Argument: Selbst, wenn er am Ende verliert - je länger Sanders' Themen wie kostenlose Bildung oder stärkere Regulierung der Wall Street Teil des Wahlkampfs sind, desto weniger wird Clinton sie später ignorieren können. Und noch ein Argument führen die Bernie-Unterstützer ins Rennen: Laut einer CNN-Umfrage hätte er in einem Präsidentschaftswahlkampf gegen Trump bessere Karten als Clinton. Sie biete einem aggressiven Trump weitaus mehr Angriffsflächen.

Delegiertenstimmen bei den Demokraten-Vorwahlen
KandidatBisher gewonnene Stimmen (erforderlich: 2382)
Clinton1000
Sanders371

Cruz überraschend stark

Überraschender als bei den Demokraten verlief der Tag bei den Republikanern. Trumps Siegeszug war erwartet worden, doch im Feld der Verfolger konnte Ted Cruz unerwartet klar punkten. Cruz holte nicht nur seinen Heimatstaat Texas, sondern gegen die Erwartungen auch Oklahoma. Wie Trump gilt auch Cruz als Außenseiter in der Partei. Der erst kürzlich in den Senat gewählte Texaner ist Mitglied der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung.

Auch sein Erfolg ist ein Rückschlag für das Establishment der Partei, das sich gerade erst auf Rubio geeinigt hat - auf ihm liegen alle Hoffnungen, mit vereinter Unterstützung den ungeliebten Trump doch noch schlagen zu können.

Ted Cruz | Bildquelle: dpa
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Hofft, Trump die Präsidentschaftskandidatur noch entreißen zu können: Ted Cruz

Rubios Hoffnungen schwinden

Rubio gewann gestern Minnesota, liegt in der Gesamtrechnung an dritter Stelle. Dass ein Sieg gegen Trump gelingt - und dass er mit Rubio gelingt - ist auch nach dem Super Tuesday nicht wahrscheinlicher geworden.

In der Partei hatte man sich nach den ersten Vorwahlen noch damit beruhigt, dass Trumps Zustimmungspotential nicht über 35 Prozent reichen würde - und gehofft, dass er verliert, sobald das Kandidatenfeld kleiner wird und die Nicht-Trump-Stimmen sich nur noch auf wenige Konkurrenten konzentrieren.

Das ist längst widerlegt: Trump holt jetzt vierzig Prozent und mehr. Die neueste Strategie, die parteiintern diskutiert wird, geht deshalb so: Je mehr Kandidaten im Rennen bleiben, desto zersplitterter die Stimmen. Und desto größer die Chance, dass am Ende keiner der Bewerber - auch Trump nicht - über 50 Prozent kommt. Dann käme es zu langen Diskussionen auf dem Nominierungsparteitag - und am Ende zu einer Kampfabstimmung.

Trumps Selbstbewusstsein noch einmal gewachsen

Trump selbst ist nach dem Super Tuesday siegessicherer denn je. Erstmals hielt er statt der üblichen Siegesfeier gleich eine Pressekonferenz ab, mit dem erst kürzlich zum Trump-Unterstützer konvertierten ehemaligen Konkurrenten Chris Christie an seiner Seite.

Er werde ein guter Präsident, der beste, sagte er wie üblich. Er sagte aber auch, er sei "common sense conservative", ein Konservativer mit gesundem Menschenverstand. Vielleicht ein Zeichen an jene, die hoffen, dass er am Ende weit weniger radikal handeln würde als angekündigt.

Chris Christie und Donald Trump | Bildquelle: dpa
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Noch hat Trump wenig Rückhalt im Establishment der Republikaner. Gouverneur Christie ist einer seiner Unterstützer.

Stimmungen, die keiner wahrgenommen hat

Bleibt die Frage, warum beide Parteien von Außenseitern überrascht werden konnten, warum offenbar niemand die Stimmung an der Basis wahrgenommen hat. Marcia Chatelain, Professorin an der Georgetown University in Washington, hat dafür zwei Erklärungen: Die Republikaner hätten schlicht die Kontrolle über die Wut verloren, die sie jahrelang selbst geschürt hätten: gegen Obama, gegen die Krankenversicherung, gegen Migranten, Muslime, Homo-Ehe oder Klimaschutz.

Trotz wütender Gegenkampagnen hätten sie die Wahl und Wiederwahl Obamas nicht verhindern können, seien die meisten seiner Projekte verwirklicht worden. Die Wut, der Hass aber seien geblieben, ein Kandidat wie Trump sei die logische Konsequenz.

Verlorene Generation

Bei den Demokraten sei ein ähnlicher Fehler gemacht worden. Die Generation Obama, all jene, die sich im Wahlkampf 2008 für Politik begeistert hätten, sei nicht gefördert worden.

Statt junge Talente heranzuziehen, habe die Partei an alten Namen festgehalten - bis hin zur Präsidentschaftskandidatur, für die Clinton seit Jahren "gesetzt" gewesen sei. Dass da eine ganze Generation übersehen worden sei, räche sich jetzt - und erkläre, warum ein absoluter Außenseiter wie Sanders der Kandidat der Jungen sei. Dennoch - Clinton bleibt die Favoritin im Rennen der Demokraten, der gestrige Tag hat sie bestätigt. 

Delegiertenstimmen bei den Republikaner-Vorwahlen
KandidatBisher gewonnene Stimmen (erforderlich: 1237)
Trump285
Cruz161
Rubio87
Kasich25
Carson8

Donald Trump, auch das hat dieser Dienstag gezeigt, hat Unterstützung in fast allen Bevölkerungsgruppen. Ihn wählen Frauen wie Männer, Arme wie Reiche.

Und er hat in sehr unterschiedlichen Staaten siegen können: im konservativen, religiös geprägten Georgia ebenso wie im reicheren, weit liberaleren Massachusetts. Wenn er nicht selbst einen Fehler macht, so scheint es, ist Trump nicht mehr zu stoppen.

Clinton und Trump triumphieren beim "Super Tuesday"
M. Ganslmeier, NDR Washington
02.03.2016 07:00 Uhr

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Ina Ruck | Bildquelle: WDR/Herby Sachs Logo WDR

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