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Unabhängigkeitsfeierlichkeiten im Südsudan

Ein Jahr nach der Unabhängigkeit

Schmerzvoller Start für den Südsudan

Die Hoffnungen der Menschen waren groß, als der Südsudan vor einem Jahr unabhängig wurde. Hinter ihnen liegt eine schmerzvolle Zeit, lautet die Bilanz der Vereinten Nationen heute. Die Flüchtlingsproblematik macht dem Land zu schaffen. Und auch der Streit ums Öl tobt weiter.

Von Hans Michael Ehl, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Am 9. Juli 2011 feiern in der südsudanesischen Hauptstadt Juba am Denkmal für den Freiheitskämpfer John Garang Hunderttausende, als die Unabhängigkeit ihres Landes vom Norden verkündet wird. Ein Jahr danach ist den Menschen im Land nicht mehr wirklich zum Feiern zumute.

Zwar wurden im vergangenen Jahr viele Straßen neu gebaut und Weichen für eine bessere Zukunft im Bildungssystem wie auch in der Landwirtschaft gestellt. Doch die junge Nation hat mit riesigen Problemen zu kämpfen.

Südsudan: Ein Jahr nach der Unabhängigkeit
H. M. Ehl, ARD Kairo
08.07.2012 12:20 Uhr

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"Ein harter Start, ein schmerzvolles Jahr"

"Das vergangene Jahr war ein schweres Jahr, zeitweise ein schmerzvolles für das Land und die Menschen im Südsudan. Mit vielen Herausforderungen für die Regierung und die Menschen - ein harter Start", bilanziert Hilde Johnson, Leiterin der UN-Mission in Juba. "Und wir sehen weitere Herausforderungen im Bereich der Sicherheit, der wirtschaftlichen Situation und jetzt auch im humanitären Bereich."

Frauen laufen vor einer Hütte in Juba, der Hauptstadt des Südsudan, vorbei.
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Frauen in der Hauptstadt Juba.

Mit den "humanitären" Herausforderungen spricht die UN-Vertreterin die zahllosen Flüchtlinge im Land an. Seit dem vergangenen Jahr sind Hunderttausende Menschen aus dem Norden in den Süden geflohen. Inzwischen habe sich die Situation weiter verschärft: "Im Mai kamen in den Flüchtlingslagern, die wir betreuen, noch einmal 40.000 Menschen zu den dort lebenden 100.000 dazu", berichtet Tara Newall von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. "Flüchtlinge aus dem Norden haben uns berichtet, dass nach Luftangriffen auf ihre Dörfer auch Kämpfe am Boden stattfanden - mit viel Gewalt. Menschen wurden lebendig in ihren Häusern verbrannt, andere auf dem Weg zum Brunnen erschossen." Die Regierung in Khartoum wies damals Vorwürfe zurück, systematisch Dörfer in den Grenzregionen anzugreifen.

Im Streit ums Öl sind die Fronten verhärtet

Schon zuvor drohte der Grenzkonflikt zwischen dem Norden und dem Süden in der Ölregion Heglig zu eskalieren. Truppen des Südens hatten Ölanlagen besetzt, die auf einem Territorium liegen, das nach dem Friedensabkommen von 2005 dem Norden zugesprochen wurde.

Der neue südsudanesische Präsident Salva Kiir
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Der südsudanesische Präsident Salva Kiir.

Der südsudanesische Präsident Salva Kiir gab sich unnachgiebig. Man werde die Truppen aus Heglig nicht zurückziehen, bis strittige Grenzfragen mit dem Norden ein für allemal geklärt seien, sagte er - internationalem Druck werde er sich nicht beugen. "Der UN-Generalsekretär hat mir sogar einen Befehl gegeben: Ich befehle Ihnen, hat er gesagt, sofort aus der Region Heglig abzuziehen. Ich habe ihm geantwortet: Ich stehe nicht unter ihrem Befehl."

Schließlich lenkte der Süden doch ein und zog seine Truppen aus der Region zurück. Der Konflikt machte aber deutlich, wie angespannt die Situation zwischen beiden Staaten ist und wie nötig Verhandlungen über den nach wie vor umstrittenen Grenzverlauf und um die Einnahmen aus dem Ölgeschäft sind.

Wem stehen welche Einnahmen zu?

Eine beschädigte Pipeline nach einem Angriff der Streitkräfte in der umkämpften Region Heglig.
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Bei Flugzeugangriffen zerstörte Pipeline in der Ölregion Heglig (Archivbild vom April 2012).

Drei Viertel der Ölvorkommen des ganzen Sudans liegen im Süden; allerdings ist er für die Verschiffung auf Pipelines im Norden angewiesen. Für die Durchleitung behält der Norden einen Teil der Einnahmen für sich, was immer wieder zu Konflikten führt. "Wir wissen aus der Vergangenheit, dass Öl sowohl Fluch als auch Segen sein kann", sagt der sudanesische Politikwissenschaftler Safwat Fanos. "Im Fall von Sudan und Südsudan ist das Öl leider zum Fluch geworden. Die beiden Staaten haben es nicht geschafft, sich auf ein Gleichgewicht zu einigen, damit beide Länder von den Öleinnahmen  zu profitieren."

UN-Vertreterin Johnson ist davon überzeugt, dass beide Länder nur dann eine Chance auf eine friedliche Zukunft haben, wenn die Konflikte um den Grenzverlauf und um die Öleinnahmen bald gelöst werden. Außerdem sei es für den neuen, unabhängigen Staat Südsudan sehr wichtig, dass die Vereinbarungen des Friedensabkommens mit dem Norden von 2005 auch umgesetzt werden. "Nur dann kann der Südsudan als neuer Staat überleben."

Ob es bald zu einer Einigung über die umstrittenen Punkte kommt, ist allerdings fraglich. Erst in der vergangenen Woche wurden Gespräche zwischen Vertretern beider Länder in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ergebnislos abgebrochen.

Karte des Sudan und Südsudan
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Der Südsudan im Nordosten Afrikas.

Stand: 08.07.2012 15:30 Uhr

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