Eine Frau sitzt auf den Trümmern ihres Heims nach einem Angriff von Bewaffneten im südsudanesischen Ort Malakal | Bildquelle: AFP

UN-Bericht zur Lage im Südsudan Vergewaltigt, erschossen, verbrannt

Stand: 11.03.2016 13:58 Uhr

Im Südsudan herrschen Brutalität und Gesetzlosigkeit von erschütternder Dimension. Zu diesem Ergebnis kommt ein UN-Bericht. Frauen werden vergewaltigt und erschossen. Regierungstruppen ermorden Kinder und Behinderte. Mehr als zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Von Hans-Jürgen Maurus, ARD-Studio Zürich

Dieser UN-Bericht über den Südsudan ist selbst für hartgesottene Beobachter schockierend. Brutale Menschenrechtsverletzungen wie Mord, Vergewaltigungen, Zerstörungen und Plünderungen, eine Politik der verbrannten Erde, Abschlachten von Zivilisten und Vergewaltigungen als Lohn für kriminelle Banden, die der Regierung nahestehen.

Massenvergewaltigungen als Kriegswaffe

Im Südsudan herrschen Chaos und Gesetzlosigkeit von atemberaubender Dimension. Zwischen April und September 2015 haben die Vereinten Nationen in einem einzigen Bundestaat mehr als 1300 Vergewaltigungen dokumentiert, heißt es im neuesten Bericht der Expertenkommission von UN-Menschenrechtskommissar Zeid Raad al Hussein, doch sei dies nur eine Momentaufnahme einer weit größeren Realität. Massenvergewaltigungen würden als Instrument des Terrors und als Kriegswaffe eingesetzt, beklagt der UN-Menschenrechtskommissar, doch dies sei mehr oder weniger unter dem internationalen Radarschirm geblieben.

Massenvergewaltigungen als Kriegswaffe
H.-J. Maurus, SWR
11.03.2016 12:15 Uhr

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Die Menschenrechtssituation im Südsudan habe sich seit Dezember 2013 dramatisch verschlechtert, berichten die Autoren. Mehr als zwei Millionen Südsudanesen sind auf der Flucht, Zehntausende wurden getötet. Die Kriegsparteien haben noch immer nicht die Übergangsregierung gebildet, auf die sie sich in einem Abkommen im August vergangenen Jahres verpflichtet haben. Alle Konfliktparteien haben Zivilisten attackiert, vergewaltigt, entführt, sexuell attackiert oder willkürlich verhaftet.

Bei lebendigem Leib verbrannt, in Containern erstickt

Die Brutalität der Angreifer ist schockierend. Überlebende beschreiben Massenvergewaltigungen von Frauen, die einfach erschossen wurden, wenn sie sich wehrten. Regierungstruppen ermordeten Kinder und behinderte Menschen, weil man sie verdächtigte, die Opposition zu unterstützen. Die Opfer würden bei lebendigem Leib verbrannt, in Containern erstickt, erschossen, an Bäumen aufgehängt oder verstümmelt. Menschen würden einfach verschwinden, Mädchen als Sexsklaven gehalten und UN-Personal angegriffen, heißt es in dem neuen Dokument. Mehr als 700 Kinder wurden vergewaltigt und 617 Kindersoldaten rekrutiert. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Zahl weit höher liegt.

Die Breite und Tiefe der Anschuldigungen lassen den Schluss zu, so die UN, dass es sich bei den Menschenrechtsverstößen um Kriegsverbrechen handelt. Dazu gehören auch ethnische Säuberungen. Wenn eine Gruppe eine Stadt oder ein Gebiet erobert habe, würden jede Menge Zivilisten nach ihrer ethnischen Identität getötet. Allein in Bentiu und Rubkona seien von Regierungsgegnern Hunderte von Menschen getötet worden. Auch Kirchen, Moscheen und Krankenhäuser werden bei Attacken nicht verschont.

Über dieses Thema berichtete der Deutschlandfunk am 11. März 2016 um 18:38 Uhr.

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